100 Jahre katholischer Glaube in Ghana: Immer mehr Menschen finden zur Kirche

„Die einzige Kirche, die etwas für uns tut“

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ACCRA/MÜNCHEN, 19. Juni 2007 (ZENIT.org).- Als vor hundert Jahren die ersten Missionare nach Ghana kamen, sah es nicht nach einem großen Erfolg aus: Die Menschen wollten das Christentum nicht annehmen, und die meisten Missionare starben im Laufe weniger Wochen an Krankheiten und Unterernährung. Wie aber kam es, dass sich die Katholische Kirche dennoch ausgebreitet hat und heute mehr als 18 Prozent der Einwohner des Landes katholisch sind?



Man mag es ein Wunder nennen. Damals herrschte in Ghana eine große Dürre. Menschen und Tiere verdursteten, Pflanzen verdorrten. Die Medizinmänner versuchten alles, um Regen herbeizuzaubern, aber kein Tropfen fiel vom Himmel. In ihrer Not wandten sich die Menschen an einen christlichen Missionar. Dieser betete, und eine halbe Stunde später prasselte der Regen auf die Erde. Noch heute sind nahezu alle Einwohner der betroffenen Region katholisch.

Auch in unserer Zeit wirken Missionare in Ghana. Einer von ihnen ist der aus Italien stammende Franziskanerpater Martino Corazzin, der seit 1991 dort hilft und im Laufe der Zeit mehr als 60 soziale und pastorale Projekte ins Leben gerufen hat. Dass das Klima mit einer Luftfeuchtigkeit von 95 Prozent schwer zu ertragen ist und es Krankheiten wie Malaria gibt, ändert nichts an seiner Liebe zu Ghana.

„Die afrikanische Seele ist eine spirituelle Seele. Ich habe noch nie erlebt, dass sich hier jemand gegen Gott empört hätte, wenn etwas schiefgelaufen ist. Sogar bei den schlimmsten Schicksalsschlägen danken die Menschen Gott. Ich erlebe es oft, dass die Kranken und die Armen sogar ihre Not noch als Geschenk Gottes annehmen.“ Er liebt die Menschen, mit denen er zusammenlebt. Dem stillen Priester leuchten die Augen, wenn er an seine Gemeinde denkt.

Vor kurzem ist in der Gegend, in der er lebt, etwas Schreckliches geschehen: Ein junger Mann wurde getötet, und seine Mörder zapften ihm für grausame Juju-Rituale, die zu Reichtum führen sollen, das Blut ab. „Ich habe seine Familienangehörigen besucht. In ihnen ist kein Hass“, sagt Pater Martino.

Auch zwischen Christen und Muslimen – letztere stellen zwölf Prozent der Bevölkerung – kommt es immer wieder zu Gesten der Versöhnung. Zwar gibt es bisweilen Spannungen; dass diese jedoch zu überwinden sind, zeigt die Geschichte eines jungen Moslems, der sich katholisch taufen lassen wollte. Sein Vater reagierte darauf zunächst sehr zornig, und der Siebzehnjährige floh aus Angst vor der Wut seiner Familie einige hundert Kilometer weit.

Er fand Unterschlupf bei den Franziskanern. Dort fragte er Pater Martino, ob er sein neuer Vater sein wolle. Der Junge blieb einige Jahre lang bei den Patres, ließ sich taufen und arbeitete für den Orden. Als Pater Martino nach einer Reise in sein Kloster zurückkehrte, war der junge Mann jedoch verschwunden. Er hatte sich mit seinem Vater versöhnt und konnte zu seiner Familie zurückkehren.

Die katholische Kirche wird in Ghana auch von Nichtkatholiken geachtet, denn viele sagen: „Dies ist die einzige Kirche, die etwas für uns tut!“ Auch die Priester werden als Diener Gottes geschätzt und geachtet. Pater Martino sagt: „Wir wollen die Menschen spüren lassen, dass das, was wir predigen, keine leeren Worte sind. Das Wort der Liebe soll von Taten begleitet werden.“ Die Zahl einheimischer Priester wächst beständig.

Für einen Priester aus Europa ist es laut Pater Martino erfüllend, in Afrika zu arbeiten: „In Europa eilen die Gläubigen nach der Messe sofort nach Hause, in Afrika begegnen die Menschen einander. Sie bleiben zusammen, sprechen miteinander. Der Sonntag ist wichtig, er ist der Tag des Herrn. Niemand schaut auf die Uhr, ob der Gottesdienst zu lange dauert. Gott ist das Wichtigste. Und auch die Menschen untereinander sind solidarischer als bei uns in Europa. Jeder findet in seiner Familie oder seinem Dorf Unterstützung.“

Papst Benedikt XVI. sagte zu den Bischöfen aus Ghana, die Kirche erstrahle im Leben der Menschen als „Leuchtfeuer der Hoffnung“. Damit das Licht der Hoffnung nicht erlischt, unterstützt das weltweite katholische Hilfswerk Kirche in Not die Kirche in Ghana – allein im vergangenen Jahr mit 200.000 Euro.