Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Der Adventskranz - Aufstieg bis zur vollen Erleuchtung der Welt

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 720 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen.

Frage: Gibt es eine bestimmte Reihenfolge, in der die Kerzen des Adventskranzes entzündet werden sollen, und eine Erklärung hierfür? Einigen Mitgliedern der liturgischen Kommission zufolge soll nach der zuerst entzündeten Kerze jene Kerze nachfolgen, die ihr zur Rechten liegt (gegen den Uhrzeigersinn), andere meinen, es solle die Kerze sein, die zur ihrer Linken liegt (im Uhrzeigersinn). Ich weiß, dass in der dritten Woche die rosafarbene Kerze entzündet werden soll. -- DC, San José, Kalifornien (USA)

P. Edward McNamara: Es scheint weder eine offizielle noch eine von der Tradition vorgeschriebene Reihenfolge zu geben, außer dass man die rosafarbene Kerze am dritten Adventssonntag (Gaudete) anzündet. Die anderen Kerzen sind normalerweise violett, obwohl das [englischsprachige] Benediktionale vier violette oder weiße Kerzen erlaubt. Bei den evangelischen Kollegen sind am häufigsten vier rote Kerzen zu finden, wobei manchmal im Zentrum eine weiße Kerze, die Christus repräsentiert, hinzugefügt wird. In einigen Regionen von Italien und Brasilien benutzt man bisweilen Kerzen mit vier verschiedenen Farben, die dann von der dunkelsten bis zur hellsten angezündet werden, um anzuzeigen, wie sich mit dem herannahenden Christus stufenweise ein Aufstieg bis zur vollen Erleuchtung der Welt vollzieht.

Auch wenn es keine vorgeschriebene Reihenfolge gibt, nach der die Kerzen entzündet werden sollen, gehört es zur Tradition, dass man die Reihenfolge beibehält. Mit anderen Worten zündet man in der vierten Woche zuerst die Kerze der ersten Woche an, dann jene der zweiten Woche, dann die rosafarbene und schließlich die letzte Kerze. Und so geht man jedes Mal vor, wenn man während der vier Wochen die Kerzen anzündet.

Eher strittig ist hingegen der Ursprung des Adventskranzes. Einige sind der Meinung, sein Ursprung sei vorchristlich und in einer skandinavischen Tradition zu suchen. Andere meinen, er stamme aus dem Mittelalter oder komme aus der Zeit Luthers. Mancher Forscher sieht die Herkunft des modernen Adventskranzes beim protestantischen Pastor Johann Hinrich Wichern (1808-1881), der ihn 1839 in Hamburg erstmals für seine Zöglinge benutzte, weil diese ihn ständig fragten, wie lange es noch bis Weihnachten dauern würde. Der Brauch habe sich von dort aus langsam in der katholischen Kirche sowie in anderen kirchlichen Gemeinschaften verbreitet und sei schließlich ins Ausland gebracht worden. So sei er auch in den 1930er Jahren in den Vereinigten Staaten angekommen.

Möglicherweise muss man dieser letzten Theorie Recht geben. Wenn es keine offiziellen Dokumente gibt, die vorschreiben, wie ein Brauch durchzuführen ist, kann dieser – vor allem wenn er alljährlich vollzogen wird – nach etwa drei Generationen leicht als altehrwürdig gelten. Mit Ausnahme der Vereinigten Staaten ist in den Ländern außerhalb Deutschlands der Brauch des Adventskranzes erst seit relativ kurzer Zeit bekannt, so z.B. im Falle einiger lateinamerikanischer Länder und im Falle Italiens, wo er erst in den letzten zwanzig Jahren Fuß gefasst hat.

In jedem Fall hat der Adventskranz eine sehr schöne symbolische Bedeutung, die die Mehrheit der christlichen Bekenntnisse gemeinsam haben und schätzen können.

Der Ring des Kranzes, der weder Anfang noch Ende hat und aus immergrünen Zweigen geflochten ist, stellt die Ewigkeit und das ewige Leben dar, das wir in Christus gefunden haben.

Die vier Kerzen repräsentieren die vier Adventswochen, deren stufenweises Anzünden die Haltung der Erwartung und Hoffnung ausdrücken, von der die Ankunft des Messias begleitet ist.

Für die vier Wochen gibt es verschiedene Interpretationsschlüssel. So erinnert die erste Woche zum Beispiel an die Patriarchen und an die Tugend der Hoffnung. Die zweite Woche erinnert an die Propheten und an den Frieden. Die dritte Woche steht für Johannes den Täufer und die Freude, die vierte und letzte Woche hingegen stellt die Gestalt Mariens und die Tugend der Liebe dar. Falls es eine fünfte Kerze gibt (weiß, im Zentrum), dann steht diese natürlich für Christus, das heißt für das Licht der Welt, und sie wird am Weihnachtsabend oder am Weihnachtstag angezündet.

Andere Interpretationsweisen der vier Wochen und/oder Kerzen sind möglich, sofern sie den liturgischen Charakter dieser Zeit respektieren.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem italienischen Artikel http://www.zenit.org/it/articles/l-accensione-delle-candele-d-avvento