Abschied von Rom und Ankunft in Castel Gandolfo

Deine Demut hat dich noch größer gemacht

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1134 klicks

Heiter und gelassen wirkt Benedikt XVI., als er am letzten Tag seines Pontifikats zu einer kleinen Abschiedszeremonie in den Hof des Vatikanischen Palastes tritt. Eine große Ehrenformation der Päpstlichen Schweizergarde ist angetreten. Mitarbeiter des Staatssekretariates und anderer Kurienbehörden warten, die Kinder haben sie mitgebracht. Einige dürfen ihn persönlich verabschieden, Kniefall, Kuss des Rings, ein paar Worte, Tränen.

Am Vormittag hat er sich bereits persönlich von allen Kardinälen verabschiedet [ZENIT berichtete]. Jetzt steigt er für eine fünfminütige Fahrt in den Wagen, der ihn zum bereitstehenden Hubschrauber der italienischen Republik bringt. Sein Privatsekretär Georg Gänswein begleitet ihn. Zeigt ihm zum letzten Mal die riesigen Dankplakate, eine winkende Menge auf dem Dach. Längst schämt sich keiner mehr seiner Abschiedstränen, wie die des ehemaligen italienischen Staatssekretärs Gianni Letta in Großaufnahme auf den Bildschirmen.

Um 5.07 Uhr hebt der Hubschrauber ab. Die Glocken des Petersdoms läuten. Die Glocken Roms läuten.

Das vatikanische Fernsehen überträgt den kurzen Flug über die Dächer von Rom, das Kolosseum und die anderen Monumente der zweitausend Jahre alten Kirche. Benedikt XVI. hat die Geschichte dieser Kirche geprägt. Er wird sie weiter prägen. Der Papst geht, sein Zeugnis, seine unerschöpfliche Lehre bleiben.

Um 5.24 Uhr landet der Hubschrauber in Castel Gandolfo; die letzte Reise dieses Papstes ist zu Ende. Autofahrt zur Sommerresidenz, wo er und seine Vorgänger so oft Urlaub gemacht haben, der Hitze Roms entflohen.

Glockengeläut empfängt ihn auch in Castel Gandolfo, geschmückte Häuser, ein Freudenfest: Jetzt haben sie ihren großen „Papa" für zwei Monate bei sich: „Benedetto, Grazie Benedetto, siamo sempre con te“ (Danke, Benedetto, wir sind immer bei dir). „Deine Demut hat dich noch größer gemacht“, ist zu lesen.

In freier Rede dankt Benedikt zehn Minuten später vom Balkon der Residenz den dicht gedrängt Wartenden. Energisch muss er sein Danke in den nicht endenden Jubel hineinrufen, frenetischer Applaus nach jedem Satz. Noch einmal hält er die Arme weit ausgebreitet zum Gruß:

„Danke! Danke! Liebe Freunde, ich bin glücklich, bei euch zu sein, umgeben von der Schönheit der Schöpfung und eurer Zuneigung, die mir sehr gut tut. Danke für eure Freundschaft, für eure Liebe. Ihr wisst, dass dieser Tag für mich anders ist als die vorherigen: Ich bin nicht mehr der Oberste Pontifex der katholischen Kirche, bis acht Uhr werde ich es noch sein, danach nicht mehr. Ich bin nur noch ein einfacher Pilger, der die letzte Station seines irdischen Pilgerweges beginnt. Aber ich werde noch mit meinem Herzen, mit meiner Liebe, mit meinem Gebet, mit meinen Gedanken, mit all meinen inneren Kräften für das Gemeinwohl und das Wohl der Kirche und der Menschheit beten. Und ich empfinde eure Zuneigung als große Unterstützung. Gehen wir weiter, zusammen mit dem Herrn für das Wohl der Kirche und der Welt.“

Dann erteilt er zum letzten Mal den Segen als Papst:

„Ich erteile euch von ganzem Herzen den apostolischen Segen. Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.“

Und noch einmal spricht er in den aufbrandenden Jubel hinein: „Danke euch allen, gute Nacht, danke!“

Um 20.00 Uhr werden die Schweizer Gardisten ihre Posten in der vatikanischen Residenz verlassen.

Der Camerlengo (Kämmerer), Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, wird die Gemächer Benedikts XVI. versiegeln.

Die vatikanischen Internetseiten werden das Zeichen für den unbesetzten Stuhl Petri zeigen, die gekreuzten Petrusschlüssel unter einem gelb-roten Schirm: Sede Vacante MMXIII.

Die Fenster des päpstlichen Arbeitszimmers im Apostolischen Palast am Petersplatz bleiben dunkel.

Der Stuhl Petri ist vakant.