Adventisten in Dänemark beschließen geschlechtsunabhängige Ordination

Weltsynoden der Adventisten 1990 hatten die Ordination von weiblichen Geistlichen mehrheitlich abgelehnt

Rom, (ZENIT.orgAPD) | 285 klicks

Bei der Delegiertenversammlung vom 12. Mai haben die Adventisten in Dänemark eine Stellungnahme zur Gleichstellung von Frau und Mann sowie zur Ordination beschlossen. Demnach soll „die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Dänemark bei der Ernennung von Pastoren keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern machen und fordert die Gleichstellung der Geschlechter in allen Verantwortungsbereichen“. Deshalb würden bis zur nächsten Weltsynode der Kirche (Generalkonferenz-Vollversammlung) 2015, an der eine Entscheidung zur Ordinationsfrage in der Weltkirche gefällt werden soll, in Dänemark keine Ordinationen mehr durchgeführt.

Begründet wird dieser Entscheid mit dem "adventistischen Schöpfungsverständnis", wonach Gott den Menschen als Mann und Frau in seinem Bilde geschaffen und damit gleichgestellt habe. Wegen der Sünde habe Gott ein spezielles Priestertum eingeführt, das für Männer reserviert gewesen sei. Dieses habe aber mit den vorgeschriebenen Opfern und Anordnungen seine Erfüllung in Jesus Christus gefunden, heißt es in der Stellungnahme. Es gebe kein weiteres, besonderes Priestertum, da Jesus Christus der Priester aller und als Hohepriester im wahren Tempel im Himmel wirke, durch den nun alle Zugang zu Gott hätten (Hebräer 4, 5).

Alle Nachfolger Christi, sowohl Frauen als auch Männer, gehörten zum „auserwählten Geschlecht der königlichen Priesterschaft, dem heiligen Volk und dem Volk des Eigentums“ (1 Petrus 2,9). Die königliche Priesterschaft habe als gemeinsames Ziel, das Evangelium zu verkündigen. Dieser Dienst basiere auf den geistlichen Gaben, welche der Heilige Geist gleichermaßen Männern und Frauen zuteile (1 Korinther 12). Paulus nenne einige spezifische Dienste in der Kirche, einschließlich Apostel, Propheten, Evangelisten, Lehrer und Hirten, welches Pastoren seien (Epheser 4,7-16).

Studienkommission zur Ordinationsfrage

Der Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) der Siebenten-Tags-Adventisten hat 2012 eine Studienkommission eingesetzt, die sich bis Oktober 2014 mit der Theologie der Ordination befassen soll. Die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen sollen die adventistische Gemeindepraxis unter besonderer Berücksichtigung einer bisher noch nicht in der Freikirche möglichen Ordination von Pastorinnen einbeziehen. Die Ergebnisse würden im Oktober 2014 dem Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung vorgestellt, der dazu Empfehlungen verabschiede, welche der adventistischen Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) 2015 in San Antonio, Texas/USA, zur Abstimmung vorgelegt werden sollen.

Frauen in den USA zum Pastorendienst ordiniert

2012 haben fünf überregionale adventistische Kirchenleitungen Beschlüsse zur geschlechtsunabhängigen Ordination gefasst: Die „Columbia Union Conference“ im Osten und die „Pacific Union Conference“ im Westen der USA sowie der „Norddeutsche Verband“, die „Niederländische Union“ und die „Norwegische Union“. In den beiden nordamerikanischen Kirchenregionen sind mehr als zehn Frauen als Pastorinnen ordiniert worden.

Deutschland

Wie der Präsident des Norddeutschen Verbandes der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, Pastor Johannes Naether (Hannover), mitteilte, liege derzeit kein Antrag von einer der vier regionalen Freikirchenleitungen („Vereinigungen“) in Nord- und Ostdeutschland zur Ordination einer Frau als Pastorin vor. Bei Stellung eines derartigen Antrages werde der Verbandsausschuss darüber nach denselben Kriterien wie für männliche Geistliche entscheiden.

Die Weltsynoden der Adventisten 1990 in Indianapolis/USA und 1995 in Utrecht/Niederlande hatten die Ordination von weiblichen Geistlichen mehrheitlich abgelehnt. Die Zulassung von Frauen als ordinierte Pastorinnen ist außerhalb von Nordamerika, Westeuropa, China und Australien/Ozeanien, wo nur etwa 13 Prozent der weltweit über 17,6 Millionen erwachsen getauften Adventisten leben, umstritten.