SYDNEY, 19. Juli 2008 (ZENIT.org).- Mehr als 250.000 Zuschauer sahen sich im Rahmen des Weltjugendtags die Inszenierung der Passion Christi in den Straßen von Sydney an.
Der Kreuzweg ist ein wichtiges Highlight eines jeden internationalen Weltjugendtages, und die Prozession am Freitag in Sydney bildete da keine Ausnahme. Die Organisatoren schätzen das Publikum global auf über 500 Millionen ein, die sich der Live-Übertragung zuschalteten.
Obwohl die 14 Stationen traditionell mit der Verurteilung Jesu zum Tod beginnen und mit der Grablegung schließen, begannen die 13 Stationen der Aufführung in Sydney mit dem Abendmahl und endeten mit der Herabnahme vom Kreuz. Benedikt XVI. leitete das Gebet in der erste Station auf den Stufen der St. Mary's Cathedrale in Sydneys zentralem Geschäftsviertel.
Anthony Gordon, 34, der die Rolle des Apostels Bartholomäus spielte, gestand gegenüber ZENIT ein, mit seinen Gefühlen gekämpft zu haben. „Als der Papst kam, konnte man eine Welle der Zuneigung und Begeisterung im Publikum spüren“, sagte der Schauspieler. Tränen rollten an den Wangen vieler junger und älterer Menschen herab, die der Aufführung von epischem Ausmaß vor dem Hintergrund des australischen Sonnenuntergangs beiwohnten. Der 29-jährige Mario Gabrael, der eine der römischen Wachen darstellte, gab zu: „Es war zeitweise schwierig, sich zu konzentrieren, weil da so viele Emotionen mitspielten.“
Nachdem Benedikt XVI. der ersten Station zugesehen hatte, betrat er die Krypta, um den Rest der Veranstaltung im Fernsehen mitzuverfolgen. Rund 100 Darsteller spielten die Stationen an den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Sydneys nach: der Kunstgalerie von New South Wales, dem Opernhaus, dem Domain-Viertel, Darling Harbor und Barangaroo.
In Anbetracht der Entfernungen und Straßensperren zwischen den einzelnen Stationen wurden an allen Veranstaltungsorten Großleinwände errichtet, so dass die Jugendlichen die gesamte Prozession verfolgen konnten.
Von der St. Mary's Kathedrale ging die Prozession für die zweite Station (die Agonie Christi im Garten Gethsemani) zum Domain-Viertel. Der Zug passierte das Sydney-Hospital, wo „Jesus“ einen zusätzlichen Halt einlegte, um die von den Fenstern aus zusehenden Kranken zu würdigen.
Die siebte Station im Darling Harbor wurde auf einem schwimmenden Ponton-Boot dargestellt. Craig Duncan, ein Aboriginal in einer Känguru-Haut und mit traditioneller Körperfarbe bemalt, spielte Simon von Cyrene, der Jesus half, sein Kreuz tragen.
Catherine Naticchia spielte Susanna in der achten Station, der Begegnung Jesu mit den weinenden Frauen. Naticchia sah ihre Rolle darin, „Zeugnis zu geben für das tiefe Mitgefühl“ der Frauen von Jerusalem. Dieses Mitgefühl sei „wirklich wichtig“ gewesen, bekräftigte sie. „Als Frauen können wir wirklich empathisch sein und Gefühle zeigen, wo viele Männer in dieser Zeit nicht zu reagieren wussten.“
Die letzten fünf Stationen fanden auf Barangaroos Nordbühne statt. Die Menge beobachtete, wie Jesus ans Kreuz genagelt wurde, dem guten Schächer vergab und dann seiner Mutter Maria den Lieblingsjünger anvertraute – nach den Worten der Heiligen Schrift: „Frau, siehe dein Sohn.“ Dann sagte er zu Johannes: „Siehe, deine Mutter.“
Die dreistündige Inszenierung gipfelte mit der Kreuzigung und Herabnahme Jesu vom Kreuz – eine Szenerie, die sich in der Dämmerung vor dem Wasser Barangaroos silhouettenartig abhob.
Die gesamte Aufführung lief unter der Regie von Pater Franco Cavarra, der in Australien und weltweit, unter anderem im Sydney Opera House, Opern inszeniert. Er ist auch ein Gründungsmitglied des International Arts Festival in Melbourne.
Der Chor der St. Mary's Kathedrale lieferte die Hintergrundmusik für die erste Station – Mozarts „Ave verum corpus“ –, während der ukrainische Weltjugendtagschor 2008 während der sechsten Station im Vorhof des Opernhauses „Jesus Carries His Cross“ sang.
Der Text des Kreuzwegs stammt aus der Bibel von Jerusalem, in der modifizierten Form des australischen katholischen Lektionars.
Von Anthony Barich und Bridget Spinks; Übersetzung von Katharina Karl
ZG08071909 - 19.07.2008
Permalink: http://www.zenit.org/article-15657?l=german
Großer Kreuzweg in den Straßen Sydneys
Mehr als 250.000 Zuschauer ließen sich das rund dreistündige Ereignis nicht entgehen
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