Ägypten: diskriminierende Gesetze gegen Kopten abschaffen

Premierminister kündigt Gesetzesänderungen an

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GÖTTINGEN, Dienstag, 17. Mai 2011(ZENIT.org/GfbV). - Als bedeutenden Schritt zum Abbau der Diskriminierung von Kopten bezeichnete die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die Ankündigung des ägyptischen Premierministers, zukünftig christliche Religionsgemeinschaften beim Bau von Kirchen nicht mehr zu diskriminieren. Innerhalb von 30 Tagen soll ein einheitliches Gesetz zur Errichtung von Kirchen und Moscheen erlassen werden, erklärte Premierminister Essam Sharaf, wie die GfbV berichtet.

„Nach 80 Jahren Diskriminierung wäre ein solches Gesetz ein Meilenstein bei den Bemühungen um eine Gleichstellung von Christen und Muslimen in Ägypten", erklärte der GfbV- Afrikareferent Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen.

Bislang wurde die Koptische Kirche auf der Grundlage eines Gesetzes aus dem Jahr 1934 beim Bau von Gotteshäusern eindeutig gegenüber dem Islam benachteiligt. Selbst für Modernisierungen und dringend benötigte Instandsetzungsarbeiten musste eine schriftliche Erlaubnis eingeholt werden, die meist verweigert wurde.

So sind auch in diesem Jahr bereits mehrfach baufällige Kirchengebäude in sich zusammengebrochen, so dass Gottesdienste danach im Freien abgehalten werden mussten. Radikale Muslime, insbesondere Salafiten, schüren immer wieder öffentliche Konflikte, um geplante Neubauten von Kirchen zu verhindern.

Mit der Ankündigung soll offensichtlich die religiöse Minderheit der Kopten beruhigt werden, die nach den schweren Zwischenfällen vom vergangenen Wochenende tief verunsichert ist. Inzwischen hat sich die Zahl der Toten bei den Straßenkämpfen zwischen Muslimen und Kopten am vorletzten Samstag auf 15 Menschen erhöht, mehr als 240 Personen wurden verletzt. Auch wurde eine konsequente Strafverfolgung der 247 Verhafteten angekündigt.

Zahlreiche muslimische Organisationen haben zu Demonstrationen für die Einheit Ägyptens und gegen die Gewalt gegenüber Kopten aufgerufen.

Im Ober-Ägyptischen Qena, wo es im April 2011 nach der Ernennung eines Kopten zum Gouverneur zu besonders schweren Ausschreitungen gegen die Minderheit gekommen war, hat sich eine Koalition von Kopten undMuslimen gebildet, um die religiös motivierte Gewalt zu stoppen.

Die Kopten haben ihre Forderung nach einer Gleichstellung am vergangenen Freitag mit einer Großdemonstration in Kairo unterstrichen, zu der die "Maspiro Jugend-Union" aufgerufen hatte.