17. Oktober - Welttag zur Überwindung von Armut und Ausgrenzung

Père Joseph Wresinski (1917-1988): Elend bedeutet, mit seinem Wunsch nach Würde ständig auf Ablehnung zu stoßen

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 421 klicks

Der Welttag zur Überwindung von Armut und Ausgrenzung wurde am 17. Oktober 1987 zum ersten Mal begangen, als 100.000 Menschen der Einladung Père Joseph Wresinskis folgten und sich auf dem Trocaderoplatz in Paris versammelten, um eine Gedenktafel mit der Inschrift einzuweihen:

„Wo immer Menschen dazu verurteilt sind, im Elend zu leben, / werden die Menschenrechte verletzt. / Sich mit vereinten Kräften für ihre Achtung einzusetzen, ist heilige Pflicht.“
(Père Joseph Wresinski).

Die Menschen, die damals an der Versammlung teilnahmen, kamen aus aller Welt, aus allen sozialen Schichten und gehörten verschiedensten Glaubensrichtungen an. Seit diesem Tag wird jedes Jahr am 17. Oktober der Welttag zur Überwindung von Armut und Ausgrenzung begangen.

Am 17. Oktober 1992 setzte sich der ehemalige UNO-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar für die offizielle Anerkennung des Tages ein. Noch im selben Jahr, am 22. Dezember, erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen ihn zum „Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut“.

ATD Vierte Welt verfolgt folgende Ziele mit dem Gedenktag: „den notleidenden und ausgegrenzten Menschen Gehör verschaffen und mit ihnen ins Gespräch kommen, den Menschen, die ein sehr hartes Leben haben, Ehre erweisen und ihren Widerstand gegen Not und Ausgrenzung würdigen, jedem Einzelnen die Möglichkeit bieten, sich mit den Ärmsten dafür einzusetzen, dass die Rechte aller wirklich für alle gelten, die Gesellschaft und die politisch Verantwortlichen mobilisieren“, so ATD

„Armut, materielle Entbehrung, Unterdrückung durch Mächtigere sind schwer zu ertragen. Aber ganz unerträglich ist es, verachtet zu sein und ständig an seine Unterlegenheit und Wertlosigkeit erinnert zu werden. Unerträglich ist es, selbst von seiner nächsten Umgebung als ein Mensch ohne Würde behandelt zu werden. ‚Man betrachtet uns als nichtswürdiges Pack … Wir sind doch keine Hunde, dass man uns auf dem Gemeindeamt so beleidigt.‘ Das ist der Unterschied zwischen Armut und Elend. Der Mensch im Elend ist in einer unerträglichen Lage. Er gilt als nicht zu berücksichtigende Größe oder gar als Unglückswesen, das nie hätte zur Welt kommen dürfen, und weiß doch in seinem Innersten genau, dass er ein Mensch ist. Wer mit seinem Wunsch nach Würde, mit seinem Traum, jemand zu sein, selbst bei denen auf Ablehnung stößt, die nicht viel reicher sind: beim Nachbarn, beim Kaufmann, beim Briefträger …, der steckt im Elend. Hier liegt die Grenze zwischen Armut und Ausschließung,“ wie Joseph Wresinski in „Selig ihr Armen“ (LIT VERLAG, Münster 2005, S. 22) schrieb. 

Joseph Wresinski wurde am 12. Februar 1917 in Angers (Frankreich) als Kind von Emigranten geboren und erlebte früh Fremdenfeindlichkeit und Armut. Während seiner Ausbildung als Konditor-Lehrling engagierte er sich in der Christlichen Arbeiterjugend CAJ und entschloss sich bald, sein Leben Gott zu weihen. 1946 wurde Père Joseph Wresinski zum Priester geweiht. Im Anschluss war er in Dhuizel tätig. Hilfe für die Armen und Bedürftigen war und blieb sein hauptsächliches Anliegen. 1956 wurde er Seelsorger im Obdachlosenheim von Noisy-le-Grand in der Nähe von Paris, wo er in den nächsten zehn Jahren rund 250 Familien betreute. Mit der Zeit schlossen sich ihm immer mehr Menschen an, die ihm als Volontäre zur Seite standen.

„Elend bedeutet, mit seinem Wunsch nach Würde ständig auf Ablehnung zu stoßen.“

1960 gründete Père Joseph Wresinski ATD Vierte Welt und das „Forschungs- und Lehrinstitut für menschliche Beziehungen“. Die Armen in der Wohlstandsgesellschaft bezeichnete Père Joseph Wresinksi als vierten Stand, woraus sich 1969 die Bezeichnung „Quart Monde“ (Vierte Welt) ergab. „Wresinskis Ziel war es, die Menschen, die weltweit in extremer Armut leben, als gleichberechtigte Partner ins politische, wirtschaftliche, kulturelle und religiöse Leben einzubringen. Als Mitglied des französischen Wirtschafts- und Sozialrats legte er 1987 einen Armutsbericht vor, der wegweisend wurde für diese Partnerschaft. Er definiert Armut als eine Frage des Zugangs zu Rechten und Verantwortlichkeiten: ‚Wirtschaftliche und soziale Unsicherheit … führt dann zu schwerer Armut, wenn sie mehrere Existenzbereiche berührt, wenn sie über einen längeren Zeitraum anhält, wenn sie die Möglichkeiten beeinträchtigt, aus eigener Kraft in absehbarer Zeit seine Verantwortlichkeiten wieder zu übernehmen und seine Rechte zurückzuerwerben.‘“ 

Père Joseph Wresinski starb am 14. Februar 1988. Seine letzte Ruhestätte befindet sich im internationalen Zentrum von ATD Vierte Welt in Méry-sur-Oise. Sein Nachlass wird im Internationalen Joseph Wresinski Zentrum in Baillet-en-France aufbewahrt und ist der Öffentlichkeit zugänglich.