100 Jahre Weltgebetswoche für die Einheit der Christen vom 18. Januar bis 25. Januar 2007

Zur Entstehung, Entwicklung und Bedeutung der Weltgebetswoche

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ROM, 8. Januar 2008 (ZENIT.org).- Das 100 Weltgebetswoche für die Einheit der Christen steht vom 18. bis zum 25. Januar 2008 unter dem Leitwort: „Betet ohne Unterlass!“ (1 Thess 5,13b-18). Dieses Motto und entsprechende Vorbreitungstexte sind von einer gemeinsamen Kommission von Vertretern des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und des Ökumenischen Rates der Kirchen erarbeitet worden und unter anderem auf Englisch abrufbar. Wir veröffentlichen die Hinführung zur 100jährigen Geschichte der Weltgebetswoche, die P. Winfried Bittner aus der Diözese Fulda zusammengestellt hat.



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100 Jahre Weltgebetswoche für die Einheit der Christen - Zur Entstehung, Entwicklung und Bedeutung der Weltgebetswoche (P. Winfried Bittner)


Das Jahr 2008 beginnt mit einem bedeutsamen ökumenischen Jubiläum: Die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen, die weltweit vom 18. – 25. Januar oder auch in der Woche vor Pfingsten begangen wird, wird 100 Jahre alt. Das mag Grund und Anlass sein, ihre Entstehung und geistliche und geschichtliche Entwicklung nachzuzeichnen und ihre Bedeutung und Wirksamkeit für die Ökumenische Bewegung und den Geistlichen Ökumenismus in Vergangenheit, Gegenwart und für die Zukunft zu würdigen. Eines steht vorweg bereits fest: Im Laufe dieser 100 Jahre hat sich diese Gebetswoche als wichtige Begleiterin und als wertvolles Element der ökumenischen Bewegung und der Geistlichen Ökumene erwiesen.

Ihre Wurzeln hat die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen im 19. Jahrhundert. Nach ersten Versuchen, an denen besonders die anglikanische Kirche, unter anderem auch der spätere Kardinal John Henry Newman, beteiligt war, ordnete Papst Leo XIII. 1897 an, die Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten dem Gebet „für die Versöhnung mit unseren getrennten Brüdern“ zu widmen. Die Wiedervereinigung der im Glauben getrennten Christen war ihm eine wichtige Aufgabe. 1896 veröffentlichte er eine Enzyklika über die Einheit der Kirche.

Unmittelbare Begründer der heutigen Gebetswoche für die Einheit waren dann aber 1908 der Anglikaner Paul Wattson und sein Freund, der anglikanische Geistliche Spencer Jones. Beide waren sehr stark vom Gedanken an die Einheit der Kirche inspiriert. Wattson schlug eine Gebetsoktav vom 18. Januar, dem damaligen Fest der Stuhlfeier des heiligen Petrus, bis zum 25. Januar, dem Fest der Bekehrung des Apostels Paulus, vor. Damit sollte symbolisch die Vereinigung des Petrus von Rom und des Paulus, auf den sich die Kirchen der Reformation berufen, ausgedrückt werden. Intention der Gebetswoche, die 1908 zum ersten Mal abgehalten wurde, war damals die Rückkehr der verschiedenen christlichen Kirchen und Gemeinschaften zu Rom, zur römisch-katholischen Kirche.

Einen neuen Impuls bekam die Gebetswoche – wie überhaupt die gesamte ökumenische Bewegung – durch den katholischen Priester der Diözese Lyon Abbé Paul Couturier (1881-1953). Während eines einmonatigen ihn tief prägenden Aufenthalts in der ökumenisch sehr engagierten Benediktinerabtei Amay erfuhr er von der von Paul Wattson gegründeten Gebetsoktav und trat mit ihm 1933 in brieflichen Kontakt. Dadurch und durch den starken unerschütterlichen Einsatz für die Sache der Einheit inspiriert, erkannte Couturier die Bedeutsamkeit einer solchen ökumenischen Praxis und setzte sich seit 1932/33 für die Übernahme der Gebetsoktav in Lyon und in der Diözese ein. Dabei erkannte er bald, dass solch ein Gebet für die Einheit nur Sinn hat, wenn es gemeinsam mit Nicht-Katholiken gebetet und auf nichtkatholische Christen ausgeweitet wird.

