Adolph Kolping (1813-1865)

Priester, Sozialreformer, Publizist, Seelsorger und Gesellenvater

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 328 klicks

„Froh und glücklich machen, trösten und erfreuen ist im Grunde doch das Glücklichste und Beste, was der Mensch auf dieser Welt ausrichten kann. (KS 4, S.301)“. (Adolph Kolping)

Adolph Kolping wurde am 8. Dezember 1813 in Kerpen geboren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen in einer christlichen Familie auf. Aus Mangel an finanziellen Mitteln konnte Kolping seine Schullaufbahn nicht weiter fortsetzen, sondern er erlernte mit 13 Jahren das Schuhmacherhandwerk. Nach dem Abschluss seiner Lehre ging er auf Wanderschaft; seine Reisen führten ihn nach Sindorf, Düren, Lechenich und Köln. Insgesamt zehn Jahre lang übte er das erlernte Handwerk aus.

Kolping stellte rasch fest, dass die sozialen Verhältnisse vieler seiner Kollegen besorgniserregend waren, da sie sich am Existenzminimum befanden. Mit diesen teilweise sehr deprimierenden Lebensumständen fand sich Kolping nicht ab und begann im Abendstudium Latein und Griechisch zu lernen. Sein Ziel war es, Priester zu werden. Unterstützung bei diesem Unternehmen erhielt er von dem Kölner Pfarrer Lauffs und dessen Nachfolger, Vikar Wollersheim. Mit 23 Jahren konnte er das renommierte Marzellen-Gymnasium in Köln besuchen und legte 1841 das Abitur ab.

Mit Hilfe eines Stipendiums, das er von der Tochter eines Gutsbesitzers erhielt, konnte Kolping endlich das Theologiestudium beginnen. 1842 wechselte er an die Universität in Bonn, und nur zwei Jahre später schloss er sein Studium erfolgreich ab. Danach trat er in das Kölner Priesterseminar ein und wurde am 13. März 1845 zum Priester geweiht. Zunächst arbeitete Kolping als Kaplan und Religionslehrer in Elberfeld, einem Stadtteil von Wuppertal. In der Gemeinde lernte er den Lehrer Johann Gregor Breuer kennen, der sich besonders um junge Handwerker kümmerte. Er hatte einen Chor und 1846 den „Katholischen Jünglingsverein zu Elberfeld“ gegründet. Breuer wollte mit seinem Verein, den jungen Männern die Möglichkeit zu Weiterbildung und religiöser Erziehung geben. Das Konzept stieß bei Kolping auf große Begeisterung, da er aus eigener Erfahrung um die Schwierigkeiten der jungen Handwerker wusste. Tatkräftig unterstützte er den Verein, dessen geistlicher Vorsitzender er wurde, mit Predigten und Vorträgen. Außerdem regte Kolping an, weitere Gesellenvereine an anderen Orten zu gründen: „Ich brenne vor Verlagen, diesen Verein noch im ganzen katholischen Deutschland eingeführt zu sehen […] Seit ich in unserm Verein aber wieder mit dem Volke volkstümlich verkehre, ist die Lust an wissenschaftlichen Studien gewichen […] dagegen aber finde ich mich in einer solchen Volksprofessur ganz in meinem Element.“

Am 6. Mai 1849 gründete Kolping gemeinsam mit einigen Gesellen nach dem Vorbild des Vereins in Elberfeld den Kölner Gesellenverein. Schon wenige Monate später verzeichnete der Verein 550 Mitglieder. Am 14. August 1852 erweiterte Kolping den Verein um Gesellenhäuser, die als Freizeit- und Bildungsstätten und als Unterkunft für Wandergesellen dienten. Kolping äußerte: „Das Christentum ist nicht bloß für die Kirche und für die Betkammern, sondern für das ganze Leben. Es gibt keinen Punkt, keine Seite, kein einziges Verhältnis des Lebens, welches nicht nach den Grundsätzen des Christentums gerichtet und behandelt werden soll. Der höchste Inbegriff und kürzeste Ausdruck dieser Grundsätze ist das neue Gesetz der Liebe: Liebe Gott über alles und den Nächsten wie Dich selbst. Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch. Aus dieser Regel folgt alles, unser ganzes praktisches Verhalten. (RV 1857, S. 497f.).“ 

