Abtreibungsmentalität: Erzbischof von Lima verweist auf Worte Benedikts XVI. in Österreich

Aufruf zur Vertiefung der anthropologischen Kenntnisse und Relativismuskritik

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LIMA, 11. September 2007 (ZENIT.org).- Der Primas von Peru, Kardinal Juan Luis Cipriani, hat in Anlehnung an die Ansprache von Papst Benedikt XVI. in der Wiener Hofburg darauf hingewiesen, dass die Abtreibung die „Feigheit der modernen Gesellschaft“ freilege.



Die „Egoisten in der Welt von heute“ verweigerten den ungeborenen Kindern den Lebensraum, auf den sie jedes Recht hätten, kritisierte der Erzbischof von Lima am Sonntag während der Eucharistiefeier, an der unter anderem der peruanische Gesundheitsminister Carlos Vallejos Sologuren teilnahm.

Angesichts der ungeheuerlichen Möglichkeit der heutigen Menschheit, über die Existenz von Millionen von Menschen zu entscheiden, verurteilte Kardinal Cipriani den Relativismus, der viele dazu verleite, die Legalisierung der Abtreibung nur deshalb gutzuheißen, weil sie ein verbreitetes Übel sei. Eine solche Einstellung müsste aber nach Worten des Kardinals genauso dazu führen, jene kriminellen Delikte gutzuheißen und zu legalisieren, die in der peruanischen Gesellschaft immer wieder aufträten.

Das „große Problem“ des Relativismus besteht nach Worten des Kardinals darin, dass gut und böse relativ werden – wie es Papst Benedikt am Freitag vor den österreichischen Spitzenpolitikern und Vertretern des diplomatischen Corps dargelegt hatte. Ausdrücklich auf diese Rede Bezug nehmend, fuhr Kardinal Cipriani fort: „Wozu nützen mir enorme wissenschaftliche Errungenschaften, wenn sie eingesetzt werden, um Schaden anzurichten?“

Das menschliche Streben nach hervorragenden Leistungen und Exzellenz dürfe nicht seines geistigen Gehalts beraubt gehen, nämlich der Bemühung um ein tugendhaftes Leben. „Hervorragend ist nicht notwendigerweise der, der viel verdient oder viele Titel hat. Wie schwer fällt es einem doch so oft, ehrliche Frauen und Männer zu finden, die mit anderen zusammenarbeiten können, zuvorkommend sind, ihre Zeit großzügig zur Verfügung stellen und opferbereit sind – vor allem aber, die ehrlich sind“, erklärte der Hirte von Lima.

Die gegenwärtige Situation betrachte er als einen klaren Auftrag: das Wissen um die Ethik und den Menschen zu vertiefen. Und diesbezüglich hob der Kardinal hervor, dass mit Ethik „nicht Erfolg oder Scheitern“ gemeint sei, sondern vielmehr „das, was den Menschen glücklich macht“.

In diesem Sinn bezeichnete Kardinal Cipriani die „Eroberung der menschlichen Freiheit“ als die große Herausforderung der Gegenwart. Freiheit sei zwar in aller Munde, aber die Wirklichkeit sehe anders aus: „Im Namen der Freiheit wird die Freiheit von Interessensgruppen mit Füßen getreten.“