ROM, 1. Februar 2008 (ZENIT.org).- Während sich Papst Benedikt XVI. darauf vorbereitet, im Vatikan eine Delegation muslimischer Autoritäten zu empfangen, die in einem Brief ihre Offenheit für Dialog und gemeinsamen Friedenseinsatz bekundet haben (vgl. Brief der Vertreter des Islam und Antwortschreiben Benedikts XVI. sowie Kommentar von P. Lombardi SJ), drücken in Indien katholische Intellektuelle ihren Dank an die muslimischen Verantwortlichen dieser Initiative aus, wie „Eglise d’Asie“ (EDA), die Agentur für ausländische Mission in Paris, vor wenigen Tagen berichtete.
Die indischen Katholiken bereiten eine Antwort auf den Brief vor, der von 138 muslimischen Theologen und Geistlichen an den Papst und die Oberhäupter der christlichen Kirchen gerichtet wurde.
Die 80 Islamexperten der „Islamic Studies Association“ (ISA), einer 1979 auf Anraten der Bischöflichen Kommission für Ökumene und Interreligiösen Dialog gegründeten Organisation, haben das Anliegen, eine „christliche Replik aus indischer Perspektive zu geben“, wie der seit 1949 in Indien lebende spanische Jesuitenpater George Gispert-Sauch erklärte.
Begonnen wurde damit, sich mit dem Inhalt des Briefes der Geistlichen auseinanderzusetzen. Die katholischen Intellektuellen hoben hervor, dass das Schreiben die Ähnlichkeiten zwischen den Religionen hervorhebe sowie die Notwenigkeit, sich gemeinsam für den Frieden einzusetzen, denn schließlich machten Christen und Muslime zusammen die Hälfte der Weltbevölkerung aus.
Der Brief sei „großartiges Geschenk, das uns ermutigt, das zu suchen, was wir in unserem Glauben an den einen Gott miteinander gemein haben. Weil wir alle an Gott den Schöpfer glauben, fühlen wir uns in der Tiefe unserer Existenz miteinander verbunden.“ Die offensichtlichen Unterschiede im Glauben und in der religiösen Praxis zwischen Christen und Muslimen sollten dabei nicht übergangen werden. Es sei wichtig, sie als Herausforderungen wahrzunehmen und keinesfalls als Hindernisse für eine gegenseitige Wertschätzung.
Vor allem im konkreten Leben sollten Muslime und Christen aufeinander zugehen. In Indien, einem Land also, in dem die Gläubigen dieser beiden Religionsgemeinschaften etwas weniger als 15 Prozent der ansonsten zum Großteil hinduistischen Bevölkerung ausmachen, schreiben die katholischen Intellektuellen: „Indem wir uns einem transzendenten Gott hingeben, der auch ein Gott der Liebe ist, zeigen wir, dass wir unsere Freiheit nicht einer geschaffenen Wirklichkeit unterwerfen können, welche auch immer diese sein mag. Diese Liebe drängt uns, uns für das Wohl der Gemeinschaft und des Einzelnen einzusetzen, um an einer indischen Gesellschaft mitzubauen, die wirklich offen ist für alle.“
Damit die Botschaft der christlich-islamischen Geschwisterlichkeit nicht rein akademisch bleibt, wird betont, wie wichtig es sei, konkrete Projekte zu verwirklichen und zu einem Austausch vor allem anlässlich der großen Feste in den beiden Religionen anzuregen.
Verfasst auf Englisch, wird das Antwortschreiben der indischen Katholiken auf Urdu übersetzt werden, der Sprache der indischen Muslime. Der Brief soll sowohl unter den Muslimen als auch unter den Katholiken in Umlauf gebracht sowie besonders in den Bildungseinrichtungen gelesen werden. In New Delhi kann sich das von Jesuiten geführte „Indian Social Institute“ vorstellen, die Verbreitung der Schrift vor allem unter den Imamen der Stadt zu übernehmen.
[Von Anita Bourdin; Übertragung ins Deutsche von Sandler Kladler]
ZG08020103 - 01.02.2008
Permalink: http://www.zenit.org/article-14361?l=german
Indien: Katholiken antworten auf den Offenen Brief muslimischer Theologen an Papst Benedikt
Islam-Vertreter hatten Papst Benedikt und die Christenheit zu Dialog und Frieden eingeladen
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