Afrika: Ansprache von Kardinal Polycarp Pengo, Erzbischof von Dar-es-Salaam, am zweiten Synodentag beim Bericht über die Kontinente

Wahre Afrikaner und wahre Katholiken werden

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VATIKANSTADT, 10. Oktober 2012 (ZENIT.org). - Mit den Berichten aus den Kontinenten wurde gestern in der Synodenaula in Gegenwart des Heiligen Vaters nach dem Gebet des „Adsumus“ die Zweite Generalkongregation der Bischofssynode begonnen.

Für Afrika sprach Kardinal Polycarp Pengo, Erzbischof von Dar-es-Salaam, Präsident des Symposiums der Bischofskonferenzen Afrikas und Madagaskars (S.C.E.A.M. - S.E.C.A.M.) (TANSANIA).

[Wir dokumentieren die Ansprache im Wortlaut in einer Arbeitsübersetzung des Heiligen Stuhls:]

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Ich spreche im Namen des Symposiums der Bischofskonferenzen Afrikas und Madagaskars (SECAM). Seit den frühen Anfängen der Kirche wurde auf dem afrikanischen Kontinent evangelisiert. Die Begegnung zwischen dem äthiopischen Eunuchen und dem Diakon Philippus (vgl. Apg 8,26-39) ist ein Beispiel dafür.

Für weite Teile des subsaharischen Afrika ist die Evangelisierung jedoch ein eher neues Phänomen, so dass es sehr schwierig ist, zwischen alter und neuer Evangelisierung zu unterscheiden. Es scheint aber angemessen zu sein, im Falle von Afrika von neuer Evangelisierung zu sprechen, angefangen bei dem Appell, der 1969 durch Papst Paul VI. erging: „Afrikaner, seid eure eigenen Missionare!“ (Predigt während des Abschluss-Gottesdienstes eines von den afrikanischen Bischöfen organisierten Symposiums in Kampala, Uganda, 31.7.1969). Dieser Appell bedeutet für uns, dass wir nicht nur wahre Afrikaner, sondern auch wahre Katholiken sein müssen. Und dazu bedarf es einer reifen Kirche auf unserem Kontinent.

Um diese Herausforderung annehmen zu können, wurden die dafür notwendigen pastoralen Einrichtungen auf nationaler und regionale Ebene geschaffen oder ausgebaut. Zu diesem Zweck wurde 1969 das SECAM ins Leben gerufen, das „die Gemeinschaft, die Zusammenarbeit und das gemeinsame Handeln aller afrikanischen Bischofskonferenzen und der umliegenden Inseln bewahren und fördern“ soll. Aus der Einrichtung oder Stärkung der pastoralen Strukturen erklärt sich auch die heute ungemein große Zahl afrikanischer Bischöfe, Ordensmännern und -frauen, und Katechisten.

Eine grundlegende Errungenschaft für die Neuevangelisierung Afrikas sind die kleinen christlichen Gemeinschaften. Sie sind zu lebendigen Zentren der Evangelisierung unseres heutigen Kontinents geworden.

Es gibt aber auch negative Faktoren, die die notwendige Vertiefung des Glaubens in Afrika behindern. So werden beispielsweise durch die Globalisierung schnell fremdartige ausländische Werte eingeführt, die es den Christen unseres Kontinents schwermachen, wahre Afrikaner zu sein. Und das macht auch ihren christlichen Glauben fremdartig.

In einem solchen Kontext haben traditionelle Werte wie die Achtung des Lebens, der Familie und der engen sozialen Beziehungen nur schwer Bestand.

Auf der anderen Seite gibt es in Afrika kulturelle Elemente, die eine wahre Evangelisierung verhindern. Dazu gehören beispielsweise die kontinuierlichen Stammesfehden, Krankheiten, Korruption, Menschenhandel, verabscheuungswürdige Verbrechen wie Kindesmissbrauch und Misshandlung von Frauen und Minderjährigen.

Eine weiterer Faktor, der im Zusammenhang mit der Neuevangelisierung Afrikas nicht unterschätzt werden darf, ist die Aktualität des islamistischen Fundamentalismus auf dem Kontinent. Hier stellt sich den Verkündern des Evangeliums die schwierige Aufgabe, mit der großen, aber schweigsamen Masse der gutwilligen Muslime in einen Dialog zu treten, aber auch mit der kleinen Gruppe von Fundamentalisten, die nicht bereit sind, objektive Wahrheiten zu akzeptieren, wenn sie nicht ihren Vorurteilen entsprechen.

Die Neuevangelisierung in Afrika muss auch über die Forderung Pauls VI. hinausgehen, der sagte: „Afrikaner, seid eure eigenen Missionare“. Es gibt inzwischen schon afrikanische Missionare in der westlichen Kirche, wie zum Beispiel in Amerika und Europa. Das ist eine logische Entwicklung. Wir müssen aber in diesem Zusammenhang einen möglichen negativen Aspekt erwähnen, nämlich dass die Träger der Evangelisierung statt echter Evangelisationsarbeit vor allem materiellen Gewinn suchen, und das mit negativen Folgen für die Kirchen beider Seiten. Während die afrikanische Kirche ihre qualifiziertesten Missionare verliert, findet die westliche Kirche Missionare vor, die hauptsächlich materielle Interessen haben.

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass die Synode über die Neuevangelisierung ein hochwillkommenes Ereignis ist. Sie ist, wie der Heilige Vater Papst Benedikt XVI. sagte, ein Aufruf an Afrika: „Steh auf, nimm deine Bahre und geh“ (vgl. Africae Munus 148). Mit einem durch diese Synode erneuerten Glauben kann Afrika, so glaube ich, die schwerwiegenden Probleme überwinden, vor die es sich heute gestellt sieht.

Im Lichte der beiden päpstlichen nachsynodalen Schreiben Ecclesia in Afrika (1995) und Africae Munus (2011), des Katechismus der Katholischen Kirche und dem Kompendium der Soziallehre der Kirche erwartet die Kirche in Afrika von dieser Synode mit Recht eine reiche Ernte.

[© 2012 Libreria Editrice Vaticana]