ZG09103001 - 30.10.2009
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Cameco: Finanzierung der katholischen Medien ist ein dringendes Problem


Interview mit der Geschäftsführerin Dr. Daniela Frank


ROM, 30. Oktober 2009 (ZENIT.org) - Aufgrund ihres bevorzugten Beobachtungsstandpunktes kann Dr. Daniela Frank, Geschäftsführerin des Catholic Media Councils (CAMECO), wie nur wenige, die jetzigen Herausforderungen der katholischen Kirche im Kommunikationszeitalter verstehen. CAMECO mit Sitz in Aachen ist ein Beratungsbüro für Medien und Kommunikation in Afrika, Asien, Lateinamerika, Zentral- und Osteuropa, dem Nahen Osten und Ozeanien. Das Beratungsbüro bietet seit 40 Jahren seine Dienste bei der direkten Beratung von Verantwortlichen von Kommunikationsprojekten an und unterstützt Organisationen der Kirche im Bereich der Medienzusammenarbeit in Europa und Nordamerika.

In einem Interview mit ZENIT in Rom, wo sich Dr. Daniela Frank anlässlich ihrer Teilnahme an der Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel aufhielt, dessen Beraterin sie ist, zieht sie im Gespräch mit Jesús Colina Bilanz und zeigt Perspektiven auf.

ZENIT: Sie analysieren Hunderte von katholischen Kommunikationsprojekten. Könnten Sie uns die sagen, was die „Ursünde“ der katholischen Medien aus fachlichem und technischem Gesichtspunkt ist? Warum gibt es heute weltweit gesehen, zum Beispiel im Fernsehbereich, keinen bedeutenden katholischen Fernsehsender, obwohl es ein potenzielles Publikum von einer Milliarde Menschen geben würde?

- Dr. Daniela Frank: Es ist sehr schwierig, eine Antwort zu geben, die die große Vielfalt in den katholischen Medien in so unterschiedlichen Gefügen wie Afrika, Lateinamerika, Asien oder Osteuropa umfasst. Ein Problem scheint mir, dass viele Führungskräfte die Dynamik, die Komplexität und die Professionalität der Kommunikationswelt unterschätzen, in der sich auch die katholischen Medien bewegen und konkurrieren müssen. Es reicht nicht mehr, aus nur „katholisch“ zu sein, um die Zuschauer zu gewinnen (und bei der Stange zu halten).

Selbst diejenigen Zuschauer, die sich für die Sichtweise der Kirche interessieren, die religiöse Programme oder Nachrichten, die von der Soziallehre der Kirche ausgehen, sehen und hören wollen und die unsere Anschauung über den Menschen teilen, suchen attraktive und interessante Programme, die mit den fachlich guten Produktionen vieler professioneller Medien konkurrieren können.

Der gute Wille der Geistlichen oder der engagierten Laien genügt nicht, um eine Zeitschrift, ein Radio oder einen katholischen Fernsehsender zu verwalten und aufrechtzuerhalten. Die Kommunikationsarbeit ist eine professionelle Aufgabe; deshalb müssen wir unsere Fähigkeiten verbessern, um das Unsere auf eine attraktive Weise anzubieten. Eine weitere „Gefahr“ der katholischen Kommunikationsmittel besteht meiner Meinung nach darin, dass man mehr an „Mittel“ als an „Kommunikation“ denkt. Oftmals ist zuerst das Wichtigste, ein eigenes Medium zu errichten und zu besitzen, eine Druckerei, ein Radio, ein TV-Sender, und nur danach wird über die Programme, die Finanzierung des Betriebs und die Qualifikation des Personals nachgedacht. Stattdessen sollten zuerst die Zielpersonen, mit denen wir kommunizieren wollen, und die Inhalte, mit denen sie angezogen werden können, erwogen werden, und dann können die am besten geeigneten Medienkanäle und Formen festgelegt werden. „Strategischer“ zu denken, bleibt nach wie vor eine große Herausforderung für alle, die bei den katholischen Medien arbeiten.

ZENIT: Ein großes Problem der katholischen Medien ist die Selbstfinanzierung. Eine religiöse Berichterstattung ist nicht das Gleiche wie eine wirtschaftliche, eine sportliche oder eine aus der Unterhaltungsbranche. Im zweiten Fall zahlt man leichter für Gebrauch oder wegen des Genusses.Gibt es eine Lösung für dieses Problem?

- Dr. Daniela Frank: Die Finanzierung der katholischen Kommunikationsmittel ist weltweit ein dringendes Problem. Für die elektronischen Medien stellt die Werbung fast die einzige Einnahmequelle von bedeutsamen finanziellen Einkünften dar, jedoch wird dieser Weg häufig von den kirchlichen Vorgesetzten abgelehnt oder das Gesetz (einiger Länder) erlaubt dies nicht. Weitere Einahmequellen sind individuelle Spenden oder (für die Medien im Süden oder in Teilen von Osteuropa) Ad-hoc-Zuschüsse von Hilfsorganisationen. Ferner gibt es Diözesen, die einen Teil ihres Haushaltsbudgets für das Radio oder anderen Diözesan-Medien zur Verfügung stellen, weil diese Medien für sie eine wichtige Rolle in der Seelsorge einnehmen. Ohne Zweifel stellt die Unterhaltung eines katholischen Medienträgers eine große Herausforderung dar und fordert heraus, in gemeinsamer Verantwortung zu wachsen. In diese Verantwortlichkeit sind sowohl die lokale Hierarchie, die Gläubigen und andere, die sich mit diesem Medienträger identifizieren, einbezogen.

