WIEN, 6. November 2009 (ZENIT.org/PEW) .- Eine Analyse der Lage der Christen im Heiligen Land legte der aus Belgien stammende und in Jerusalem lebende Leiter der dortigen Kommission „Justitia et Pax", P. Frans Bouwen vor. Die hohen Erwartungen, die mit dem Besuch Papst Benedikts XVI. im Heiligen Land im Mai dieses Jahres verbunden waren, seien zumindest im Blick auf die politische Wirkung enttäuscht worden, so der Nahostexperte in einer Meldung, des Wiener Presseamtes, die ZENIT vorliegt.
In Wien setzt sich die von der Stiftung „Pro Oriente" ausgerichtete Tagung, die Spitzenvertreter aller neun Kirchen altsyrischer Tradition in Wien versammelt, mit der Lebenswelt von Christen im Mittleren Osten und Indien auseinander.
Zwar habe der Papst mit seinen Ansprachen und seinen symbolischen Gesten wie dem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem oder eines palästinensischen Flüchtlingslagers bleibende Eindrücke bei den Menschen hinterlassen, Verbesserungen und Erleichterungen im alltäglichen Leben der Christen habe es seither aber keine gegeben, so Bouwen.Offen sei etwa weiterhin das Visa-Problem für den externen Klerus, auch das offizielle Verhältnis zwischen dem Heiligen Stuhl und Israel habe sich nicht weiter verbessert. "Die Botschaft des Papstes an uns Christen ist deutlich: Wir sollen an den heiligen Stätten des Glaubens Präsenz zeigen und Zeugnis unseres Glaubens geben. Aber im alltäglichen Leben steht diese Botschaft gegenüber den aktuellen Probleme eher zurück", so Bouwen.
Zum weiter schwelenden Israel-Palästina-Konflikt sagte Bouwen, dieser sei „fundamental ein politischer Konflikt". Es sei gerade für die Kirchen immer wieder wichtig zu unterstreichen, dass Religion derzeit zwar "Teil des Problems" ist, dies jedoch nur auf Grund der Tatsache, dass sie "benutzt und missbraucht wird - und zwar von allen Seiten", so P. Bouwen. Wo Religion als Kern des Konflikts gesehen werde, dort würde zugleich eine politische Lösung verunmöglicht: "Der Konflikt muss von der Religion getrennt werden; erst dann kann Religion zum Teil der Lösung werden".
Laut Bouwen beläuft sich die Zahl der derzeit im Heiligen Land lebenden Christen auf rund 200.000. Etwa die Hälfte davon seien Katholiken bzw. mit Rom unierte Christen (Melkiten, Maroniten). Insgesamt sind derzeit 13 christliche Kirchen im Heiligen Land vertreten. Das Verhältnis unter den Bischöfen und Patriarchen, das noch bis vor wenigen Jahren eher gespannt gewesen war, habe sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, so Bouwen. Mittlerweile treffen sich die kirchlichen Spitzenvertreter monatlich und veröffentlichen zu Weihnachten und Ostern gemeinsame Botschaften.
















