BUDAPEST/ROM, 4. November 2009 (ZENIT.org).- Unter den Teilnehmern der Bischofssynode von Afrika, die vor einer guten Woche unter dem Vorsitz von Papst Benedikt XVI. feierlich zu Ende ging, war auch Kardinal Péter Erdő, der als Vorsitzender des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) an der Synode teilgenommen hatte. Im Gespräch mit ZENIT zieht der Erzbischof von Esztergom-Budapest Bilanz.Es sei eine einzigartige Gelegenheit gewesen, einen tieferen Einblick in die Situation der Kirche in Afrika zu bekommen und viel von diesem Kontinent zu lernen, betonte der Kardinal gegenüber ZENIT in diesem ersten Teil des Interviews. Der zweite Teil erscheint am morgigen Donnerstag.
ZENIT: Die Synode von Afrika ging zu Ende aber das internationale Medienecho blieb weitgehend aus. Wie würden Sie die Ergebnisse dieser drei Arbeitswochen zusammenfassen?
--Kardinal Erdő: Die Ergebnisse sind teilweise bereits in der Schlussbotschaft niedergeschrieben, die die Arbeiten, Aktionen und Anliegen der Synode zusammenfasste. Sie wurden ebenfalls in den Vorschlägen der Synode zur Sprache gebracht, die dem Papst mit der Hoffnung überreicht wurden, dass es in einigen Jahren ein post-synodales Apostolisches Schreiben geben wird. Die Ergebnisse gelten sicherlich nicht nur für Afrika, sondern auch für die Weltkirche.
Es war kein Zufall, dass alle Kontinente und alle Katholiken dieser Kontinente in der Synode vertreten waren, denn die hier behandelten Probleme haben immer einen universellen, oder wenn Sie so wollen, einen globalen Aspekt. Zum Beispiel verbindet das Wirtschafts- und Finanzsystem oder der Rohstoffmarkt die reiche Welt mit Afrika und China, und so weiter. Die Emigration ist ebenfalls ein Phänomen, das auf der einen Seite die afrikanischen Länder betrifft, wo viele Intellektuelle, viele Arme und Verfolgte ihr Land verlassen. All dies verläuft nicht unabhängig von den brutalen Auswirkungen der internationalen Politik und Weltwirtschaft ab. Auf der anderen Seite stellt sich die humanitäre Frage bezüglich der Einwanderer in den westlichen Ländern.
Natürlich gibt es auch einen interkirchlichen Aspekt, wie das Motto Synode bereits ahnen lässt. Die Kirche betrachtet die Förderung von Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden in der Tat als Teil ihres Sendungsauftrags, nicht nur in Afrika. Denn die Gerechtigkeit in einer Region kann nicht vom Verhalten vieler anderer Länder isoliert betrachtet werden.
Ebenso gehören pastorale Aspekte zu den Elementen, die die Synode mit der Welt verbinden, denn sicherlich muss es in den Ländern, in denen es viele Einwanderer aus Afrika gibt, unter ihnen viele Katholiken, eine gewisse Anzahl an Priestern für die Seelsorge geben. Ein weiterer Aspekt, der uns eint, ist die Frage nach Berufungen, sowie pastorale und kulturelle Projekte. Daher finden sich unter den Ergebnissen der Synode auch deutliche Hinweise für bestimmte Aufgaben, die besondere Anstrengungen von den Kirchen der reichen, westlichen Welt erfordern, und nicht nur von der Kirche in Afrika.
ZENIT: Wie hat sich die Situation in Afrika 15 Jahre nach der ersten Sondersynode verändert?
--Kardinal Erdő: Zuallererst muss man sagen, dass sich in vielen Ländern die Lage der Sicherheit, Demokratie und Wirtschaft nicht verbessern, sondern im Gegenteil, weiter verschlechtert hat. Viele bezeugten einen Abbau in der öffentlichen Bildung und im Gesundheitswesen in verschiedenen Teilen des Kontinents. Einige Länder sind weitflächig von Korruption und Gewalt bedroht, die nicht nur politische sondern auch wirtschaftliche Wurzeln hat. Manchmal wird da auch von außen Vorschub geleistet. Das macht die Lebensbedingungen dieser armen Menschen sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich.
Und doch gibt es auch positive Entwicklungen. Einige afrikanische Länder haben das Problem der Ernährung der eigenen Bevölkerung beheben können, und einen bedeutenden Schritt nach vorn getan, während andere leider noch nicht wissen, wie sie aus diesem Problem herauskommen können. In Bezug auf die Zahl von Diözesen, Bischöfen, Priestern und religiösen Gemeinschaften hat die afrikanische Kirche in den letzten 15 Jahren einen starken Zuwachs erlebt. Dies ist ein Zeichen göttlicher Gnade.
Auch können wir sagen, dass die afrikanische Kirche eine missionarische Kirche ist, eine Kirche voller Energie. Natürlich gibt es in dieser jungen Kirche viele alte pastorale Probleme, die auch die Kirchengeschichte der anderen Kontinente begleitet hat, wie Hexerei, das Problem des Aberglaubens oder der klaren Weitergabe des Glaubens. Es gibt aber auch Traditionen des Volkes und der Stämme, die wiederum sehr geschätzt werden, und auch im Leben der Kirche anerkannt sind, weil sie Modelle darstellen, die durch das Evangelium eine neue Beleuchtung und auch eine größere Bedeutung erfahren können, wie zum Beispiel die Versöhnungszeremonien zwischen den verschiedenen Gruppen.
Auf der anderen Seite gibt es Bräuche und Traditionen, die überwunden oder durch den Glauben erleuchtet werden müssen. Es gibt da Aspekte der sozialen Situation von Frauen in polygamen Ehen oder in den Stammestraditionen, die weder von einem christlichen Standpunkt aus, noch aus der Sicht der gleichen Würde der menschlichen Person, unterstützt werden können. Diesbezüglich gibt es große Unterschiede zwischen den Ländern auf dem Kontinent.
Ein traditioneller Wert, der absolut „getauft“ werden muss, weil er ein zentrales Thema in der afrikanischen Theologie darstellt, ist die Familie. Die afrikanische Familie und die Familie als Modell der kirchlichen Theologie ist das Modell für die Ekklesiologie: Die Kirche als Familie Gottes war bereits ein zentrales Thema auf der ersten afrikanischen Synode und kam in dieser Synode ebenfalls auf. Deshalb ist es wichtig, dass Ideologien aus anderen Regionen die Familie nicht zerstören, und keine Änderungen von Gesetzen einführen, die mit dem Wert der Familie in Widerspruch stehen.
[Von Viktoria Somogyi, deutsche Übersetzung von Susanne Czupy]
