Es gibt keine einfachen Lösungen und keine Lösungskonzepte, die auf jeden Kontext anwendbar sind. Aber wir stellen fest, dass Initiativen mit kreativen Produktionen, mit genau definierten Zielgruppen und mit guten sozialen Grundlagen diese Herausforderung leichter meistern. Wir müssen kreativer werden, unser Engagement steigern (und dies ist nur möglich, wenn wir überzeugt sind, dass unser Medium wirklich einen wichtigen und qualifizierten Dienst anbietet) und uns von Vorurteilen gegen die Geschäftswelt befreien. Von den erfolgreichen kommerziellen Medien können wir viel lernen, ohne dass wir ihre Vorgehensweise einfach nur nachahmen.

ZENIT: In den Entwicklungsländern gibt es viele Initiativen im Bereich der katholischen Kommunikationsmedien, allerdings sind dort die Mittel gering. Können diese Initiativen von ihrer professionellen Beratung und Hilfe profitieren? Wie?

- Dr. Daniela Frank: Die Beratung der Ortskirchen in Afrika, Lateinamerika, Asien und Osteuropa ist in der Tat der Grund des Bestehens von CAMECO. Vor 40 Jahren wurde CAMECO gegründet, um die Agenturen für Zusammenarbeit in Westeuropa und Nordamerika in ihren Entscheidungen über Anträge für die Kommunikationsinitiativen zu unterstützen. Der Umfang der Projekte schließt praktisch das gesamte Spektrum der Kommunikation vom Puppenspiel bis zu Internet-Plattformen und zum Satelliten-Fernsehen ein. In der Zwischenzeit beraten wir rund 500 Projekte pro Jahr. Mehr als 40 Prozent senden uns direkt Aufträge für Projekte, in denen sie unsere Hilfe in der strategischen Planung ihrer Initiativen, in der Beratung zur organisatorischen Weiterentwicklung oder zur Ausbildung des Personals sowie in der Koordination der Beratung und der Bewertungen erbitten. Viele Kontakte werden in erster Linie per E-Mail oder Skype durchgeführt, jedoch besuchten wir auch die Projekte selbst oder - im Falle der Notwendigkeit einer umfassenden und ausführlichen Beratung - beziehen wir auch externe Experten ein, die entsprechende Workshops geben und Veränderungsprozesse begleiten können. Jeder Verantwortliche einer Kommunikationsinitiative, der uns um Rat fragen möchte, kann sich direkt an CAMECO wenden, zum Beispiel per E-Mail. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte unsere Website www.cameco.org.

ZENIT: Wir leben im Zeitalter einer Informations- und Kommunikationsgesellschaft, aber viele denken, dass die Kirche sich noch im Zeitalter Gutenbergs befindet. Aufgrund Ihrer Erfahrung: Wie können Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien sich der Ernsthaftigkeit der Situation bewusst werden?

- Dr. Daniela Frank: Mittlerweile gibt es eine große Offenheit für die Veränderungen im Bereich der Kommunikationsmittel. Ich glaube, als Kirche sind wir schon vor vielen Jahren in die Welt der audiovisuellen Medien – des Radios, Videos, Fernsehens -. eingetreten. In vielen Ländern Lateinamerikas ist die Kirche seit den 50er und 60er Jahren eine der aktivsten Institutionen im Radiowesen, im Vergleich dazu gibt es in Afrika nur seit zehn oder fünfzehn Jahren die gesetzlichen Möglichkeiten für die Einrichtung von kirchlichen Radiosendern. Es ist unverkennbar, dass wir in den meisten Regionen der Welt durch die audiovisuellen Medien präsent sein müssen, um mit Menschen kommunizieren zu können, besonders da, wo es Analphabetismus, Probleme mit dem Transport von gedruckten Zeitungen, oder nur mündliche Überlieferungen gibt. Die Kirche geht auf diese Situation in beachtlichem Maße ein, ohne allerdings den Stellenwert zu vergessen, den die Schriftmedien in verschiedenen Kulturen für bestimmte Empfängergruppen besitzen.

Die große Herausforderung von heute sind die neuen interaktiven Medien, insbesondere Internet und die Möglichkeit der Verknüpfung zwischen verschiedenen Medienträgern wie Radio, TV und Internet-Plattformen. Man muss bedenken, dass diejenigen, die für die kirchliche Kommunikation verantwortlich sind, nicht „digital Geborene“, sondern vielmehr „Eingewanderte“ sind, die Schritt für Schritt die Dynamik der neuen Technologien entdecken müssen. Es besteht immer ein gewisses Risiko, dass wir zuallererst „gegen“ das Neue und Unbekannte sind, aber es gibt auch eine wachsende Zahl von Bischöfen, die sich leicht in der Medienwelt bewegen und so die Türen der Kirche für die Nutzung aller Kommunikationskanäle öffnen, damit wir unsere Sendung in der heutigen Welt erfüllen können.

Weitere Informationen www.cameco.org

Von Jesús Colina . Aus dem Spanischen übersetzt von Iria Staat.


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