836 Religionen in Italien, mehr christliche als muslimische Einwanderer

Wachsende religiöse Vielfalt

Rom, (ZENIT.org) | 1765 klicks

Das Zentrum „CESNUR“ („Zentrum für Studien der Neuen Religionen“) in Turin hat gestern mit dem Buch „Enzyklopädie der Religionen in Italien“ eine neue Studie über den Stand der Religionszugehörigkeit in Italien vorgestellt. Das Werk wurde von dem Soziologen Massimo Introvigne, Direktor des CESNUR, und Pier Luigi Zoccatelli, stellvertretender Direktor, zusammengestellt, und ist ab heute im Verlag der Salesianer „Elledici“ erhältlich.

Auf über 1240 Seiten werden in dem Band die 836 Religionen und Konfessionen in Italien untersucht. Bei der Forschung über Einwanderer nimmt das CESNUR Daten zur Grundlage, die in der Regel aus den Geschäftsberichten von „Caritas“ und „Migrantes“ (Einwanderer) stammen; zusätzlich werden auch neue Studien zu Rate gezogen. „Wir bedienen uns etwas anderer Kriterien bei der Zählung der Religionszugehörigkeit“, erklärte Introvigne, „Caritas zählt Einwanderer auf der Grundlage der Religion, die sie in ihrem Herkunftsland hatten. Wir bedienen uns dieser Daten, gleichermaßen aber auch der Daten von Organisationen, die im direkten Kontakt mit den Einwanderern in Italien stehen.“

Das bedeutet, während die Zahl der muslimischen Einwanderer in Italien für Caritas1.651.000 beträgt, sind es für CESNUR „nur“ 1.360.000. Bei den Orthodoxen kommt Caritas auf 1.483.000, CESNUR dagegen auf 1.295.000.

Die Untersuchung zeigt einen starken Anstieg der Zahl der orthodoxen Einwanderer, vor allem aus Rumänen, die momentan der Anzahl der Muslime gleichkommt und sie voraussichtlich in Zukunft übersteigen wird.

„In der allgemeinen Vorstellung werden die Einwanderer immer mit dem muslimischen Glauben identifiziert,“ erklären Introvigne und Zoccatelli, „was bedeutet, dass ein nicht-katholischer Einwanderer per Definition fast immer als Muslim gesehen wird. In Wirklichkeit bilden die Muslime nicht mehr die Mehrheit unter den Einwanderern. Beispielsweise sind Orthodoxe und Anhänger protestantischer Pfingstgruppen jetzt zahlreicher als die Muslime.“

Insgesamt kommt man bei der Zahl der Einwanderer, die anderen Religionen als der katholischen Kirche angehören, laut CESNUR auf 3.218.000. Neben Orthodoxen und Muslimen stellen die größten Gruppe die protestantischen Einwanderer dar: die größte sind die Pfingstbewegungen (212.000), Hindus (114.000), Buddhisten (103.000) und Sikhs (60.000), nicht zu vergessen die Zeugen Jehovas mit 17.400 Einwanderern. Insgesamt sind in Italien 4.635.400 Nicht-Katholiken präsent. 1.417.000 der Einwanderer haben die italienische Staatsbürgerschaft. Mit anderen Worten machen die religiösen Minderheiten 2,5 Prozent der italienischen Bevölkerung und 7,6 Prozent der Menschen auf dem italienischen Staatsgebiet aus, einschließlich Einwanderer ohne Staatsbürgerschaft.

Unter italienischen Staatsbürgern stellen nach diesen Quellen die größte Minderheit die Protestanten mit 435.000 Gläubigen dar. Dazu zählen die „historischen“ Gemeinschaften der Waldenser, Lutheraner, Reformierten, Methodisten und Baptisten, die 14,2 Prozent der Protestanten ausmachen, die große Mehrheit (72 Prozent) sind Mitglieder der Pfingstkirchen.

Die größte protestantische Pfingstkirche in Italien ist die „Versammlung Gottes“ mit 150.000 Mitgliedern. Obwohl die Protestanten in verschiedene Denominationen aufgeteilt sind, ist die zweitgrößte religiöse Organisationen in Italien nach der katholischen Kirche, (Einwanderer, die keine Staatsbürgerschaft haben,ausgenommen) die Zeugen Jehovas mit mehr als 400.000 Mitgliedern. An dritter Stelle stehen bei den Italienern die Buddhisten mit 135.000 Mitgliedern, die meisten von ihnen gehören der „Buddhistischen Union Italiens“ (UBI) an, 63.000 der „Soka Gakkai“ einer Gruppe japanischen Ursprungs, die nicht Mitglied der UBI, dafür aber die zweitgrößte buddhistische Gruppe Italiens.

Weitere Gruppen haben deutlich kleinere Mitgliederzahlen. Die jüdisch-italienischen Bürger sind eine Realität von großer historischer und kultureller Bedeutung, zählen aber nur 36.000 Personen. „Zu Esoterik und New Age“, so Introvigne, „bekennen sich 15.000 Mitglieder ohne diejenigen, die zwar nicht Teil einer offiziellen Gruppe sind, aber mit verschiedenen Ideen sympathisieren.“

Viele Italiener, vielleicht mehr als hunderttausend, haben an einem Kurs, an einer Versammlung oder verschiedenen Initiativen von Scientology teilgenommen. Die vorliegende Untersuchung kommt bei denen, die Scientology als eigene Religion angeben, auf die Zahl von 10.000 (Scientology selber gibt 50.000 an).

„836 Religionen und Konfessionen“, schließt Introvigne, „zeigen, dass Italien ein Land ist, das von einem wachsenden religiösen Pluralismus geprägt ist, der nicht überschätzt— die katholische Kirche bleibt eine große Mehrheit—, aber auch nicht unterschätzt werden darf.“