Michaela Koller
SYDNEY/ AUSTRALIEN, 4. November 2009 (ZENIT.org).- Die katholischen Josephs-Schwestern im australischen Sydney bitten seit diesem Mittwoch weltweit um Unterstützung für die Auszeichnung des Volkes von Osttimor. In einem Petitionsschreiben an Parlamentarier der Einzelstaaten und des Bundesparlaments von Australien fordert Schwester Susan Connelly, den Einsatz des armen Landes an der Seite australischer Soldaten gegen die japanischen Angriffe während des Zweiten Weltkriegs zu honorieren. Die Schwestern, die eine eigene Mission in dem nördlich von Australien gelegenen Land haben, wollen so den Osttimoresen Gerechtigkeit widerfahren lassen. Die Gründerin des angesehenen australischen Schulordens ist die selige Mary MacKillop, die weltweit als eine Schutzpatronin des Weltjugendtags 2008 bekannt ist (ZENIT berichtete).
Abgesehen von der Ostfront war der Pazifik der zweite große Kriegsschauplatz während des Zweiten Weltkriegs, wo die militärischen Auseinandersetzungen schon im Juli 1937 mit dem Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg begannen. Im Jahr 1942 konnte die Kaiserlich Japanische Armee große Teile der südostasiatischen und pazifischen Region mit zeitweise rund 450 Millionen Menschen unterwerfen. An die Brutalität dieser Herrschaft erinnern in diesem Jahrtausend noch gelegentliche Aufrufe, die die Zwangsprostitution Tausender asiatischer Frauen aus Korea, China, Taiwan, Indonesien, Philippinen und eben auch Osttimor während des Zweiten Weltkriegs anprangern.
Osttimor war damals portugiesische Kolonie und daher neutral. Dennoch, dicht vor der australischen Nordküste gelegen, wurde Portugiesisch-Timor, wie die Inselhälfte damals hieß, in die Kampfhandlungen verstrickt. Die einheimischen Timoresen unterstützten die australischen Soldaten versiert in der Guerilla-Abwehr gegen die Japaner. „Sie nahmen sie mit nach Hause zu ihren Familien, teilten mit ihnen, was sie hatten, versorgten die Australier, wenn sie verwundet oder erkrankt waren", heißt es voller Hochachtung in der Petition der Josephs-Schwestern. Durch die logistische und strategische Hilfe der Timoresen konnte eine komplette Division der Armee Japans mehrere Monate lang gebunden werden. Die japanische Vergeltung forderte mehr als 40.000 Opfer auf Seiten der Timoresen. Japanische Kriegsverbrechen während der Schlacht um Timor kamen nie vor Gericht. Im Gegensatz zu anderen Regionen Südostasiens zahlte Japan nie Entschädigungsleistungen an Osttimor.
Wohingegen die katholische Bischofskonferenz Japans sehr wohl die ehemalige portugiesische Kolonie karitativ und pastoral unterstützte, als das Land von 1975 bis 1999 unter indonesischer Fremdherrschaft litt. Die Besatzungspolitik während dieser Jahre forderte wiederum zahlreiche Todesopfer, rund 200.000 nach offiziellen Angaben. Auch in diesen Fällen kamen die Drahtzieher ungeschoren davon. Seit der Unabhängigkeit Osttimors im Jahr 2002 leisten ausländische und internationale Organisationen, nicht zuletzt aus dem kirchlichen Bereich, Erhebliches zum Wiederaufbau. Zu den Unterstützern des Landes, in dem mehr als 90 Prozent der Bevölkerung katholisch ist, zählen auch die Josephs-Schwestern.
In Australiens nördlichem Nachbarland Osttimor sind die Schwestern von Mary MacKillop seit 13 Jahren in Schulunterricht, Katechetenschulung, Lehrerausbildung und Gesundheitserziehung tätig. International aufgefallen sind sie durch ihr Alphabetisierungsprogramm in der dortigen Verkehrssprache Tetum. Das timoresische Schulministerium hat zusammen mit dem internationalen Kinderhilfswerk Unicef einen Lehrplan für den Tetumunterricht an den Schulen veröffentlicht, der sich weitgehend am Plan der australischen Schwestern anlehnt. In allen 800 Schulen des rund 900.000-Einwohner-Staates lernen die Schüler zudem aus den Schulbüchern der Kongregation. Das Engagement in diesem Feld ist dringlich: Vier von zehn Osttimoresen können nicht Lesen und Schreiben.
Schwester Susan Connelly und ihre Mitschwestern von der Mary MacKillop Osttimor Mission bemühen sich derzeit zudem um den Aufbau einer Musikschule. „Der örtliche Bischof Alberto Ricardo da Silva von Dili hat unsere Kongregation gebeten, diese Schule zu gründen", sagt die Josephs-Schwester. Der Bischof sei selbst ein begeisterter Musiker und Komponist und habe dem Projekt schon einen Namen gegeben: Hadahur, was übersetzt Zusammenkunft zu Gesang und Tanz heißt. „Für die Entwicklung Timors ist auch die musische Erziehung entscheidend", betont Schwester Susan Connelly gegenüber ZENIT.
Neben der reichen Kirchenchortradition, die während der 450-jährigen Kolonialherrschaft durch die Portugiesen begründet worden sei, verfügten die Timoresen über einen großen Schatz an traditioneller Musik und Instrumenten. Diese sei Ausdruck ihrer ureigenen Kultur, die nach langer Fremdbestimmung wieder zur Selbstfindung beitragen könne. „Das Spiel auf einigen traditionellen Instrumenten ist bereits in Vergessenheit geraten. Ein Musiker arbeitet mit uns daran, dies wieder einzuführen", sagt die Ordensfrau. Am 18. Juli dieses Jahres kamen die Instrumente bereits zum Einsatz. Bei der offiziellen Gründungsfeier, die von timoresischen und australischen Künstlern musikalisch gestaltet wurde, sprach auch Staatspräsident José Ramos-Horta, zusammen mit da Silvas Vorgänger, Bischof Carlos Filipe Ximenes Belo, Friedensnobelpreisträger von 1996.
Die Petition im Internet: http://www.gopetition.com/petitions/australian-award-for-timor-leste.html
















