Akten des Weltkongresses 2006 des Päpstlichen Rates "Cor Unum" über die Caritas als Sammelband erschienen

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ROM, 14. Juli 2006 (ZENIT.org).- Vor der offiziellen Veröffentlichung von Deus caritas est, der ersten Enzyklika Papst Benedikts XVI., am 25. Januar 2006 hatte der Päpstliche Rat "Cor Unum" vom 23. bis 24 Januar eine zweitägige internationale Tagung zum Thema "Doch am größten unter ihnen ist die Liebe" (1 Kor 13,13) veranstaltet. "Cor Unum" hatte diese Tagung organisiert, um im Vorfeld der lang erwarteten Enzyklika den Raum für einen "ersten Kommentar" zur Enzyklika zu schaffen. Der Appell des Papstes sollte auf diese Weise in den verschiedenen Bereichen der "Caritas" konkretisiert werden.



Die Ergebnisse des internationalen Kongresses sind jetzt in fünf Sprachen (italienisch, englisch, spanisch, französisch und deutsch) veröffentlicht worden. Der Band beinhaltet neben den verschiedenen Beiträgen und der Ansprache des Heiligen Vater vor den Kongressteilnehmern auch den vollständigen Text der Enzyklika. Die Veröffentlichung kann kostenlos beim Päpstlichen Rat "Cor Unum" per E-Mail (corunum@corunum.va) oder auf dem Postweg (Palazzo San Calisto, 00120 Città del Vaticano) angefordert werden.

Am Kongress im Januar hatten namhafte Persönlichkeiten aus Kirche und Politik neben Verantwortlichen verschiedener Institutionen, Organisationen "No Profit" und aus dem Bereich des Volontariats teilgenommen. Besondere Erwähnung verdienen J. D. Wolfensohn, D. Vienot, D. Martin, J. Navarro-Valls, L. Cavani, F. E. George sowie Kardinal R. Etchegaray.

Das vorliegende Werk will ein wertvoller Schlüssel zum Verständnis der päpstlichen Botschaft über die Liebe sein. Es wendet sich an alle Verantwortungsträger in der Kirche und an diejenigen, die im Bereich der internationalen Kooperation und der humanitären Notstände tätig sind. Die Texte können, so "Cor Unum", bei der Arbeit im Bereich der Massenmedien und der Erziehung sowie für alle Gläubigen nützlich sein, die sich aktiv am Kampf gegen das Elend in der Welt beteiligen.

Von besonderem Interesse unter den Texten ist die erste Auslegung und Einführung in die Enzyklika "Deus caritas est", die Papst Benedikt XVI. selbst bei seiner Ansprache vor den Kongressteilnehmern am 23. Januar in der Sala Clementina vorbrachte.

Benedikt XVI. hob seine Einführung mit einem Zitat aus Dantes "Göttlicher Komödie" an: "Die kosmische Reise, in die Dante in seiner 'Göttlichen Komödie' den Leser mit einbeziehen will, endet vor dem ewigen Licht, das Gott selbst ist, vor jenem Licht, das zugleich 'die Liebe ist, die auch die Sonne bewegt und die anderen Sterne' (Paradies XXXIII, V. 145)." Licht und Liebe bedeuteten hier ein und dasselbe: "Sie sind die uranfängliche schöpferische Macht, die das Universum bewegt."

Dantes Vision der Liebe offenbart für Benedikt XVI. zum einen die Kontinuität zwischen dem christlichen Glauben an Gott und der von der Vernunft und von der Welt der Religionen entwickelten Suche nach ihm. Das Neue aber, das nur von Gott komme, zeige sich in besonderer Weise: "die Neuheit einer Liebe, die Gott dazu veranlasst hat, ein menschliches Antlitz, ja Fleisch und Blut, das ganze menschliche Sein anzunehmen". Der göttliche Eros ist für Benedikt XVI. somit nicht nur eine anfängliche kosmische Kraft, sondern der Eros der Schöpfung des Menschen und der Barmherzigkeit.

Der Papst ist sich dessen bewusst, wie sehr heutzutage das Wort "Liebe" verbraucht, abgenutzt und missbraucht ist, so dass man sich fast scheue, es auszusprechen. "Aber dennoch ist es ein Urwort: Ausdruck der urweltlichen Wirklichkeit." Es dürfe nicht aufgegeben werden. Benedikt XVI. fordert: "Wir müssen es wieder aufnehmen, reinigen und zu seinem ursprünglichen Glanz zurückführen, damit es unser Leben erleuchten und auf den rechten Weg bringen kann."

Benedikt XVI. will wie Dante jene wagemutige Vision vertreten: Der Blick auf die Liebe vermehrt die Sehkraft und verändert innerlich. Der Glaube wird so zu einem "schauenden Begreifen, das uns verwandelt". Der Papst will den Glauben an den Gott, der menschliche Gestalt annehmen wollte, in das absolute Zentrum rücken.

Die Vernunft bedürfe dieses Glaubens: "Der Glaube ist keine Theorie, die man sich zu eigen machen oder auch zurückstellen kann. Er ist etwas sehr Konkretes: Er ist das Kriterium, das über unseren Lebensstil entscheidet."

Der Mensch brauche Gott, der ihn bis zum Tod geliebt hat: "In einer Zeit, in der die Feindseligkeit und die Habgier zu Supermächten geworden sind, in einer Zeit, in der wir den Missbrauch der Religion bis zur Apotheose des Hasses erleben müssen, ist die reine neutrale Rationalität nicht imstande, uns zu schützen. Wir brauchen den lebendigen Gott, der uns bis zum Tod geliebt hat."

Benedikt XVI. klärt, wie die Themen Gott, Christus und Liebe in der Enzyklika zusammengeschweißt sind: "Ich wollte die Menschlichkeit des Glaubens zeigen, zu dem der Eros gehört." Es gehe, so der Papst, um das Ja des Menschen zu seiner von Gott geschaffenen Leiblichkeit, um das Ja zur unauflöslichen, in der Schöpfungsordnung gegründeten Ehe.

In der Ehe werde die Liebe als Eros zur Liebe als Agape. Sie werde zu einer Liebe zum anderen, die nicht mehr sich selber sucht, sondern die die Sorge für den anderen ist: bereit dazu, sich aufzuopfern und für das Geschenk des neuen Lebens offen zu sein.

So war es für Benedikt XVI. zuerst notwendig, "das Wesen der Liebe so zu behandeln, wie es sich uns im Licht des biblischen Zeugnisses darstellt". Vom christlichen Gottesbild ausgehend, wollte er aufzeigen, "wie der Mensch dazu geschaffen ist zu lieben und wie diese Liebe, die am Anfang vor allem als Eros zwischen Mann und Frau in Erscheinung tritt, sich dann innerlich in Agape, das Geschenk seiner selbst an den anderen wandelt – und das gerade, um der wahren Natur des Eros zu entsprechen".

Diese Liebe habe im Opfer Christi eine neue Dimension gefunden: die Hinwendung zu den Armen und Leidenden. Daher sei die "Caritas Christiana" als Nächstenliebe nicht auf soziale Unterstützung zu reduzieren; sie sei vielmehr "Frucht des Glaubens". Die theologische Dimension des Wesens der Liebe und das Thema der praktischen kirchlichen Caritas sowie der karitativen Organisationen sind für Benedikt XVI. notwendig miteinander vereint: Die kirchliche Caritas ist "Teil der Natur der Kirche". Benedikt XVI. fasste zusammen: "So wie dem göttlichen Logos die menschliche Verkündigung, das Wort des Glaubens entspricht, so muss die Agape, die Gott ist, der Agape der Kirche, das heißt ihrer karitativen Tätigkeit, entsprechen."

Die karitative Tätigkeit geht für den Papst weit über reine Philanthropie hinaus. Der Glaube ist die alles entscheidende Grundbedingung jeder karitativen Tätigkeit. Diese muss den lebendigen Gott sichtbar machen. "Gott und Christus dürfen in den karitativen Organisationen keine Fremdworte sein. Sie zeigen die ursprüngliche Quelle der kirchlichen Caritas. Die Kraft der Caritas hängt von der Kraft des Glaubens aller Mitglieder und Mitarbeiter ab."

Benedikt XVI. beschloss seine Ausführungen mit folgenden Worten: "Je bewusster und klarer wir Gott als Geschenk mitbringen, um so wirksamer wird unsere Liebe die Welt verwandeln und in ihr wieder Hoffnung wecken – eine Hoffnung, die über den Tod hinausgeht und nur so wahre Hoffnung für den Menschen ist."