Abtreibungsdebatte in Österreich: Bischof Küng und Wiener Lebenschutzbeauftragte kritisieren Frauenministerin

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WIEN/SANKT PÖLTEN, 9. Februar 2007 (ZENIT.org).- Der österreichische Familienbischof Klaus Küng, der Diözesanbischof in Sankt Pölten ist, hat die Aussage der österreichischen Frauenministerin Doris Bures, wonach „Kirchenherren“ in Sachen Abtreibung „liberaler“ werden sollten, zurückgewiesen und klargestellt: „Wir können nicht schweigen.“ Zugleich wies er darauf hin, dass jeder Christ dazu verpflichtet sei, „Frauen in Not zu helfen“.



In einem heute veröffentlichen Beitrag des Bischofs für kath.net heißt es: „Als ich die Aufforderung der neuen Frauenministerin Doris Bures zu ‚mehr Zurückhaltung‘ seitens der kirchlichen Amtsträger zu Fragen des Lebensschutzes las, kamen mir die Worte des Petrus und des Johannes aus der Apostelgeschichte in den Sinn, die sagten: ,Wir können unmöglich schweigen‘, als ihnen der Hohe Rat zu predigen verbieten wollte. Es muss auch in Österreich erlaubt bleiben, auf die Bedeutung, die Würde und die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens von seinem Beginn an bis zum natürlichen Tod hinzuweisen.

Selbstverständlich ist es für jeden Christen Pflicht, Frauen in Not zu helfen. Die Kirche tut viel in diesem Bereich und das ist gut so. Es geht auch nicht darum, Menschen zu verurteilen.“

Jeder Verstoß gegen die Integrität des Lebens sei allerdings ein „schweres Vergehen“. Daran ändere auch die Fristenlösung nichts, fügte Bischof Küng hinzu. Die Kirche stoße niemanden zurück, „der seinen Fehler einsieht und umkehrt, im Gegenteil. Es ist ihre wichtige Pflicht, gerade auch in diesem Sinn zu helfen.“

In Bezug auf die Forderung der Frauenministerin nach mehr Sexualaufklärung unterstrich Bischof Küng nachdrücklich, dass diese „in Liebe geschehen und eine ganzheitliche Sicht vermitteln“ müsse. Und er merkte an: „Es ist ein Trauerspiel, was von manchen Broschüren, die von den Ministerien an den Schulen verbreitet werden, geboten wird: Eine verkürzte Sicht der Sexualität und des Menschen. In Wirklichkeit führt jene fragwürdige Art der Aufklärung, die nicht aufzeigt, was wahre Liebe ist und nur Verhütungsmittel anpreist, nicht zum Rückgang der Abtreibungen, sondern eher im Gegenteil zum Ansteigen, weil bei Jung und Alt der Trend verstärkt wird, Sex als Konsumgut zu betrachten.“ Dadurch werde viel Leid verursacht.

Auch die Lebensschutzbeauftragte der Erzdiözese Wien, Stephanie Merckens, wies die Aussagen von Bures entschieden zurück. Gegenüber „kathpress“ betonte sie heute, Freitag: „Abtreibung als Hilfestellung für Frauen in Notsituationen zu bezeichnen, ist nicht nur unzutreffend, sondern auch genau das Problem unserer Gesellschaft.“ Es gelte vielmehr, Hilfe anzubieten, „durch die Frauen eine Chance für sich und ihr Kind finden können“.

Als unverständlich bezeichnete Merckens, dass sich die Frauenministerin gegen eine wissenschaftliche Erforschung der Abtreibungsmotive wehrt. „Wie soll denn maßgeschneiderte Hilfe angeboten werden, wenn man nicht einmal erheben will, warum in Österreich immer noch so viele Frauen den Schritt zur Abtreibung gehen?“ Auch dass Bures bekenne, sie wisse nicht, ob sich die Zahl der Abtreibungen trotz des leichteren Zugangs zu Verhütungsmitteln geändert hat, sei zu kritisieren.

Merkens würde es begrüßen, „wenn Frauenministerin Bures ein Ohr für die Ideen aus dem kirchlichen Bereich zur Verbesserung der Abtreibungssituation in Österreich hätte. Ich stehe ihr dazu gerne zu Verfügung". Die katholische Kirche in Österreich könne in diesen Fragen auf einen breiten Erfahrungsschatz engagierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bauen. Seit 1973 gebe es beispielsweise in der Erzdiözese Wien einen „Hilfsfonds für Schwangere in Notsituationen“, der bereits mehr als 20.000 Mal aktiv helfen konnte. „Es wäre schön, wenn dieses Beispiel auch auf staatlicher Ebene Schule macht“, schlug Stephanie Merckens vor.