Abt Gregor Henckel Donnersmark: Die Worte Benedikts XVI., „Wegweisung für die Zukunft“

Interview mit dem Abt des Zisterzienserklosters Heiligenkreuz über den Papstbesuch 2007

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HEILIGENKREUZ, 24. August 2007 (ZENIT.org).- Am Sonntag, dem 9. September, wird Papst Benedikt XVI. gegen 16.20 Uhr für einen Kurzbesuch im Zisterzienserstift Heiligenkreuz eintreffen, dem gegenwärtig 78 Mönche angehören (der höchste Personalstand sei 200 Jahren).



Abt Gregor Henckel Donnersmark OCist erläuterte im Gespräch mit ZENIT den Ablauf des 30-minütigen Programms, das knapp bemessen, aber „ein großes Geschenk und eine große Freude“ sei. Außerdem ging er näher auf die Päpstliche Philosophisch-Theologische Hochschule ein, die den Namen des Papstes trägt und eine der größten Priesterausbildungsstätten im deutschsprachigen Raum ist.

ZENIT: Papst Benedikt kommt im Rahmen seiner Wallfahrt nach Mariazell nicht nur nach Wien, sondern auch nach Heiligenkreuz. Was wird während der 30 Minuten seines Aufenthalts alles passieren?

-- Abt Gregor Henckel Donnersmark: Der Zielpunkt des Besuchs des Heiligen Vaters in Heiligenkreuz ist sicherlich unser Konvent, der ein benediktinischer Konvent ist – der Papst nennt sich Benedikt, die Zisterzienser leben nach der Regel des heiligen Benedikt –, und wir sind, Gott sei Dank, ein lebendiger und junger Konvent mit viel Nachwuchs, und ich glaube, dass auch das für den Heiligen Vater ein wichtiger Punkt ist.

Wir pflegen die Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils in der lateinischen Sprache, wie es das Konzil ja ausdrücklich auch wünscht. Wir wissen, dass auch das dem Heiligen Vater ein Anliegen ist.

Die zweite Zielrichtung seines Besuchs ist die Hochschule, wo ausschließlich Priesterausbildung als Ziel vorgesehen ist und wo wir uns seit Jahrzehnten bemühen, sozusagen am Lehramt orientiert die Zugänge zur Lehre der Kirche zu erleichtern und nicht vielleicht durch gut gemeinte Kritik dann doch auch manches zu demontieren. Diese Form der Priesterausbildung aus einer „knienden Theologie“, aus dem Gebet heraus, ist sicherlich auch ein Punkt, der dazu geführt hat, dass wir zur Päpstlichen Hochschule geworden sind. Ich habe sie sogar nach unserem jetzigen Heiligen Vater benannt: Sie heißt jetzt Philosophisch-Theologische Hochschule Benedikt XVI. und führt den Titel „Päpstliche Hochschule“.

Wenn der Papst hier ankommt, wird es zunächst einen Besuch in der Kirche geben: Er kommt in unsere Stifts- und Klosterkirche, wo 900 Personen Platz nehmen – in den zwei Höfen drum herum werden viele tausend Menschen über Vidiwalls verbunden sein und so daran teilnehmen.

Ich glaube, es wird ein sehr eindrucksvoller Moment sein, wenn der Heilige Vater schweigend im Gebet vor dem Allerheiligsten und der Kreuzreliquie verharren wird. Dann wird er Platz nehmen und nach einer Begrüßung durch mich eine Ansprache halten. Wir wissen nicht, was der Heilige Vater sagen wird. Wir freuen uns auf sein Wort, das – so glauben wir – Ermunterung, aber vielleicht auch Wegweisung für die Zukunft ist.

Umrahmt wird das Ganze vom Gesang des Gregorianischen Chorals, den wir pflegen. Dabei werden wir auf das Petrusamt Bezug nehmen: „Tu es pastor ovium – Du bist der Hirt der Schafe, du bist der Fürst der Apostel, dir sind die Schlüssel des Himmelreichs übergeben.“ Das ist die lateinische Antiphon am Fest des heiligen Petrus. Die zweite Antiphon, die wir singen werden, ist: „Wir rühmen uns im Kreuze Christi.“ Durch diese Form des meditativen Gebets in Gesangsform soll hörbar werden, dass Heiligenkreuz als Ort auf der Pilgerstraße nach Mariazell in besonderer Weise eine Stätte der Verehrung des Heiligen Kreuzes ist, Zeichen der Erlösung, eine Stätte, an der die große Kreuzreliquie aufbewahrt wird.

