5 Millionen Menschen gegen die Todesstrafe

Gemeinschaft Sant’Egidio überreichte Petition an den Präsidenten der 62. UN-Vollversammlung

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NEW YORK, 5. November 2007 (ZENIT.org).- Die große Mehrheit der Menschheit steht weltweit hinter dem globalen Moratorium gegen die Todesstrafe. Das bekräftigte der Leiter einer Delegation der Gemeinschaft Sant’Egidio anlässlich der Übergabe einer Petition mit fünf Millionen Unterschriften gegen die Todesstrafe an den Präsidenten der 62. UN-Vollversammlung, dem mazedonischen Politiker Srgjan Kerim, in New York.



Die Übergabe stellt den Höhepunkt einer von Sant’Egidio mitinitiierte Kampagne dar, die von der „World Coalition Against the Death Penalty“ und zahlreichen Menschenrechtsorganisationen mitgetragen wird. Die Unterzeichner der Petition stammen aus 153 Ländern. Sie verlangen eine weltweite Aussetzung von Exekutionen. Bei der Übergabe war auch Ordensschwester Helen Prejean anwesend, Autorin des verfilmten Romans „Dead Man Walking“.

Am Donnerstag hatten 73 Länder, darunter alle 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, einen neuen Vorstoß gegen die Todesstrafe unternommen. Der eingebrachte UNO-Resolutionsentwurf verzichtet auf die Maximalforderung nach einem totalen Verbot. Als Kompromissvorschlag wird dazu aufgerufen, die Vollstreckung bereits verhängter Urteile per Moratorium vorerst auszusetzen.

Marazziti, der Sprecher von Sant’Ègidio, erklärte gegenüber Zenit, dass man an der Unterschriftenliste neun Jahre lang gearbeitet habe. „Um fünf Millionen Unterschriften zu präsentieren, muss man mit rund 50 Millionen Menschen in 154 Ländern reden.“ Marazziti ist der Überzeugung, dass die Praxis der Todesstrafe das jeweilige Rechtssystem zu einem „Killerstaat“ mache. Er beklagte, dass es Anwälte einer Kultur des Lebens gäbe, die gleichzeitig eine Kultur des Todes rechtfertigten.

Zum ersten Mal ist es nun nach Worten Marazzitis gelungen, eine weltweite Front gegen die Todesstrafe aufzubauen und zu zeigen, dass diese Überzeugung nicht nur in europäischen Menschenrechtsgedanken verwurzelt sei.

„Die Todesstrafe untergräbt die Menschenwürde“, mahnte seinerseits Erzbischof Celestino Migliore. Gegenüber ZENIT wies der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in New York darauf hin, dass der Vatikan dieses Thema immer im Rahmen des Lebensrechts behandle. „Denn wenn wir das Leben in all seinen Stadien respektieren, vom Mutterleib bis zum Grab, können wir auch das Thema Todesstrafe adäquat lösen.“

In einem ersten Schritt soll der Menschenrechtsausschuss der UN-Vollversammlung in der zweiten Novemberhälfte über den Text abstimmen. Danach soll er dem Plenum der 192 UN-Mitgliedsstaaten zur Abstimmung vorgelegt werden. Mit einem endgültigen Entscheid rechnet man Mitte Dezember.

Nach Angaben von Sant’Egidio ist die Todesstrafe in 133 Staaten entweder abgeschafft worden, oder sie wird nicht mehr vollstreckt. Rund 50 Länder haben die gesetzliche Grundlage der Todesstrafe modifiziert. Tatsächlich vollstreckt wird sie noch in 64 Ländern. Eines dieser Länder sind die USA.