4. Türchen

ZENIT- Adventskalender

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 204 klicks

4. Dezember: Hinter dem Türchen verstecken sich heute das Gedicht „Wenn es Winter wird“ des Dichters, Schriftstellers und Übersetzers Christian Morgenstern (1871-1914) und das Weihnachtslied „Es ist ein Ros' entsprungen“ von Michael Praetorius (1571-1621). Das Lied wird vom Mainzer Domchor vorgetragen.

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„Wenn es Winter wird“

von Christian Morgenstern

Der See hat eine Haut bekommen,
so daß man fast drauf gehen kann,
und kommt ein großer Fisch geschwommen,
so stößt er mit der Nase an.

Und nimmst du einen Kieselstein
und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
und titscher - titscher - titscher - dirr . . .
Heißa, du lustiger Kieselstein!
Er zwitschert wie ein Vögelein
und tut als wie ein Schwälblein fliegen -
doch endlich bleibt mein Kieselstein
ganz weit, ganz weit auf dem See draußen liegen.

Da kommen die Fische haufenweis
und schaun durch das klare Fenster von Eis
und denken, der Stein wär etwas zum Essen;
doch sosehr sie die Nase ans Eis auch pressen,
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt.

Aber bald, aber bald
werden wir selbst auf eignen Sohlen
hinausgehn können und den Stein wiederholen.

***

Etwas Musikalisches zur Weihnachtszeit: „Es ist ein Ros'entsprungen

Es ist ein' Ros' entsprungen,
aus einer Wurzel zart.
Wie uns die Alten sungen,
von Jesse war die Art.
Und hat ein Blüm'lein 'bracht;
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.

Das Röslein, das ich meine,
davon Jesaia sagt:
Maria ist's, die Reine,
die uns das Blüm'lein bracht'.
Aus Gottes ew'gem Rat,
Hat sie ein Kindlein g'boren,
Bleibend ein reine Magd.

Das Blümelein, so kleine,
das duftet uns so süß;
mit seinem hellen Scheine
vertreibt's die Finsternis.
Wahr'r Mensch und wahrer Gott!
Hilft uns aus allem Leide,
rettet von Sünd' und Tod.