25.000 bei Seligsprechung von Chiara Badano in Rom

Papst Benedikt XVI.: „Ein Vorbild für die Jugendlichen, eine Lichtstrahl für alle"

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ROM, 28. September 2010 (ZENIT.org).- 25.000 vorwiegend junge Menschen aus mehr als 70 Ländern waren laut Polizeischätzungen zur Seligsprechung der 18-jährigen Chiara Luce Badano in Rom dabei, wo sie gestern von der katholischen Kirche seliggesprochen wurde. Den Vorsitz der feierlichen Eucharistiefeier mit dem Akt der Seligsprechung im Wallfahrtsort „Madonna del Divino Amore" hatte Erzbischof Angelo Amato, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse.

Die junge Italienern war 1990 nach zweijährigem Leidensweg an einem aggressiven Knochenkrebs gestorben. Schon als Neunjährige hatte sie sich mit ihren Eltern der Fokolar-Bewegung angeschlossen und aus der gemeinschaftlichen Spiritualität viele Impulse für ihr Leben in der Familie, in der Schule und mit Freunden aufgenommen. „Ich habe im Evangelium den Sinn für mein Leben entdeckt", schrieb sie an Fokolare-Gründerin Chiara Lubich. „Ich will nicht Analphabetin im Leben dieses Buches bleiben." Die Nachricht der unheilbaren Krankheit traf das fröhliche und sportbegeisterte junge Mädchen hart, doch sie machte sich mit unerschütterlicher Zuversicht und tiefem Glauben an die Nähe Gottes auf den Weg. Freunde, Ärzte und Eltern waren immer wieder beeindruckt von der tiefen Freude, die Chiara Badano trotz vieler Schmerzen ausstrahlte und nicht wenige fanden durch ihr Zeugnis zum Glauben.


Der Bischof ihrer Diözese, Livio Maritano, hatte sie in der letzten Phase ihres Lebens begleitet und war betroffen von der Entschiedenheit, mit der sie auch im Leiden aus ihrer intensiven Beziehung mit Gott lebte. Er war es, der den Prozess der Seligsprechung angestoßen hatte.

Am Samstagabend, 25.09., hatten dann die Jugendlichen der Fokolar-Bewegung in die Aula Nervi nach Rom eingeladen, um durch Theater, Musik, Zeugnissen von Eltern und Freunden sowie Rezitationen aus Tagebüchern und Briefen von Chiara Badano die junge Selige vorzustellen.

Bischof Maritano unterstrich dabei, dass die Kirche zwar oft die „Lehrende" sei, aber in diesem Fall durch das Beispiel von Chiara Badano auch lernen könne.

Besonders bewegend für alle waren die Worte der Eltern Badano an die 8000 Anwesenden im Saal und mehr als 20.0000, die den Abend über Großbildschirme vom Petersplatz aus mitverfolgen konnten. Spontan erhoben sich alle im Saal und brachten durch einen langen Applaus ihre Dankbarkeit zum Ausdruck. Die letzten zwei Jahre mit ihrer Tochter seien trotz aller Schmerzen die schönsten ihres Lebens gewesen, sagte Vater Ruggero Badano gerührt. Sie haben sich sehr getragen gefühlt in den schweren Monaten. Seine Frau fügte hinzu: „Unser Gruß geht vor allem an die Jugendlichen! Chiara hat ihr Leben vor allem für euch gegeben". Sie erzählte von den letzten Momenten mit ihrer Tochter und schloss: "Chiara wollte euch die Fackel übergeben. Die Jugendlichen sind die Zukunft, sagte sie. Sie haben nur ein Leben, daraus sollten sie etwas machen!"

Die Präsidentin der Fokoar-Bewegung, Maria Emmaus Voce, sprach zum Abschluss von der Kraft, aus der Chiara Badano gelebt habe: „Die Kraft, die alles verändern kann, ist die Liebe. Wir haben durch Chiara Luce gesehen, wie wichtig es ist, dass wir den Weg gemeinsam gehen." Die Gemeinschaft mit anderen könne anspornen und Kraft geben, Trost spenden und Mut machen.

