700 Fälle wie Farah Hatim jährlich

Katholische Ordensschwester aus Punjab: „Christen leben unter unmenschlichen Bedingungen

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LAHORE, Donnerstag, 14. Juli 2011 (ZENIT.org/Fidesdienst) – „Wir Christen leben unter unmenschlichen Bedingungen, denn wir werden wie Gegenstände oder Handelsware behandelt. Wir leben in einem System, das nur die Rechte der Reichen kennt. Christen erhalten von der Justiz keine Gerechtigkeit: Dies ist eine große Lücke in einem Rechtsstaat und einer der Hauptgründe für das Leiden und die Verfolgung von Christen in Pakistan“, so eine katholische Ordensschwester im Gespräch mit dem Fidesdienst.

Die Ordensfrau möchte aus Sicherheitsgründen anonym bleiben. In Pakistan kümmert sie sich um junge christliche Frauen, die misshandelt, verschleppt, vergewaltigt oder zur Bekehrung zum Islam gezwungen werden, und sieht sich dabei täglich mit den Geschichten solcher Frauen konfrontiert. Zum Fall Farah Hatim sagt die Schwester zum Fidesdienst: „Die Geschichte von Farah ist sehr traurig. Doch sie ist leider keine Seltenheit. Jedes Jahr werden mindestens 700 solcher Fälle gemeldet, und wir können nur wenigen Dutzend dieser Mädchen helfen“.

„Wenn eine christliche Familie zu uns kommt und uns einen solchen Fall meldet“, so die Schwester weiter, „gehen wir zu den Ortsvorstehern und bitten um deren Unterstützung, denn sie ist Voraussetzung vor dem Hintergrund des sogenannten ‚Versammlungsrechts’ (Jirga), wie es in der Dorfgemeinschaft üblich ist. Manchmal schenken sie uns Gehör und helfen uns. Doch wenn es um mächtige muslimische Clans geht, dann sagen sie, man könne nichts tun. Dann müssten wir uns auf die Gesetze unseres Landes berufen, doch auch die erstinstanzlichen Gerichte sind manipuliert und werden von Politikern und fundamentalistischen Gruppen oder Großgrundbesitzern beeinflusst.

Es ist ein Teufelskreis, und christliche Minderheiten erhalten dabei keine Gerechtigkeit: Dies ist eine große Lücke in einem Rechtsstaat und einer der Hauptgründe für das Leiden und die Verfolgung von Christen in Pakistan.“

Die Notlage vieler junger Christinnen, so die Schwester weiter, müsse im Kontext der allgemeinen Situation der Frauen im Pakistan betrachtet werden: „Frauen sind nichts wert. Nur acht Prozent der Frauen in Pakistan haben eine abgeschlossene Schulausbildung. Mädchen werden oft abgetrieben. Es gibt ein grundlegendes kulturelles Problem, das von den Stammesbräuchen herrührt.“

„Christinnen“, so die katholische Ordensschwester abschließend, „tragen als weiteres Stigma die Zugehörigkeit zu einer religiösen Minderheit. Sie sind die Schwächsten und damit leicht angreifbar. Einflussreiche Muslime nutzen dies aus. Diese Mädchen werden oft misshandelt oder vergewaltigt und müssen schweigen, weil man ihnen mit Gewalt gegen ihre Familien droht. Christen werden diskriminiert, sie werden nicht als vollwertige Bürger betrachtet, und ihnen widerfährt keine Gerechtigkeit angesichts der offensichtlichen Verstöße gegen ihre Rechte als Individuen und als Gemeinschaft.“