Adoptionsdebatte in Großbritannien: Keine Ausnahmeregelung für kirchliche Institutionen

Kardinal Murphy-O'Connor kritisiert Regierungsbeschluss

| 729 klicks

LONDON, 30. Januar 2007 (ZENIT.org).- Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, zehnter Erzbischof von Westminster und Primas von England und Wales, hat die Entscheidung der britischen Regierung, im neuen Anti-Diskriminierungsgesetz doch keine Ausnahmeregelung für katholische Adoptionsagenturen zuzulassen, mit großer Enttäuschung zur Kenntnis genommen.



Die Diskussion rund um die nun scheinbar unverrückbare rechtliche Verpflichtung, homosexuelle Paare als potentielle Adoptiveltern zu erachten, „hat grundlegende Fragen aufgeworfen, die das Gemeinwohl unserer Gesellschaft betreffen“, erklärt der 74 Jahre alte Kardinal in einer Erklärung, die am Montagabend veröffentlicht wurde. „Wir glauben, dass es die dringliche Aufgabe gibt, hinsichtlich der Frage, wie die öffentliche Rolle der religiösen Organisationen gewährleistet und ihre Rechte aufrechterhalten werden können, zu einem neuen Konsens zu kommen.“

Der Kardinal bringt angesichts der Tatsache, dass den katholischen Agenturen „auf Basis weit verbreiteter religiöser Überzeugungen und des Gewissens“ keine Ausnahme gewährt werde, die große Enttäuschung seitens der ganzen kirchlichen Gemeinschaft zum Ausdruck und hofft, in den bevorstehenden interparlamentarischen Debatten jene bedeutenden Themen ansprechen zu können, „die sich auf das Wohl des Kindes konzentrieren, dessen Bedürfnisse immer Vorrang haben müssen“.

Kardinal Murphy-O'Connor begrüßte den Wunsch der britischen Regierung, auch in Zukunft auf die „Erfahrung und die ausgezeichnete Arbeit“ der katholischen Adoptionsagenturen zählen zu können, sowie den gewährten Zeitraum von zwei Jahren, in denen unabhängige Beratungszentren geschaffen werden sollen. Der Kardinal unterstrich zudem die Bereitschaft der Bischöfe, mit der britischen Regierung zusammenzuarbeiten. Die konstruktive Zusammenarbeit im Rahmen eines „respektvollen Miteinanders beider Seiten, in der wir voller Vertrauen und mit Integrität im Dienst am Gemeinwohl handeln können“, sei schon immer ein wichtiger Bestandteil der katholischen Tradition gewesen.

Bei der Debatte dreht es sich um den Gleichstellungsakt 2006, einem Gesetz, das ursprünglich im April 2007 in Kraft hätte treten sollen. Es untersagt jegliche Diskriminierung in der Bereitstellung von Gütern, Einrichtungen und Diensten aufgrund sexueller Orientierung. Bisher war von einer möglichen Ausnahmeregelung für katholische Adoptionsagenturen die Rede gewesen. Sie wären demnach verpflichtet gewesen, homosexuelle Bewerber an andere Agenturen weiterzuleiten.

Wie Premierminister Tony Blair ankündigte, wird das Anti-Diskriminierungsgesetz nach einer Übergangsfrist Ende 2008 in Kraft treten soll.

Der Primas der katholischen Kirche in England und Wales hatte bereits zu Beginn der vergangenen Woche darauf hingewiesen, dass die rechtliche Verpflichtung, homosexuelle Paare als potentielle Adoptiveltern zu erachten, die katholischen Adoptionsagenturen zwingen würde, „gegen die Grundsätze der katholischen Lehre“ zu handeln.