40 Jahre \"Dignitatis Humanae\": In Freiheit zur Wahrheit

Am 7. Dezember 1965 wurde die Konzilserklärung über die Religionsfreiheit verabschiedet

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ROM/BONN, 6. Dezember 2005 (ZENIT.org).- Am Sonntag erinnerte Papst Benedikt XVI. an die Konzilserklärung \"Dignitatis Humanae\" über die Religionsfreiheit und daran, dass der Ursprung für das Recht auf Religionsfreiheit in der Natur des Menschen liegt, der die Wahrheit zu erfassen vermag und somit auch die Pflicht und das Recht hat, sie in aller Freiheit zu suchen und in Gott zu finden.



Aus Anlass des 40. Jahrestags der Verabschiedung dieses bedeutenden Dokuments des Zweiten Vatikanischen Konzils am 7. Dezember erklärte der Heilige Vater vor Tausenden von Gläubigen: \"Tatsächlich sind wir heute weit davon entfernt, dass das Recht auf Religionsfreiheit überall gesichert würde: In manchen Fällen wird sie aus religiösen oder ideologischen Gründen verweigert, in anderen wird sie zwar auf dem Papier anerkannt, aber de facto von der Politik oder – auf viel subtilere Art – von der vorherrschenden Kultur des Agnostizismus und Relativismus behindert.\"

Das Memorandum \"Von der Toleranz zur Religionsfreiheit\", das die deutsche Kommission \"Justitia et Pax\" (\"Gerechtigkeit und Frieden\") am Montag vorlegte, bekräftigt diese Analyse der Gegenwart: 40 Jahre nach Erscheinen der Konzilserklärung zur Religionsfreiheit wird darin auf aktuelle Herausforderungen aufmerksam gemacht. Da das Recht auf Religionsfreiheit heute vielfach in Frage gestellt wird, sei die Kirche gefordert, sich immer öfter zur Anwältin für die Religionsfreiheit zu machen. Das Memorandum will Grundlage für einen thematischen Dialog mit Verantwortlichen aus Religionsgemeinschaften und Politik sein.

Religionsfreiheit sei heute vielerlei Einschränkungen und Verkürzungen ausgesetzt – sei es in theokratischen Staaten wie dem Iran, wo islamische Normen aufgezwungen würden, oder in Staaten wie der Türkei, wo unter dem Deckmantel eines strengen Laizismus ein staatlich kontrollierter sunnitischer Islam als Instrument national-kultureller Integration propagiert werde. Aber auch im Zuge der Sicherheitspolitik nach dem 11. September 2001 würden vielfach die Standards der Religionsfreiheit verletzt, so beispielsweise beim Umgang mit religiösen Minderheiten. In Deutschland und vielen westeuropäischen Staaten begegne man hingegen dem auf einer verkürzten Sicht beruhenden Missverständnis, Religion sei etwas rein \"Privates\". Religionsfreiheit umfasse nämlich immer auch das öffentliche Bekenntnis sowie das öffentliche Wirken der Religionsgemeinschaften.