100.000 Gläubige bei Eucharistiefeier in Freiburg

„Kirche in Deutschland bleibt ein Segen, wenn sie mit dem Nachfolger Petri in Rom verbunden bleibt“

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FREIBURG, 25. September 2011 (ZENIT.org). -  Papst Benedikt XVI. ist von 100.000 Gläubigen begeistert zur Heiligen Messe am Freiburger Flugplatz empfangen worden. Hinter der Rollbahn des Flugplatzes war die große Altarbühne aufgebaut, für die Besucher standen Tausende Bänke bereit. Zu der Messe auf dem Flugplatzgelände von Freiburg waren neben den deutschen Gläubigen auch zahlreiche Pilger aus dem benachbarten Frankreich und der Schweiz gekommen. Bischöfe aus allen 27 Diözesen Deutschlands und aus anderen Ländern nahmen an der Feier teil. Es konzelebrierten auch Kardinal Meisner aus Köln sowie Kardinal Lehmann.

Bei der Ankunft fuhr Benedikt XVI. mit dem Papamobil auf das Gelände. Er winkte, segnete Kinder und lächelte den Gläubigen zu. Zahllose Plakate wie „We love Benedikt“ begrüßten den Heiligen Vater bei seiner letzten Station vor einem so großen Publikum.

Viele Menschen hatten sich schon mitten in der Nacht auf den Weg gemacht, viele nahmen mehrstündige Fußmärsche auf sich, um durch die abgesperrte Stadt zur Messe zu kommen

5000 Menschen hatten nach Schätzungen von Helfern bei Temperaturen unter 10 Grad sogar auf dem Gelände übernachtet und sich in dicke Jacken und Schlafsäcke gewickelt. Der Platz war bereits um Mitternacht geöffnet worden.

Schon Stunden, bevor der Papst eintraf, hatten die Gläubigen gemeinsam Lieder gesungen und sich auf die Heilige Messe eingestimmt. Jugendliche, Senioren, Nonnen, Familien und Jugendgruppen bildeten eine bunte Gemeinschaft.

Benedikt XVI. zelebrierte die Messe an einem Altar, den er schon 2006 bei einem Gottesdienst im Münchner Olympiastadion benutzt hatte. Die Altarwand war mit einer Kreuzigungsgruppe aus dem Radolfzeller Münster geschmückt. 450 Sängerinnen und Sänger gestalteten die Messe musikalisch.

In seiner Predigt betonte der Papst, dass nicht Gott für das Schreckliche in Welt verantwortlich sei, sondern der Mensch mit seiner Freiheit. Gott übe seine Macht anders aus, als wir meinten, er achte die Freiheit des Menschen. Gott sehne sich nach dem Heil der Menschen, aber damit wir sein Erbarmen spüren könnten, müssten wir unser Herz für ihn öffnen.

Im Hinblick auf das Sonntagsevangelium erklärte der Papst, die Botschaft des Gleichnisses sei klar: Nicht auf das Reden, sondern auf das Tun komme es an, auf die Taten der Umkehr und des Glaubens.

„Jesus richtet diese Botschaft an die Hohepriester und die Ältesten des Volkes, also an die religiösen Experten des Volkes Israel. Sie sagen zuerst Ja zu Gottes Willen. Aber ihre Religiosität wird Routine, und Gott beunruhigt sie nicht mehr.

In die Sprache unserer Gegenwart übersetzt könnte das Wort etwa so lauten: Agnostiker, die von der Frage nach Gott umgetrieben werden; Menschen, die unter unserer Sünde leiden und Sehnsucht nach dem reinen Herzen haben, sind näher am Reich Gottes als kirchliche Routiniers, die in ihr nur noch den Apparat sehen, ohne dass ihr Herz vom Glauben berührt wäre.“

Diese Worte müssten uns eigentlich erschüttern, so der Papst. Das bedeute keinesfalls, dass wir denen allen nicht zu Dank verpflichtete wären, die für die Kirche wirken und arbeiten.

„Aber im Sinn der Weisung Jesu gehört mehr dazu: das offene Herz, das sich von der Liebe Christi treffen lässt und so dem Nächsten, der unser bedarf, mehr gibt als technischen Service: die Liebe, in der dem anderen der liebende Gott - Christus – sichtbar wird“. Christliches Leben müsse stets neu an Christus Maß nehmen.

„Mit Paulus wage ich euch zuzurufen: Macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr fest in Christus geeint seid!“

Die Kirche in Deutschland werde die Herausforderungen nur bestehen können, wenn sie die Fackel des unverfälschten Glaubens zusammen mit ihren Bischöfen hochhalte, wenn sie treu zum Nachfolger Petri stehe und wenn sich die einzelnen Pfarreien, Bewegungen und Gemeinschaften gegenseitig unterstützten.

Mit Blick auf die gegenwärtigen "Dialogprozesse" in der Kirche mahnte der Heilige Vater zur Demut. Dies sei die Tugend, die allein Geprächsprozesse fruchtbar machen könne.[jb]