Albert Vanbuel aus Zentralafrika: Unsere Lage ist verzweifelt!

Auszüge aus dem Schreiben des Bischofs

München, (ZENIT.orgKIN) | 1112 klicks

Der Bischof der zentralafrikanischen Diözese Kaga Bandoro, Albert Vanbuel, hat sich mit einem dringenden Hilferuf an „Kirche in Not“ gewandt. Das weltweite katholische Hilfswerk hat ihm Soforthilfe zugesagt. Hier einige Auszüge aus dem Schreiben des Bischofs:

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Mein Name ist Albert Vanbuel, ich bin Missionar der Salesianer Don Boscos. 2005 ernannte mich der Heilige Vater Benedikt XVI. zum Bischof von Kaga Bandoro im Norden der Zentralafrikanischen Republik. Die Diözese liegt mitten im Busch an jener Straße, die den Tschad und Sudan mit der Hauptstadt Bangui im Süden verbindet. Es ist ein von zahlreichen Rebellengruppen heimgesuchtes Gebiet. Seit 1996 hat die Zentralafrikanische Republik eine ganze Reihe von Aufständen und Staatsstreichen erlebt. Die ersten demokratischen Wahlen haben 1993 stattgefunden, doch die extreme Armut und das darniederliegende soziale und wirtschaftliche Leben wurden dadurch nicht verbessert. Es gibt kaum Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen und die medizinische Versorgung ist schlecht.

Das Regime ist korrupt, darum fehlt den Menschen jede Sicherheit. Die Bauern können nicht auf ihre Felder gehen, die Industrieanlagen sind nach langen Kriegsjahren fast alle zerstört. 2008 gab es Hoffnung, als die Regierung einen Friedensvertrag mit mehreren Rebellengruppen geschlossen hat. Doch die Umsetzung des Vertrages zog sich in die Länge. Erst 2012 wurde mit der Entwaffnung und Wiedereingliederung der Aufständischen in die Gesellschaft begonnen. In meiner Diözese Kaga Bandoro habe ich mich gefreut, als sich 1700 ehemalige Aufständische bei mir vorstellten, um hier ein neues Leben zu beginnen. Doch leider war das nicht erfolgreich. Neue Rebellengruppen tauchten auf und nahmen die ehemaligen Aufständischen, die inzwischen Straßenräuber geworden waren, in ihre Reihen auf.

Zu Weihnachten schließlich haben die Rebellen die Stadt Kaga Bandoro erobert, ohne dass ihnen Widerstand entgegengebracht worden wäre. Die Regierungstruppen und Beamten sind geflohen. Es gab Plünderungen, Vergewaltigungen und Tote. Obwohl die Rebellen die Zivilbevölkerung bei ihrem Vorrücken weitgehend verschont haben, ist die Lage kritisch: Wir haben kaum Medikamente mehr, und bis auf das Rote Kreuz haben alle Hilfsorganisationen unsere Region verlassen. Die Schwester unserer bescheidenen Krankenstation hat alle Hände voll zu tun, um Hilfe zu leisten.

Seit dem Einmarsch der Rebellen ist unser Gemeindezentrum nachts voller Flüchtlinge; einige Familien leben hier sogar dauerhaft. Die Kirche ist in der Zentralafrikanischen Republik neben den internationalen Schutztruppen und dem Roten Kreuz die einzige „Autorität“, die die Bevölkerung schützt. Wir haben Weihnachten, das Fest der Heiligen Familie, Neujahr und das Dreikönigsfest mit großen Pontifikalämtern gefeiert, um damit unseren Willen zum Frieden auszudrücken und die Christen zu beruhigen, die sich verlassen fühlen. Am 31. Dezember haben wir einen Friedensmarsch und einen Gottesdienst zum Jahresende organisiert.

Nun hat sich die Situation weiter verschlimmert: Am 16. Januar drang eine Gruppe Rebellen in das Pfarrhaus des Bistums ein. Sie traten mehrere Türen ein, plünderten drei Büroräume und stahlen viele Sachen. Wir haben uns darüber bei dem Rebellenanführer beschwert, worauf er seine Männer anwies, uns das Diebesgut zurückgeben. Das geschah aber nicht vollständig: Computer, Telefone und viele andere Dinge bleiben verschollen. Unsere Lage ist verzweifelt! Vieles ist zerstört. Es gibt keine Staatsgewalt, die Archive werden geplündert, die Hilfsorganisationen sind fort. Wie sieht die Zukunft für unser armes Land aus? Aus Armut plündern die Menschen das, was die Aufständischen nicht mitgenommen haben. Die Schule ist geschlossen, weil die Lehrer in die Hauptstadt Bangui geflohen sind, nicht einmal die Bauern arbeiten auf den Feldern. Wer kann uns helfen?

Mehr denn je bilden die Kirche und ihre Caritas die Stützpfeiler, die die Menschen trösten, sie können aber keine große finanzielle Hilfe leisten. Mögen der Herr und die hilfreiche Jungfrau Maria uns die Kraft geben, unter den Menschen zu sein, in einem Land, das zu einem der ärmsten Länder der Welt geworden ist.

Gezeichnet: Bischof Albert Vanbuel SDB