Afrikanische Bischöfe: Ortskirchen sollen sich für eine tiefgreifende Veränderung der Gesellschaft einsetzen

Rundschreiben der Bischöfe: Gerechtigkeit ist nicht abstrakt

Rom, (ZENIT.org) | 1262 klicks

Die afrikanischen Bischöfe rufen ihre Ortskirchen dazu auf, sich für eine „tiefgreifende Veränderung unserer Gesellschaft“ einzusetzen.

So steht es in „Governance, Common Good, and Democratic Transitions in Africa“, einem pastoralen Rundschreiben des Symposium der Bischofskonferenzen Afrikas und Madagaskars (engl.: Symposium of Episcopal Conferences in Africa and Madagascar, kurz SECAM).

Das SECAM ist die Vereinigung aller katholischen Bischöfe des afrikanischen Kontinents. Das Rundschreiben wurde von Kardinal Polycarp Pengo, Erzbischof von Dar-es-Salaam (Tansania) und Präsident des SECAM, in Accra (Ghana) vorgestellt.

Das pastorale Rundschreiben betont, im Einklang mit dem nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Africae Munus“ von Benedikt XVI., dass „die Kirche angesichts der gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen, denen Afrika gegenübersteht, nicht unbeteiligt bleiben“ könne und dass „Allgemeinwohl, Achtung der Menschenrechte und Förderung einer guten Regierungspolitik wichtige Elemente der Botschaft des Evangeliums sind.“

Unter anderem liest man in dem Schreiben: „Die von den Propheten geforderte Gerechtigkeit ist nicht abstrakt; sie besteht aus ganz praktischen, wirklichkeitsnahen Aktionen, die dafür sorgen, dass den Schwachen Schutz vor Ausbeutung gewährt wird, dass die Armen bekommen, was sie zum Leben brauchen, und dass die gesellschaftlich Benachteiligten Fürsorge erfahren. Das bedeutet, jedem das zukommen zu lassen, was Gott für ihn bestimmt hat, ohne Rücksicht auf Unterschiede irgendwelcher Art.“

Das Dokument des SECAM setzt sich mit den aktuellen Problemen des Kontinents auseinander, so etwa Emigration und die Lage der Frauen. Arbeitslosigkeit sei ein großes Problem für viele afrikanische Länder, heißt es in dem Schreiben. „Das Drama der Auswanderung, der zunehmenden Schar junger Menschen, die bereit sind, ihr Leben zu riskieren, um Afrika zu verlassen, spiegelt das tiefe Unwohlsein eines Kontinents wieder, der sich noch immer sehr schwer tut, für seine Söhne und Töchter günstige Lebensbedingungen zu schaffen.“

Besorgnis erregend sei auch die Lage der Frauen. Das Dokument der afrikanischen Bischöfe erklärt, es sei vorrangig wichtig, dass den Frauen die Gelegenheit gegeben werde, „ihre Rolle in Gesellschaft und Kirche“ unbehindert zu spielen.

Was gute Regierungspolitik betrifft, enthält das Schreiben des SECAM einen Aufruf an alle afrikanischen Regierungen: Sie mögen „die Bekämpfung der Armut als eine Priorität betrachten und die aus der Nutzung der natürlichen Ressourcen – Bodenschätze, Land und Tropenwald – gewonnen Profite für die Entwicklung ihrer Länder einsetzen, zum Wohl der ganzen Nation und all ihrer Bürger. Wir flehen euch an, den Kampf gegen die Korruption nicht zu vernachlässigen. Korruption ist wie ein Krebsgeschwür, das unsere Länder zerstört.“

„Die Kirche“, heißt es weiter in dem Rundschreiben, „hat seit jeher alle Bemühungen um eine bessere Regierungspolitik unterstützt. In vielen Ländern hat sie in der schwierigen Zeit der demokratischen Transition der neunziger Jahre eine sichtbare Rolle gespielt. Fünf von insgesamt acht Nationalen Übergangsregierungen hatten als Vorsitzenden einen katholischen Bischof. Der Einfluss der Kirche hat es in vielen Fällen ermöglicht, einen friedlichen Übergang zur Demokratie erfolgreich zu sichern, durch Anhörung aller Parteien und viel Dialog. Viele Christen haben in schwierigen Augenblicken geholfen, Frieden und Aussöhnung zu bringen. Die Kirche kann sich ihren Verantwortungen in der gesellschaftlichen und politischen Sphäre nicht entziehen. Sie muss sich für eine tief greifende Veränderung unserer Gesellschaft einsetzen.“