20 Jahre Kampf gegen Gewalt und Pädophilie umsonst?

Region Sizilien streicht Finanzierung des Kinderhilfswerks "Meter" von Don Fortunato Di Noto

Rom, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 375 klicks

20 Jahre Kampf gegen sexuellen Missbrauch und Pädophilie, Betreuung von mehr als 1.200 Opfern, Denunzierung von über einer Million Kinderpornografie-Websites, weltweit 2.600 Konferenzen zur Aufklärung und Gewaltprävention. Die Zahlen der Non-Profit-Organisation „Meter“ sprechen für sich: Sie sind Beweis einer mit Ausdauer und Entschlossenheit durchgeführten Mission, die verhindern soll, dass die Erinnerungen an die Kindheit von düsteren Traumata erlebter Gewalt überschattet werden. „Meter“ ist griechisch und bedeutet „Schoß, Aufnahme“.

Dieses Projekt scheint nun in sich zusammenzufallen wie eine Sandburg – und zwar „wegen der kurzsichtigen und tauben Politik einer Lobby.“ Die sizilianische Regierung – Sizilien ist eine autonome Region – hat seit 2012 dem international anerkannten Wohltätigkeitsverein keinen Pfennig Unterstützung mehr zukommen lassen. Die einst jährlich bewilligten 110.000 Euro wurden 2010 auf knapp die Hälfte gekürzt und schließlich vor 2 Jahren ohne Begründung gänzlich gestrichen. Nach zwei Jahren Finanzloch riskiert „Meter“ die Auflösung und Suspension all seiner unzähligen Aktivitäten und Dienstleistungen zum Schutz der Kinder. Don Fortunato Di Noto, der mutige und unermüdliche Gründer und Präsident des Kinderhilfswerks, musste bereits fünf Mitarbeiter aus Geldmangel entlassen.

Der Priester appelliert deswegen an die Kirche als Institution und an alle Menschen guten Willens, sein Lebenswerk nicht untergehen zu lassen, sondern finanziell zu unterstützen. „Betrachtet es nicht wie den üblichen Spendenaufruf. Wir brauchen heute wirklich Eure Hilfe!“ Abgesehen von den Mitarbeitern, die jetzt ohne Arbeit und Geld sind, stellt sich das Drama für all die Kinder, die wir betreuen. Der Verein kämpft in ununterbrochener Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei gegen die Porno-Pädophilie, damit zukünftiger Missbrauch vermieden wird. All das ist nun in Frage gestellt: „Und was wird mit den Kindern, die in unserem Zentrum Zuflucht gefunden haben?“, sorgt sich Don Fortunato.

„In 20 Jahren“, erzählt er ZENIT, „haben wir mehr als 1200 Missbrauchsopfer aufgenommen und auf dem langen juristischen Weg und während medizinisch-psychologischen Behandlung begleitet und unterstützt. Durch unsere Anzeigen wurde gegen Tausende von Pädophiler in Italien und auf der ganzen Welt (auch in den USA) ein Ermittlungsverfahren aufgenommen, und zahlreiche wurden schließlich verhaftet. Außerdem haben wir viele Kinder auf Kinderpornografie-Webseiten identifiziert.“

„Daneben organisieren wir das ganze Jahr über Schulungs- und Aufklärungsprogramme, auch auf akademischen Niveau, in Italien und im Ausland, in den Schulen, Pfarreien, Diözesen und anderen Einrichtungen, an denen Tausende von Schüler, Familien, Lehrer, Seminaristen, Priester und Bischöfe teilnehmen.“

„Wir haben unseren Beitrag bei wichtigen Gesetzesentwürfen und Gesetzesvorhaben des italienischen und europäischen Parlaments geleistet“, berichtet Di Noto stolz. „Meter“ war 1997 in der ersten Reihe des Abgeordnetenhauses präsent, als zum ersten Mal in der Geschichte ein Gesetz gegen Pädophilie verabschiedet wurde.

Außerdem dürfen die intensive und ununterbrochene Telefonseelsorge bzw. der Notrufdienst des Verbandes nicht vergessen werden: eine kostenlose Hotline 800 45 52 70. „In etwa 25.000 den Behörden gemeldeten Fällen hat der Verband geholfen, den Kindern, die nicht den Mut hatten, ihre Geschichte anzuzeigen oder offen darüber zu sprechen, eine Stimme zu geben“, erzählt Don Fortunato.

„Wir sind ein Vorbild für Sozial- und Pastoralarbeit in der Kirche zum Schutz der Kinder“, fasst der Priester zusammen. Papst Benedikt XVI. und Franziskus haben stets ihre Wertschätzung für die Arbeit der Non-Profit-Organisation bekundet. Erst vor knapp zwei Monaten, am 8. Dezember 2013, hat Papst Franziskus zur Einweihung der „Casa Meter Avola“ ein Telegramm an Don Fortunato geschickt, in dem er ihn ermutigte „weiterhin den Weg der selbstlosen Hingabe im Dienst der Jüngsten zu beschreiten, stets getragen von Gefühlen reiner Barmherzigkeit und Nächstenliebe“.

Homepage von „Meter“ (auf italienisch): http://www.associazionemeter.org/