Kolping legte Wert auf eine organisatorische Rahmenstruktur der Vereine. Um die Anbindung der Vereine an die katholische Kirche zu verdeutlichen, wurden die örtlichen Gesellenvereine eines Bistums zu einem Diözesanverband zusammengeschlossen. Diese Verbandsstruktur hat bis heute Gültigkeit.

Kolping nahm jede Gelegenheit war, auf den Katholikentagen, während seiner vielen Reisen und in seinen Schriften, um für den Gesellenverein zu werben. Er gründete die „Rheinischen Volksblätter für Volk, Familie und Handwerk“, die am 1. April 1854 erstmals erschienen. Die Wochenzeitung mit katholischer Prägung wurde zu einem der erfolgreichsten Presseorgane der Zeit und zu einer wichtigen Finanzquelle für die Gesellenvereine.

1862 führte Kolping eine Reise nach Rom, wo er von Papst Pius IX. zur Privataudienz empfangen wurde. Kolping wurde im selben Jahr zum päpstlichen Geheimkämmerer und zum Rektor der Minoritenkirche ernannt.

Adolph Kolping starb am 4. Dezember 1865 nach einer schweren Krankheit. Er wurde zunächst auf dem Kölner Melatenfriedhof bestattet und später in die Minoritenkirche umgebettet. Bei seinem Tode hinterließ er 420 Gesellenvereine mit über 24.000 Mitgliedern in Deutschland sowie in zahlreichen europäischen Ländern und in Nordamerika.

Während seines Deutschlandbesuchs am 15. November 1980 beschrieb der selige Johannes Paul II. Adolph Kolping und sein Lebenswerk mit den folgenden Worten: „Adolph Kolping forderte die Neubesinnung des Menschen auf seinen inneren von Gott gegebenen Wert in der Familie, im Beruf, in der Kirche, im Staat und in der Gesellschaft. Sein Programm lautete: Jeder einzelne Christ verändert die Welt, wenn er christlich lebt. Adolph Kolping lebte in einer Zeit des politischen und sozialen Umbruchs. Er wusste, dass der einzelne, auf sich allein gestellt, nur wenig zur Besserung der Verhältnisse beitragen konnte. Deshalb baute er zielstrebig die katholischen Gesellenvereine auf, das heutige internationale Kolpingwerk. Er wollte damit Menschen in schwieriger sozialer Lage Geborgenheit und Heimat geben.

Als Adolph Kolping in Köln seine ersten Gesellenvereine gründete, wirkte auch Karl Marx in Köln.

Während dieser zu Umsturz und Klassenkampf aufrief, wollte Adolph Kolping die Gesellschaft durch christliches Verhalten der Menschen wandeln. Grundlage für seine Arbeit waren die Botschaft Christi und die katholische Soziallehre, die durch seine schriftstellerische Tätigkeit Verbreitung fand und der er Impulse gegeben hat. Ich bin gekommen, Adolph Kolping und dem Internationalen Kolpingwerk, das sein Programm zeitgerecht verwirklicht, für den Beitrag zu Lösung der sozialen Fragen zu danken. Mit großer Freude hörte ich, dass das Kolpingwerk heute in 20 Ländern der Erde verbreitet ist und sich in jüngster Zeit sehr segensreich auch in der Dritten Welt ausbreitet.“

Adolph Kolping wurde am 27. Oktober 1991 vom seligen Johannes Paul II. seliggesprochen. Das Seligsprechungsverfahren war am 21. März 1934 von Karl Joseph Kardinal Schulte, dem Erzbischof von Köln, eröffnet worden. Der Gedenktag des seligen Adolph Kolping ist der 4. Dezember.

Weitere Informationen über das Kolpingwerk können dieser Seite entnommen werden.