2015 Jahr der geistlichen Berufungen

Papst Franziskus verkündet Motto

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 255 klicks

Das Jahr 2015 steht im Zeichen der geistlichen Berufungen. Dies kündigte Papst Franziskus am vergangenen Freitag am Ende eines Treffens mit Vertretern der Vereinigung männlicher Ordensoberer an. Während der Amtszeit von Benedikt XVI. hatte dieser ein Jahr der Priester (2009) und das Jahr des Glaubens (2013) ausgerufen.

Die Ankündigung des Papstes kam überraschend. Wie die 120 Ordensoberen mitteilten, gab der Pontifex die Nachricht kurz vor seinem Abschiedsgruß bekannt. Er hatte sich mehr Zeit als vorgesehen für das Treffen genommen, das circa drei Stunden dauerte und den Charakter eines brüderlichen Dialogs hatte.

In seiner Rede an die Anwesenden sagte er, das geweihte Leben sei prophetisch. Bei Geweihten handle es sich um Männer und Frauen, die die Welt aufwecken könnten. Er sprach im Blick auf die Berufungen von „jungen Kirchen, die neue Früchte hervorbringen“, und sagte, die Kirche müsse die „Inkulturation des Charismas neu denken.“ Mit Scham müsse die Kirche apostolische Misserfolge betrachten und für die Verfehlungen um Verzeihung bitten. Als Beispiel nannte Papst Franziskus die Chinamission des Jesuiten Matteo Ricci. Er machte einen deutlichen Appell für mehr internationale Vielfalt. Die religiösen Institute müssten sich für unterschiedlich gelebte Charismen verschiedener Kulturen öffnen.

Um dieses Ziel zu erreichen, sei die Ausbildung von wesentlicher Bedeutung, die spirituell, intellektuell, gemeinschaftlich und apostolisch sein müsse, so der Pontifex. Hier spiele der ehrliche und offene Dialog über alle Lebensaspekte eine besondere Rolle, bei dem jede Form der Überheblichkeit und des Klerikalismus vermieden werden müsse. Die Ausbildung müsse „handwerklich und praktisch“ sein und weit entfernt von einem „polizeihaften“ Stil. Dabei sei der Lehrsatz: „Man akzeptiert die Sünder, nicht die Korrupten“, so der Papst wörtlich.

Der brüderliche Umgang unter Geistlichen drücke sich auch darin aus, indem man Konflikte einzelner Kirchenmitglieder nicht einfach verwalte, sondern sich ihrer annehme. Er appellierte an die Ordensgemeinschaften, sich den menschlichen Randgebieten und den Ausgeschlossenen mehr zuzuwenden, dies sei ihre dringlichste Aufgabe. Weitere Aufgaben der Gemeinschaften würden in kulturellen und Bildungsbereichen liegen.