22. Türchen

ZENIT- Adventskalender

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 305 klicks

22. Dezember: Hinter dem Türchen verstecken sich heute das Gedicht zum vierten Sonntag im Advent von Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) und das Weihnachtsoratorium op. 12 von Camille Saint-Saëns (1835-1921). Abschließend trägt Dieter Krebs (1947-2000) noch das Lied von Martin vor, der ganz einsame Weihnachten verbringt.

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„Am vierten Sonntage im Advent“

von Annette von Droste-Hülshoff

Fragst du mich, wer ich bin? Ich berg' es nicht:
Ein Wesen bin ich sonder Farb' und Licht.
Schau' mich nicht an, dann wendet sich dein Sinn;
Doch höre, höre, höre! denn ich bin
Des Rufers in der Wüste Stimme.
 
In Nächten voller Pein kam mir das Wort
Von ihm, der Balsam sät an Sumpfes Bord,
Im Skorpion der Heilung Öl gelegt,
Dem auch der wilde Dorn die Rose trägt,
Das faule Holz entzündet sein Geglimme.
 
So senke deine Augen und vernimm
Von seinem Herold deines Herren Grimm,
Und seine Gnade sei dir auch bekannt,
Der Wunde Heil, so wie der schwarze Brand,
Wenn seiner Wunden Bluten hemmt der Schlimme.
 
Merk auf! Ich weiß es, daß in härtster Brust
Doch schlummert das Gewissen unbewußt;
Merk auf, wenn es erwacht, und seinen Schrei
Ersticke nicht, wie Mütter sonder Treu
Des Bastards Wimmern und sein matt Gekrümme!
 
Ich weiß es auch, daß in der ganzen Welt
Dem Feinde die Altäre sind gestellt,
Daß mancher kniet demütig nicht gebeugt,
Und überm Sumpfe engelgleich und leicht
Der weiße Lotos wie ein Kindlein schwimme.
 
Es tobt des tollen Strudels Ungestüm,
Und zitternd fliehen wir das Ungetüm;
Still liegt der Sumpf und lauert wie ein Dieb:
Wir pflücken Blumen und es ist uns lieb
Zu schaun des Irrlichts tanzendes Geflimme.
 
Drum nicht vor dem Verruchten sei gewarnt;
Doch wenn dich süßer Unschuld Schein umgarnt,
Dann lächelt der Vampir, dann fahr zurück
Und senke tief, o tief in dich den Blick,
Ob leise quellend die Verwesung klimme!
 
Ja, wo dein Aug' sich schaudernd wenden mag,
Da bist du sicher mindstens diesen Tag;
Doch gift'ger öfters ist ein Druck der Hand,
Die weiche Träne und der stille Brand,
Den Lorbeer treibend aus Vulkanes Grimme.
 
Ich bin ein Hauch nur; achtet nicht wie Tand
Mein schwaches Wehn, um des, der mich gesandt:
Erwacht, erwacht! Ihr steht in seinem Reich;
Denn sehet, er ist mitten unter euch,
Den ihr verkennt, und ich bin seine Stimme!

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Etwas Weihnachtlich-Musikalisches: Camille Saint-Saëns, Weihnachtsoratorium op. 12

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... noch etwas Weihnachtlich-Musikalisches: Dieter Krebs singt von „Martins ganz einsamen Weihnachten