Dann wird der Heilige Vater das „Pater Noster“ auf Lateinisch mit uns singen und beten, um dann einen kurzen Fußweg durch den inneren Stiftshof zu machen, wo die dort versammelten Pilger ihn sehen können, damit er dann im Gebäude um den inneren Stiftshof einen Erker betreten kann, um die große Menge der Pilger zu begrüßen und zu segnen, die sich im äußeren Stiftshof aufhält.

30 Minuten, kurzes Programm – für uns ein großes Geschenk und eine große Freude.

ZENIT: Die Theologische Hochschule gehört mit mehr als 110 Seminaristen und Ordensstudenten zu den größten Priesterausbildungsstätten im deutschsprachigen Raum. Will Benedikt XVI. mit seinem Besuch ein besonderes Zeichen der Zuneigung zu den Priestern und Priesteramtskandidaten setzen?

-- Abt Gregor Henckel Donnersmark: So kann man das sicherlich verstehen. Er ist als oberster Hirte der Universalkirche natürlich am Priesternachwuchs sehr interessiert, wobei man immer wieder sagen muss, dass das Problem des mangelnden Priesternachwuchses ein hausgemacht europäisches und nordamerikanisches ist. Die Priesterzahlen weltweit nehmen ja markant zu, was man in unseren Ländern zuwenig weiß.

Auch wenn die Kirche natürlich bedauert, wenn in Europa und in manchen anderen Regionen Priestermangel besteht, so handelt es sich nicht um ein Problem der Kirche insgesamt, sondern um ein Problem bestimmter Länder.

Von seiner Herkunft her ist der Heilige Vater ganz klar als Professor zu erkennen: als Lehrer der Theologie, der auf diesem Gebiet sein Leben lang geforscht, gelehrt und publiziert hat. Daher ist eine wissenschaftlich ernstzunehmende Form der Theologie insbesondere in der Priesterausbildung für ihn ein echtes Anliegen.

ZENIT: Sie haben darauf hingewiesen, dass die „kniende Theologie“ aus dem Gebet kommt. Bei der Generalaudienz hat der Papst am Mittwoch davon gesprochen, dass Gott danach dürstet, mit uns Umgang zu haben. Wie haben Sie selbst beten gelernt, und wie werden die Priesteramtskandidaten dazu ermutigt, ein tiefes Gebetsleben zu führen?

-- Abt Gregor Henckel Donnersmark: Wie man betet, ist sicherlich von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Für mich – ich bin Spätberufener – bestand ein Grund, ins Kloster zu gehen, darin, dass ich spürte, dass ich allein, in der Welt und in beruflichen Verpflichtungen und ähnlichen Dingen in diesem Punkt eigentlich etwas zuwenig getan hatte.

Die Tatsache, dass ich in Gemeinschaft beten kann – dass wir das Gebet singen, dass das eine Meditationsmethode ist –, ist für mich eine ungeheure Hilfe. Deswegen will ich jetzt nicht jedermann vorschreiben, dass das so zu sein hat, aber für mich Zisterzienser und benediktinischem Ordensmann ist das eine große Hilfe gewesen.

Natürlich geht es auch nicht ohne das persönliche Gebet „im stillen Kämmerlein“, wie es schon im Neuen Testament Christus ausspricht, und wie auch der heilige Benedikt es immer wieder erwähnt: Wenn dann das gemeinsame Gebet vorbei ist, soll man sich durchaus im Oratorium niederlassen und hier das persönliche Gebet vornehmen – „unter Tränen“, wie er es sogar nennt, also durchaus auch emotional bewegt.