Paul Couturiers jährliche Einladungen zur Mitfeier dieser Woche zeigen, wie sehr er selbst ein tiefer leidenschaftlicher Beter und Arbeiter für die Einheit der Christen war, so dass man ihn geradezu als „Mystiker der Einheit“ bezeichnen kann. Dabei war er sich bewusst, dass der Urimpuls zur Ökumene von Gott ausgeht und nur von ihm ans Ziel gebracht werden kann: „Dieses Werk übersteigt alle menschlichen Kräfte und stützt sich ausschließlich auf das Gebet Jesu Christi, die barmherzige Liebe des Vaters und die Kraft des Heiligen Geistes.“ Nur die entschiedene Hinwendung zu Gott bewirkt echte Universalität und ermöglicht Einheit. Von ihm stammt auch das Wort vom „Geistlichen Ökumenismus“, den das Ökumenismusdekret des II. Vatikanischen Konzils später aufgegriffen hat. 1945 wurde die Gebetswoche mit ihrer neuen Ausrichtung von den Kardinälen von Lyon, Toulouse und Lille übernommen und 1959 von Papst Johannes XXIII. mit einem Apostolischen Brief gebilligt.

In Deutschland rief 1940 der katholische Priester Max Josef Metzger (1887-1944) zum gemeinsamen Gebet in der Gebetsoktav auf. Der ökumenischen Bewegung schon früh verbunden, widmete er sich der christlichen Einheit seit 1938 mit der Gründung der Bruderschaft „Una Sancta“, die mit Christus für das Kommen seines Reiches auf Erden und für die Einheit im Glauben und in der Liebe betete und andere zu diesem Gebet anhielt. Darüber hinaus suchte „Una Sancta“ Brücken der Verständigung zwischen den getrennten Konfessionen zu errichten: durch die Förderung brüderlicher Beziehungen und gemeinsame Werke im Dienst der christlichen Nächstenliebe. Wie für Couturier waren auch für Metzger Demut und verstehende Liebe, die alles überwinden kann, unerlässlich für die Annäherung der Konfessionen.

1960 gründete am 5. Juni, dem Fest des heiligen Bonifatius, Papst Johannes XXIII. das „Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen“ als Vorbereitungskommission für das II. Vatikanische Konzil. Es hatte unter anderem maßgeblich Anteil am Entstehen des Ökumenismusdekretes des Konzils. Dieses Dokument bezeichnet „die Bekehrung des Herzens und die Heiligkeit des Lebens zusammen mit den privaten und öffentlichen Bittgebeten für die Einheit der Christen“ als „Seele der ganzen ökumenischen Bewegung“ und als „geistlichen Ökumenismus“. Es sieht im erwünschten gemeinsamen Gebet für die Einheit „ein höchst wirksames Mittel, um die Gnade der Einheit zu erflehen“, und „einen echten Ausdruck der Gemeinsamkeit, in der die Katholiken mit den getrennten Brüdern immer noch verbunden sind: ‚Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen‘ (Mt 18,20).“

Nach dem II. Vatikanischen Konzil fand vom 16. – 22. Oktober 1966 in Genf eine „Konferenz über die Zukunft der ökumenischen Gebetswoche“ statt, zu der der Ökumenische Rat der Kirchen und das Römische Sekretariat für die Förderung der Einheit der Christen gemeinsam eingeladen hatten.

Diese beschloss die zukünftige gemeinsame Erarbeitung des „Gebetsmaterials“ für die Einheitswoche durch eine gemeinsame ökumenische Arbeitsgruppe, die es dann den verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften zuschickt mit der Bitte, es ihrem jeweiligen Kontext anzupassen und die Feier vor Ort gemeinsam vorzubereiten. Das geschah 1968 zum ersten Mal.

Im Jahr 2004 beschloss der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen, die jeweiligen Impulse der Initiativgruppe „Faith and Order“ für die „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“ auf der Webseite des Heiligen Stuhls zu veröffentlichen.