ZG09110501 - 05.11.2009
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Die Bedeutung des Heiligen in der Liturgie


Der Präfekt der Gottesdienstkongregation zur Reform der Liturgie


ROM, 5. November 2009 (ZENIT.org).- Gerade in der heutigen säkularisierten Zeit, in der man dazu neige, Gott zu vergessen und ihm wenig Bedeutung für das Leben beizumessen, gelte es zu unterstreichen, dass Gott an erster Stelle stehe, das ist eines der Hauptanliegen von Antonio Cañizares, Kardinalpräfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung.

Aus Anlaß des bevorstehenden ersten Jahrestag seiner Ernennung zum Präfekten im Vatikan, dem 8. Dezember (ZENIT berichtete) , hat die spanische Zeitung Catalunya Christiana ein Interview mit Kardinal Cañizares Llovera geführt. Wir veröffentlichen wesentliche Pasagen daraus.

Bald jährt sich ihre Ernennung zum Präfekten für die Kongregation für Gottesdeinst und Kultus. Wie schätzen sie ihren Einstieg in die Kurie ein?

--Kardinal Cañizares Llovera: Es kommt mir nicht zu, meine Arbeit zu bewerten. Ich kann nur sagen, daß es gegenwärtig eine sehr wichtige Zeit für uns alle ist, wir haben hart zu arbeiten, es hat eine Vollversammlung der Kongregation stattgefunden, wir haben Vorschläge erarbeitet, die die Zustimmung des hl. Vaters gefunden haben und die die weiteren Grundlagen unserer Arbeit bilden. Das große Ziel ist, den Geist der Liturgie in der ganzen Welt wieder zu beleben.

Was waren die dringedsten Probleme, denen Sie sich widmen mußten?

--Kardinal Cañizares Llovera: Dringende Probleme haben wir hier jeden Morgen, es gibt viele Übertreibungen und Mißbräuche in der Liturgie, aber die drängendste Aufgabe, die sich weltweit stellt, besteht darin, denn Sinn für Liturgie überhaupt wieder herzustellen. Dabei geht es nicht um Veränderungen der Rubriken oder um die Einführung von Neuerungen, sondern schlichtweg darum, daß die Liturgie gelebt wird und im Mittelpunkt des Lebens der Kirche steht. Die Kirche kann ohne die Liturgie nicht bestehen, die Liturgie ist der Daseinszweck der Kirche: Das Lob Gottes, die Danksagung, die Darbringung des Opfers, der Gottesdienst. Das ist die Grundlage, ohne die die Kirche nicht existieren kann, ohne die tatsächlich die Menschheit nicht existieren kann. Daher ist das eine äußerst wichtige und dringliche Aufgabe

Wie ist der Sinn für Liturgie wieder zu gewinnen?

--Kardinal Cañizares Llovera: Wir arbeiten derzeit ohne viel Aufhebens davon zu machen an einer ganzen Reihe von Ausbildungsprojekten. Das steht an erster Stelle: Eine gute und korrekte liturgische Ausbildung. Das ist ein kritisches Thema, denn die gegenwärtige Ausbildung ist einfach unzulänglich. Die Leute denken, Liturgie wäre eine Sache der Form und äußerer Dinge, doch was wir wirklich brauchen ist die Wiederherstellung eines Sensoriums für den Gottesdienst und für Gott als Gott den Herrn. Dieses Sensorium für Gott kann nur durch die Liturgie wieder gewonnen werden. Daher legt der Papst auch höchsten Wert darauf, den höchsten Rang der Liturgie für das leben der Kirche herauszustellen.

Wenn man den Geist der Liturgie lebt, dann tritt man in den Geist des Gottesdienstes ein, tritt ein in die Anerkennung Gottes, tritt ein in die Gemeinschaft mit IHM – und das ist es, was den Menschen verwandelt und zu einem neuen Menschen macht. Die Liturgie schaut immer auf zu Gott und nicht zur Gemeinschaft. Nicht die Gemeinschaft macht die Liturgie, sondern Gott macht sie. Er kommt auf uns zu und bietet uns an, teil zu haben an seinem Leben, an seiner Barmherzigkeit und seiner Vergebung. Wenn man die Liturgie wahrhaft lebt und Gott wirklich in ihrem Mittelpunkt steht, verändert sich alles.

Sind wir heute denn so weit vom rechten Sinn für das Mysterium entfernt?

--Kardinal Cañizares Llovera: Ja. Derzeit erleben wir eine umfassende Säkularisierung, der Sinn für das Mysterium und für das Heilige ist verloren gegangen, man lebt nicht in dem Geist, Gott wahrhaft zu verehren und Gott als Gott anzuerkennen.Deshalb hält man es für angebracht, unentwegt irgendetwas in der Liturgie zu verändern, Neuheiten einzuführen und alles kreativ zu gestalten. Aber das ist nicht das, was Liturgie erfordert – in ihr geht es um wirklichen Gottesdienst, darum, den Einen anzuerkennen, der größer ist als wir und der uns die Erlösung anbietet. Das Mysterium Gottes, das unermeßliche Geheimnis seiner Liebe, ist nicht irgendein nebulöses Etwas, sondern es ist Einer, der auf uns zugeht.

[Deutsche Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von motu-proprio.de]


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