Ägypten: Soforthilfe nach Angriffen

"Kirche in Not" verspricht 30.000 Euro für betroffene koptische Familien

Wien, (KIN Ös) | 325 klicks

Was denkt ein Kaufmann, wenn sein Besitz, sein Laden, seine Existenz in Flammen aufgeht? Wie geht es einem Familienvater, der weiß, dass er seine Familie nicht mehr ernähren kann? Kaum auszumalen, was A.W. gedacht haben muss, als ihm genau das passierte. Der Kopte wurde zum Opfer der gewalttätigen Auseinandersetzungen in Ägypten.

Grundregeln des friedlichen Zusammenlebens scheinen in Kairos Straßen nicht mehr zu existieren. Seit dem Sturz und der Inhaftierung von Ex-Präsident Mursi kommt es ständig zu gewaltsamen Protesten der Muslimbrüder. Kaufläden und Wohnhäuser gehen in Flammen auf, zahlreiche Ägypter stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. „In unserer Diözese haben viele Familienväter ihre Arbeit verloren und aus wirtschaftlichen Gründen ihre Kinder von der Schule genommen“, informiert Ibrahim Isaak Sedrak. Der Patriarch der koptisch-katholischen Kirche bittet „Kirche in Not“ um die Unterstützung von vier betroffenen Familien, darunter die von A.W.

Der 40-jährige Familienvater und gläubige Christ hatte bis vor kurzem noch einen Buchladen. Das Geschäft lief gut, es ernährte Frau und drei Schulkinder. Dann brach die „Arabische Revolution“ aus, es gab erste Überfälle, das Geschäft wurde in Brand gesteckt. Ein herber Schlag, doch A.W. stand schnell wieder auf: Mit Hilfe eines Darlehens konnte er das Geschäft wieder aufbauen. Die Kinder entwickelten sich trotz der schwierigen Verhältnisse, A.W. atmete auf. Bis sich am 14. August 2013 sein Albtraum wiederholte: Die Existenz des Selbständigen wurde mit einem Schlag vernichtet. Zum zweiten Mal musste A.W. dabei zusehen, wie seine  Existenzgrundlage in Flammen aufging. Diesmal konnte er keinen Kredit aufnehmen. Er hat Schulden. „Ich habe keine Arbeit, ich habe kein Geschäft. Ich musste es aufgeben, um meine Schulden zu bezahlen. Ich bin zu meinen Eltern zurückgezogen, um die Lebenshaltungskosten der Familie zu reduzieren. Meine Eltern geben uns zu essen. Das neue Schuljahr beginnt, aber ich weiß nicht, wie ich das Schulgeld für alle meine Kinder bezahlen soll. Und weil ich Schulden habe, gibt mir niemand Arbeit“, beschreibt er seine verzweifelte Lage. Mit Hilfe von „Kirche in Not“ könnte A.W. seine Schulden bezahlen und sich erneut eine Existenz aufbauen. „Ich bete zu Gott, dass er meiner Familie hilft und uns die Möglichkeit gibt, hier in Ägypten zu leben“, schließt er und bittet uns, für ihn und seine Familie zu beten.

„Kirche in Not“ möchte A.W. und anderen besonders schwer getroffenen Familien mit 30.000 Euro beistehen. Mit dem Geld soll vor allem der Schulbesuch der Kinder ermöglicht werden.