ZG09070103 - 01.07.2009
Permalink: http://www.zenit.org/article-18171?l=german

Kardinal Rodé: Bosniens Katholiken beinahe ausgelöscht


Starkes Wachstum des Islams und der orthodoxen Kirche in Ex-Jugoslawien


SARAJEVO, 1. Juli 2009 (ZENIT.org).- Als „praktisch islamische Stadt" hat Kardinal Franc Rodé Sarajevo bezeichnet. Nach einem zweitägigen Aufenthalt im Balkan berichtete der Kardinalpräfekt der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und die Gesellschaften apostolischen Lebens gegenüber Radio Vatikan von seinen Eindrücken.
 
Stark gesunken sei die Zahl der Katholiken: In Sarajevo, einer Stadt mit insgesamt 600.000 Einwohnern, gebe es nur mehr 17.000 Katholiken. „In der Diözese von Banja Luka gab es vor dem Krieg zwischen 1991 und 1995 noch 150.000 Katholiken; heute sind es nur mehr 35.000." Sie seien die Hauptopfer des Kriegs. Viele verließen das Land und gingen nach Kroatien oder in fern liegende Staaten wie Australien, Kanada und Neuseeland. Viele katholische Christen verloren ihre Häuser, und andere flüchteten aus Angst um ihr Leben. Etliche Priester und Ordensleute seien ermordet, Kirchen und Klöster zerstört worden.
 
Dennoch wünschten sich die Katholiken, zu bleiben und allen ihre Dienste anzubieten, vor allem im Erziehungs- und Sozialwesen. Sie kämen allen Bürgern zugute, auch orthodoxen Christen und Muslimen. In Banja Luka plant Bischof Franjo Komarica nach Worten von Kardinal Rodé eine katholische Universität, die sich insbesondere des interreligiösen Dialogs annehmen werden soll. „Die Kirche, die ich in Bosnien-Herzegowina antraf, war zwar zahlenmäßig klein, aber eine lebendige Kirche voller Hoffnung", so Kardinal Rodé. Es „ist eine stark motivierte Kirche, an Priester- und Ordensberufungen fehlt es nicht."
 
In den letzten Jahren seien mehr als 100 Moscheen gebaut worden. „Es gibt in der Tat den Willen, die Region von Sarajevo zu islamisieren", erklärte der Kardinal diesbezüglich. Es gebe auch Bestrebungen, „aus der serbischen Republik eine orthodoxe Nation zu machen". In Serbien baue die Regierung deshalb orthodoxe Kirchen. Kurienkardinal Rodé, der selbst beobachten konnte, wie die Staatsführer offen orthodox auftreten, hofft nun voll allem auf „Beziehungen der Toleranz und, wenn möglich, des Respekts und einer gewissen geistigen Übereinstimmung und Zusammenarbeit".


© Innovative Media, Inc.

Die Weiterverwendung der ZENIT-Dienste ist nur mit ausdrücklicher Erlaubnis gestattet.
Wenden Sie sich bitte an info-autorenrechte@zenit.org .



Weiterleiten Beitrag kommentieren
Druckformat PDF-Ansicht
Anfang


ZENIT per E-Mail | RSS | Geschenkabo | Weiterempfehlen | Spende

| Nutzungsbedingungen | Beiträge und Bemerkungen senden | Kontakt aufnehmen | Startseite

© Innovative Media, Inc.

advertising

advertising

advertising