Aktualität des Mittelalters

Gründung des Lehrstuhls Marco Arosio für höhere Studien des Mittelalters

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Von Carlo Climati

ROM, 15. November 2011 (ZENIT.org). - Die Philosophische Fakultät des Päpstlichen Athenäums „Regina Apostolorum“ in Rom hat den Lehrstuhl „Marco Arosio“ für höhere Studien des Mittelalters mit dem Ziel der Förderung der Mediävistik und der Förderung neuen Lebens in der italienischen und internationalen Kultur gegründet.

Der Lehrstuhl möchte an den Gelehrten Marco Arosio erinnern, der bis April 2009 selber als Professor an dem Athenäum gelehrt hat.

Anlässlich der Einweihung des Lehrstuhls am 14. November 2011 hielt Professor Alexander Ghisalberti, Dozent für Geschichte der mittelalterlichen Philosophie an der katholischen Universität von Mailand, einen Vortrag zu dem Thema: „Sein und Logos: Die Begegnung zwischen Offenbarung und Philosophie bei Thomas von Aquin.“

Innerhalb der verschiedenen angesprochenen Themenbereiche erklärte Prof. Ghisalberti, dass „die endgültige Offenbarung das Logos-Wort in seiner transzendenten göttlichen Natur mit einbezieht, als Teilhabe an der dynamischen essentialen Struktur Gottes. Gott ist höchste Intelligenz bis zu dem Punkt, dass der Gedanke Gottes sich in dem Wort hypostasiert, das sich essentiell vereinigt mit Gott, der denkt, oder anders gesagt, mit Gott, der das Wort verkündet (ein einziges Wort innerhalb seines Wesens). Die Einheit von Vater und Sohn ist im Geist der Liebe, der von beiden ausgeht, versiegelt.

Die Geschichte der Exegese macht deutlich, wie von den Interpreten des Neuen Testaments auf die Einzigartigkeit der Offenbarung des Logos aufmerksam gemacht wurde, bis zu dem Punkt der Entscheidung, den griechischen Ausdruck „Logos“ mit dem entsprechenden lateinischen Begriff „Wort“ anstelle von „Verstand“ wiederzugeben.

Thomas von Aquin fasst die ursprünglichen Gründe für diese Wahl zusammen, die bereits bei Augustinus zu finden sind: „Ratio bedeutet eigentlich das Erfassen unseres Geistes, diese Fähigkeit unseres Geistes, auch wenn er von nichts Äußerem angetrieben wird. ‚Verbum', oder das ‚Wort', dagegen bedeutet auch einen äußeren Ausdruck. Da der Evangelist mit dem Begriff ‚Logos' nicht nur auf die Existenz des Sohnes Gottes, sondern auch auf die Macht und die wirkmächtige Tugend des Sohnes, durch ‚den alle Dinge geschaffen sind', hinweisen wollte, zogen die Alten es vor, Logos mit ‚Verbum' zu übersetzen, das einen Hinweis auf äußere Dinge einschließt, statt mit ‚Ratio', das allein auf ein Konzept des Geistes hindeutet.“

„Also ist das ‚Verbum', ‚Wort', nicht nur ein Konzept“, erklärte Professor Ghisalberti, „sondern es ist ein Konzept in einem Wort ausgedrückt, das innerlich und äußerlich zum Ausdruck gebracht werden kann. ‚Verbum' bedeutet grundlegend die Beziehung zur intellektuellen Aktivität, die erkennt und das Bild des erkannten Objekts wiedergibt, es wird erkannt im kognitiven Akt des Wissen und in einem ‚Verbum' oder ‚Wort' kann dieses Selbstverständnis (innerlich und nicht nur äußerlich) ausgedrückt werden.

Dies ist die Ebene, in der die Offenbarung des Wortes sich mit einer langen Tradition, besonders der griechischen Philosophie, kreuzt. Wenn, auf metaphysischer Ebene, die Tradition des Logos sich mehr vorsokratisch, platonisch und neuplatonisch ausweitete, war der Weg auf der Ebene des menschlichen Logos, des Wortes des menschlichen Intellektes, der Aktivität und seiner Bedingungen, der Formen und der Natur der geistigen Fähigkeiten stärker auf Aristoteles ausgerichtet, der stoischen Logik folgend und verschiedentlich in erneuter Diskussion über den Intellekt bei den  ‚Peripatos' der neuplatonischen Zeit, die damit beschäftigt waren, die ‚De anima' des Aristoteles zu kommentieren.“

Es kam zu so etwas wie einer neuen Synergie im Vergleich vom Ursprung und dem Wesen des menschlichen Wortes (oder des ausgedrückten Konzepts), zum Ursprung und der Natur des geoffenbarten Wortes. Dies ist es, worüber, mit verschiedenen Ergebnissen große Denker wie Origenes, Athanasius, Augustinus, Johannes Duns Scotus Eriguena, Thomas von Aquin, um nur Namen ersten Ranges zu nennen, gearbeitet haben.

Aber auch der Philosophie ist es gelungen, Räume ihrer eigenen Reflexion zu erweitern, weil sie einen Vergleich zwischen der (offenbarten) Art und Weise des „Verbum – Sohn“ in seinem göttlichen Wesen, in seiner Beziehung zum Vater, der das Wort geschaffen hat, und der menschlichen Weise der Schaffung des Wortes, eines mentalen, innerlichen, geistigen herstellen konnte, das auch Ausdruck der Seele und nicht nur Abstraktion ist.

„Es lohnt sich, ist die kritische Instanz der Synergien und die Übereinstimmungen zwischen den philosophischen und theologischen Untersuchungen zu untersuch; unleugbare Synergien, die sich auf dem historischen Weg sowohl der Philosophie als auch der Theologie zeigen“, schloss Prof. Ghisalberti.

Zur weiteren Aktivität des Lehrstuhls gehört die Verleihung des „Marco Arosio Preises“, die eine Monografie auszeichnete, die, unveröffentlicht oder veröffentlicht, in Italien in der Zeit vom 1. Januar 2010 bis 1. September 2011 in italienischer Sprache von Absolventen, die zum Zeitpunkt des Antrags das Alter von 35 Jahren nicht überschritten hatten, erstellt worden war.

Die Inhalte der Werke des Wettbewerbs erinnern an das Interesse und die Forschung des verstorbenen Gelehrten und müssen daher auf jeden Fall von den philosophischen und theologischen Instanzen, die sich auf die Zeit des Mittelalters (5. bis 15. Jahrhundert) konzentrieren, aus historischer Sicht aufgenommen werden.

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen]