Akademie für das Leben will Katholiken und religiös ungebundene gegen Abtreibung vereinigen

Interview mit Vizepräsident Bischof Sgreccia

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VATIKAN, 26. Februar 2002 (ZENIT.org).- Trennung zwischen Katholiken und Nichtkatholiken ist out, meint der Vizepräsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Bischof Elio Sgreccia in einem Interview mit Zenit zu Beginn der Generalversammlung am Montag.



Drei Tage lang beraten Wissenschaftler, Juristen, Bioethiker und Theologen in der vom Papst 1994 in Rom gegründeten Akademie über die "Natur und Würde der Person als Grundlage des Rechts auf Leben".

ZENIT: Mit welchen Herausforderungen sieht sich derzeit die Verteidigung des Rechts auf Leben konfrontiert?

BISCHOF SGRECCIA: Die Katholiken sind einer gewissen libertären Ansicht nach angeblich gegen Abtreibung und berufen sich dabei auf ihre religiöse Empfindung. Das stimmt allerdings so nicht ganz. Man sollte endlich den Gegensatz von Katholiken und Nichtkatholiken überwinden.

Bei dieser achten Generalversammlung der Päpstlichen Akademie für das Leben erörtern wir die Frage: "Gibt es eine für alle Menschen verbindliche Moral?".

Wir sind davon überzeugt, dass sie in Form des Naturrechtes existiert, welches der katholischen Religion vorausgeht und im Herzen des Menschen eingeschrieben ist.

Das moralische Naturrecht ist ein für alle verbindliches Prinzip und setzt einen hohen Menschenbegriff voraus, der wegen der dem Menschen innewohnenden Würde und der Verteidigung dessen wahren Gutes geachtet werden muss.

Aufgrund dieser Achtung der Würde verwerfen wir jeglichen Klonungsversuch von Menschen. Aus demselben Grund sind wir auch gegen künstliche Befruchtung, wenn diese der Rolle der Eltern nicht gerecht wird. Die Menschenwürde muss auf allen Ebenen geachtet werden, insbesondere bei der Verbindung der beiden Geschlechter.

ZENIT: Einige meinen, die Haltung der Kirche sei wissenschaftsfeindlich...

BISCHOF SGRECCIA: Nein, überhaupt nicht. Niemand zieht die physikalischen oder astronomischen Gesetze in Zweifel. Doch man muss gleichzeitig die Gesetze kennen, welche das Leben des Menschen regeln. Das Naturrecht und die Moral haben dieselbe Daseinsberechtigung wie physikalische, chemische oder astronomische Gesetze. Die Verbindung von Naturgesetz und wissenschaftlichen Gesetzen ermöglicht uns eine Gesamtschau des Menschen.

ZENIT: Ja gut, aber viele Menschen sagen, dass das ein Privatproblem sei, dass sich nicht im gesellschaftlichen Leben und schon gar nicht auf rechtlicher Ebene in Form von Gesetzen widerspiegeln darf.

BISCHOF SGRECCIA: Zur Anerkennung des Naturrechtes gehört auch die Anerkennung eines naturrechtlichen Zustands. Das Naturrecht wird gut von der Allgemeinen Menschenrechtserklärung widergespiegelt (die am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der UNO verabschiedet worden ist).

Das heißt richtig verstanden, dass das Naturrecht die Würde des Einzelnen von der Empfängnis bis zum Tod hervorhebt und verteidigt, ob der Mensch krank oder gesund, ob er behindert oder im Vollbesitz seine Fähigkeiten ist. Dieses Naturrecht haben sich nicht die Katholiken ausgedacht, und wenn es nicht zu beachten, ist ein Affront gegen die menschliche Vernunft.