Ich glaube, dass man hier für jeden Mensachen individuell etwas finden muss. Der Gebetsschatz der Kirche, die Meditation im gregorianischen Choral, der Psalmengebete ist eine große Hilfe.

Für einen Weltpriester sieht das dann wieder ganz anders aus. Er findet im Brevier, dem vorgelegten, aus dem Stundengebet der Mönche kommenden persönlichen Beten der Psalmen seine besondere spirituelle Dimension.

Wir haben hier zwei Gruppen von Hörern: Die einen leben bei uns im Kloster – das sind andere Ordensleute, die sich ganz unserem Gebet anschließen –, und die anderen sind weitgehend Weltpriesteramtskandidaten oder Priesteramtskandidaten für das Neokatechumenat oder die Gemeinschaft der Seligpreisungen, die dann wieder ihre eigenen Charismen im Gebet verfolgen. Das Priesterseminar „Leopoldinum“ für Weltpriester, das hier bei uns neben der Hochschule besteht, muss natürlich seinen eigenen Weg des Gebets gehen und suchen und finden.

In all diesen Dingen bemühen wir uns, die Theologie nicht nur als reine Wissensvermittlung, sondern eben als Vorgang zu sehen, der mit der persönlichen Frömmigkeit und dem Gebet in einem harmonischen Zusammenhang steht. Das ist glaube ich wichtig, wenn wir theologische Ausbildung betreiben: diesen Hintergrund des spirituellen und des Gebets ganz bewusst mitzudenken und immer wieder zu betonen und herbeizurufen, um das zu fördern.

ZENIT: Was ist nötig, um das eigene Gebetsleben in Gang zu bringen?

-- Abt Gregor Henckel Donnersmark: Das ist, wie gesagt, sehr individuell, ich glaube aber, ein wichtiger Punkt ist einfach: Ruhe finden.

Der Mensch muss zu sich selbst finden, und es ist notwendig, eine bestimmte Askese zu üben, jeder nach seinen Möglichkeiten: sich eben nicht zu sehr vom Automobil, vom Fernseher, vom Internet, von den Medien, von Konsummöglichkeiten gefangen nehmen zu lassen, weil die Zeit kosten und auch spirituelle Energie abbauen, sondern ganz bewusst den Weg in die Stille, in die Ruhe zu finden. Das kann ein klösterlicher Weg bis zum Kartäuser sein, wo die Stille ganz dominiert, und für einen Menschen in der Welt kann das heißen, sich ganz bewusst am Tag (oder vielleicht, mit einer anderen Zeitökonomie, auf die Woche bezogen oder einmal im Jahr bei Exerzitien) dieses Reservat der Stille aufzusuchen, um in das tiefste Innerste zu hören, wo man Gott findet, oder eben in der Ruhe der Betrachtung der Heiligen Schrift und der Schöpfung Momente zu finden, wo man das, worum es eigentlich geht – Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist der Sinn meines Lebens? – zu spüren und in sich selber wirklich bewusst zu halten.

ZENIT: Zum Abschluss noch einmal ein Blick auf den bevorstehenden Papstbesuch: Welche Bedeutung hat er für Sie ganz persönlich?

-- Abt Gregor Henckel Donnersmark: Es ist ein wunderbares Ereignis für unser Haus, dass der Stellvertreter Christi, der Nachfolger Petri zu uns kommt. Das ist ein kirchenhistorisches Ereignis und für mich persönlich ein Geschenk für unser Kloster, unsere Hochschule, die hiesige Lokalkirche. Es ist wunderbar, dass ich diesen Besuch des Pontifex Maximus, seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI., hier erleben kann und mitwirken durfte, dass er zustande kommt.

Was wir an Bedeutung haben werden, wird – jetzt einmal abgesehen davon, dass schon allein sein Kommen Stärkung und Ermunterung und Konzentrierung auf das Wesentliche bedeutet – sehr davon abhängen, was er uns sagt. Wir müssen dann also schauen: Was ist sein Wort, was ist seine Weisung, in welche Richtung zielen seine Worte an uns ab, um uns dann wirklich daran zu orientieren und uns in das entsprechende kirchliche Denken und die Ideen des Heiligen Vaters einzubinden.