Algerische Christen beten für den Frieden

Ausschreitungen im Tal von M'Zab

Rom, (Fides) | 237 klicks

Seit drei Monaten ist das Tal von M’Zab im Süden Algeriens Schauplatz sektiererischer Gewalt auf ethnisch-religiöser Basis, wobei es den algerischen Sicherheitskräften nicht gelingt, diese Ausschreitungen zu verhindern, bei denen sich ibaditische und sunnitische Muslime gegenüberstehen. Kompliziert wird die Lage insbesondere durch die Einmischung von Banditenbanden, die den Identitätskonflikt schüren, um von dem daraus entstehenden Chaos für Plünderungen und andere kriminelle Handlungen zu profitieren. Vor diesem Hintergrund beten die Angehörigen der kleinen christlichen Gemeinde in Algerien für den Frieden und versuchen durch konkrete Gesten zur Überwindung der Streitigkeiten beizutragen, die die jahrhundertelange Tradition des friedlichen Zusammenlebens in der Region gefährden.

„Wir leiden als kleine christliche Gemeinde im Tal von M’Zab mit euch“, so Bischof Claude Rault M. Afr. von Laghouat in einer Botschaft an alle Einwohner der Region. Der Bischof einer der größten Diözesen der Welt (mit einer Fläche von über 2 Millionen Quadratkilometern) beschreibt mit schmerzlichen Tönen die Spaltung zwischen den beiden muslimischen Gruppierungen. „Seit Jahrhunderten“, so der katholische Bischof, „lebt ihr trotz vorübergehender Uneinigkeiten, die eure Gemeinden und eure Familien trafen, in Frieden miteinander. Mit Hilfe Gottes hat die Weisheit stets gesiegt“ so der Bischof weiter, „doch heute werden Feindseligkeiten und Ausschreitungen durch Gerüchte geschürt, die zu einer Zunahme der Gewaltbereitschaft führen, die außer Kontrolle geraten zu sein scheint“.

In diesem Kontext versuchen die Christen des Landes durch spirituellen Beistand und konkrete Aktionen dazu beizutragen, dass das Tal von M’Zab wieder zu einem Ort der Brüderlichkeit und des friedlichen Zusammenlebens wird: „Unsere Freundschaft“, so Bischof Rault weiter, „geht über die Unterschiede hinaus, die uns trennen mögen. Unterschiede können auch ein göttliches Geschenkt der Barmherzigkeit sein. Wir sind sehr berührt von der Gastfreundschaft, die wir in der Region stets erfahren haben. Wir fühlen uns mit euch Verbunden als Stifter des Friedens und der Aussöhnung (…). Von ganzem Herzen beten wir jeden Tag zum einen und barmherzigen Gott, damit er Frieden in den Herzen und in den Gemeinden aussäen möge. Brüder und Schwestern im Tal von M’Zab, wir möchten auch künftig mit euch dafür zusammenarbeiten, damit der Frieden, den Gott schenkt, euch mit seiner Barmherzigkeit umhüllt“.

In den vergangenen Tagen war es insbesondere im Stadtviertel Sidi Abbaz in der Stadt Bou Noura zu Ausschreitungen gekommen, die sich rasch auf die Stadt Ghardaia ausdehnten. Bei den wiederholten Episoden der Gewalt hatte es in den vergangenen Monaten Tote und Verletzte gegeben, Geschäfte und Wohnungen waren geplündert und in Brand gesteckt worden. Nicht selten brach die Gewalt im Anschluss an das Gebet in den Moscheen aus. Die Behörden in Algier stationierten unterdessen Beamte zur Verstärkung der lokalen Sicherheitskräfte in die Region, denen es bisher jedoch nicht gelang, zur Beruhigung der Situation beizutragen. Unterdessen schließen sich jugendliche Einheimische in Form von bewaffneten Selbstschutzgruppen zusammen, um die eigenen Familien, Wohnungen und Stadtvierteln vor Übergriffen zu schützen. (GV)

(Quelle: Fides 20/3/2014)