Adoptionsdebatte in Großbritannien: Kardinal Murphy-O'Connor fordert von Regierung „faires Spiel“

Neues britisches Gesetz verpflichtet katholische Adoptionsagenturen zur Berücksichtigung homosexueller Paare

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LONDON, 25. Januar 2007 (ZENIT.org).- Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, zehnter Erzbischof von Westminster und Primas von England und Wales, hat den britischen Premierminister und dessen Mitarbeiter dazu aufgefordert, mit den katholischen Adoptionsagenturen in Großbritannien fair umzugehen.



Mit seinem Brief vom vergangenen Montag reagierte der Kardinal auf die Debatte über eine mögliche Freistellung katholischer Agenturen vom Gleichstellungsakt 2006, einem Gesetz, das im April 2007 in Kraft treten wird und jegliche Diskriminierung in der Bereitstellung von Gütern, Einrichtungen und Diensten aufgrund sexueller Orientierung untersagt.

Als möglicher Kompromiss wird angeführt, dass katholische Agenturen zwar gleichgeschlechtliche Paare zurückweisen könnten, aber die Pflicht hätten, sie an Agenturen weiterzuleiten, die diese akzeptierten. Justizminister (Lord Chancellor) Lord Charles Falconer erklärte allerdings gegenüber dem Fernsehsender BBC, dass das zukünftige „Diskriminierungs“-Verbot für jeden gelte, völlig unabhängig davon, welcher Religion der Betroffene angehöre.

Kardinal Murhpy-O'Connor, 74, präzisierte in seinem Schreiben, dass die Kirche „alle Formen von ungerechter Diskriminierung, Gewalt, Belästigung oder Misshandlung gegenüber Menschen, die homosexuell sind“, nachdrücklich verurteile und lehre, dass diese Menschen mit „Achtung, Erbarmen und Feinfühligkeit“ aufgenommen werden müssten.

Katholische Agenturen allerdings rechtlich zu verpflichten, homosexuelle Paare als potentielle Adoptiveltern zu erachten, würde diese zwingen, „gegen die Grundsätze der katholischen Lehre“ zu handeln.

Der Kardinal verwies darauf, dass die katholischen Agenturen der vorgeschlagenen Ausnahmeregelung bereits zugestimmt hätten und gleichgeschlechtliche Paare an andere Institutionen weiterverwiesen.

Der Primas der katholischen Kirche in England und Wales bezeichnete es als eine „überflüssige Tragödie“, wenn katholische Agenturen, die auf eine „vortreffliche Geschichte der Dienstleistung“ zurückblicken könnten, gesetzlich zur Schließung gezwungen würden. In diesem Sinn rief er zu einem „fairen Spiel“ („fair play“) auf, und zwar „besonders gegenüber den vielen Kindern, die – katholisch oder auch nicht – von den anerkannten, professionellen und engagierten Adoptionsdiensten der katholischen Agenturen profitieren“.