Ägypten: Präsident Mursi muss einlenken

Katholische Bischofskonferenz sieht Ägypten am Scheideweg

Rom, (ZENIT.orgKIN) | 891 klicks

Der Sprecher der ägyptischen Katholischen Bischofskonferenz, Pater Antoine Rafic Greiche, sieht Ägypten am Scheideweg. Gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not" sagte der griechisch-katholische Priester angesichts der gegenwärtigen Unruhen in Ägypten: „Es ist schwer zu sagen, in welche Richtung sich mein Land entwickelt. Die Menschen sind unzufrieden mit dem islamistischen Regime. Die Spaltung nimmt zu. Die blutigen Proteste in der Suez-Region und in Kairo zeigen, wie das Land auseinanderfällt. Aber vielleicht führt das ja auch zu einem neuen Nachdenken und zu neuer Einigkeit über die Zukunft Ägyptens. So jedenfalls kann es nicht weitergehen.“

Zur Lösung der Krise hält Greiche ein Einlenken des Staatspräsidenten Muhammad Mursi für entscheidend: „Er muss endlich einen nationalen Dialog beginnen, der den Namen verdient. Scheinveranstaltungen, die schöne Bilder produzieren sollten aber ansonsten nur Zeitverschwendung waren, hatten wir genug. Wir haben als Kirche deshalb auch beschlossen, nicht mehr an diesen Dialogveranstaltungen teilzunehmen. Mursi muss auch ein Komitee einrichten, das die strittigen Punkte der von den Islamisten ausgearbeiteten Verfassung neu überdenkt. Außerdem muss er die Verantwortung für diejenigen übernehmen, die bei den jüngsten Unruhen umgekommen sind.“

Bei Demonstrationen sind seit Freitag vergangener Woche – dem zweiten Jahrestag des Beginns der Proteste gegen das Mubarak-Regime – mehr als 50 Menschen getötet worden. „Auf diese vorhersehbaren Proteste sind die Sicherheitskräfte nicht vorbereitet gewesen. Hier liegt das Versagen der Regierung“, betont Greiche.