Ägypten: „Angst um die Zukunft unseres Landes"

Pfarrer: Straßenschläger gegen friedliche Demonstranten eingesetzt

| 921 klicks

KAIRO, 10. Oktober 2011 (ZENIT.org/KIN). - Der Pressesprecher der katholischen Kirche in Ägypten, Pfarrer Rafic Greiche, hat der herrschenden Militärregierung die alleinige Schuld an den Gewaltausbrüchen am Sonntagabend in Kairo gegeben. Greiche sagte dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not", die ägyptische Armee hätte „einen mit Steinen, Schwertern, Stöcken und Gewehren bewaffneten Mob aus Straßenschlägern" gegen friedliche Demonstranten eingesetzt.

Bei den Ausschreitungen am Sonntag (9. Oktober) waren nach Medienangaben mindestens 25 Menschen getötet worden, etwa 200 wurden verletzt. Die Gewalt war vor der Niederlassung des staatlichen Fernsehsenders in Kairo eskaliert, nachdem zuvor mehrere tausend koptische Christen gemeinsam mit gemäßigten Muslimen friedlich gegen die zunehmende islamistische Gewalt im Land demonstriert hatten.

Die ägyptische Polizei behauptet, dass die Demonstranten mit der Gewalt begonnen hätten, indem sie Steine auf Polizisten und Soldaten warfen, die das Gebäude bewachten. Im Internet kursieren dagegen Videos, auf denen zu sehen ist, wie Panzer der ägyptischen Armee in die Demonstranten rasten.

Pfarrer Greiche äußerte gegenüber „Kirche in Not": „Die Gewaltanwendung durch die Armee war völlig unnötig - es handelte sich um eine vollkommen friedliche Demonstration.  Die Wut über die Ereignisse vom Sonntagabend sei in der gesamten Kairoer Bevölkerung spürbar. „Das ist kein interreligiöses Problem! Selbst unter Mubarak durften wir friedlich demonstrieren", rief Greiche aus. Das neue Regime des Premierministers Essam Sharaf stehe jedoch „solchen Formen der freien Meinungsäußerung feindlich gegenüber".

Der Sprecher der katholischen Kirche im Land betonte abschließend: „Egal ob Christen oder Muslime: Wir Ägypter haben Angst um die Zukunft unseres Landes!"