Beim Dankgottesdienst am heutigen Sonntag in der Kirche Sankt Paul vor den Mauern erinnerte Hauptzelebrant Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone an die Worte von Papst Johannes Paul II. 1990 in Santiago de Compostela. Er hatte die Jugendlichen ermutigt, keine Angst davor zu haben, heilig zu werden und in ihrem Leben ein hohes Ziel anzupeilen. Chiara Badano sei dafür ein bewundernswertes Vorbild, das man nachahmen könne, sagte Bertone. Sie habe auch unter sehr schwierigen Bedingungen auf ein hohes Ziel gesetzt und sei dabei von Familie und Freunden unterstützt worden. „Gesunde Freundschaften" seien gerade für junge Menschen entscheidend, unterstrich der Staatssekretär des Vatikans. Den Eltern dankte er, weil sie mitgeholfen hätten, „der Kirche ein echtes Juwel eines heiligmäßigen Lebens zu schenken."

Auf dem Rückflug von Großbritannien vor wenigen Tagen habe Papst Benedikt XVI. ihm gegenüber mit großer Wertschätzung von Chiara Badano gesprochen. Sie sei ein Vorbild gerade für die Jugendlichen. Der Papst nannte sie am heutigen Sonntag in seiner Ansprache zum Angelus in Castel Gandolfo, die in die Paulsbasilika übertragen wurde, einen "Lichtstrahl für alle". Er wünsche sich, dass viele in ihr „ein Beispiel für christliche Kohärenz" fänden, und „sich wie sie in Jesus verlieben und die Schönheit des Lebens entdecken" könnten.

Auch aus Deutschland waren zahlreiche Jugendliche bei den Feierlichkeiten in Rom dabei. Johannes Pfeiffer (23) aus Kaiserslautern fällt es schwer, in Worte zu fassen, was er erlebt hat „Rational kann ich gar nicht erfassen, was da passiert ist. Das war etwas ganz Großes. Einige Momente haben mich sehr berührt. Sehr beeindruckt haben mich die Eltern von Chiara Luce, die liebevolle Art, mit der sie sich an den Händen hielten... Und im Saal abends hatte ich das Gefühl, als seien wir alle, Zuschauer und Akteure auf der Bühne, eine einzige große Familie".

Maria Färber ist 26, kommt aus Halle und nimmt sich vor allem die Botschaft von Chiara Badano an die Jugendlichen mit: „Wir haben nur ein Leben, es lohnt sich, das gut einzusetzen. Chiara Luce war eine ganz normale Jugendliche, genau wie ich. Aber sie war nicht alleine. Und das bin ich auch nicht. Wir können diesen Weg gemeinsam gehen."

Christina Mayer ist 26, kommt aus Stuttgart und ist evangelisch. „Ehrlich gesagt, bin ich eher wegen des Rahmenprogramms der Fahrt mitgekommen, nicht so sehr wegen der Seligsprechung. Aber ich muss sagen, mich haben die Veranstaltungen sehr beeindruckt! So viele Jugendliche aus ganz verschiedenen Ländern! Bei der Eucharistiefeier habe ich mich plötzlich Chiara Luce sehr nahe gefühlt, auch wenn ich nicht zur Kommunion gegangen bin und das immer ein schmerzlicher Augenblick ist. Als dann die Eltern abends sagten, dass Chiara ihr Leben für uns alle gegeben hätte und dass sie jetzt in uns allen lebt, konnte ich das gut nachvollziehen: Das ist für mich wirklich so!"


Die Fokolar-Bewegung gehört zu den neuen geistlichen Aufbrüchen, die in den letzten 70 Jahren in den christlichen Kirchen entstanden sind. Ihre Ursprünge gehen auf das Jahr 1943 in Trient zurück. Mittlerweile ist sie in mehr als 180 Ländern der Welt vertreten. Ihr Ziel ist, den Geist der Einheit und Geschwisterlichkeit verstärkt in Kirche und Gesellschaft und in alle Bereiche des menschlichen Lebens hinein zu tragen. Neben dem Engagement in der Ökumene setzt sich die Fokolar-Bewegung unter anderem besonders für einen Dialog unter den Religionen ein. Menschen ohne einen religiösen Bezug finden Zugang durch den gemeinsamen Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit. Das Wort „focolare" kommt aus dem Italienischen, heißt so viel wie Herdfeuer und erinnert an die Wärme und Geborgenheit einer Familie. So nannte die Trienter Bevölkerung die erste Gruppe um die Gründerin Chiara Lubich. Weltweit zählt die Fokolar-Bewegung heute rund 140.000 Mitglieder, schätzungsweise fünf Millionen Menschen stehen mit ihr in Verbindung.