All die vielen Heiligen - werde ich dazu gehören?

Impuls zu Allerheiligen und zum 31. Sonntag im Jahreskreis

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 587 klicks

Das Evangelium am Fest Allerheiligen führt uns wieder einmal das ganz Paradoxe am Christentum vor Augen. In den so genannten Seligpreisungen spricht der Herr davon, was zum Ewigen Leben führt: wenn man arm ist, wenn man trauert, wenn man hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, wenn man sogar um der Gerechtigkeit willen verfolgt wird und schließlich der Gipfel, wenn man um Jesu willen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet wird. Dann also ist man selig zu preisen.

Eigentlich verständlich, dass der Christ immer wieder mit der Versuchung zu kämpfen hat, solchen Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen und trotzdem auch Christ zu sein. Gerade in unserer Zeit suchen viele Menschen, die es eigentlich gut meinen, ein “Christentum light”.

Das ist offensichtlich aber nicht das, was Christus meint. Schweres ist angesagt, Selbstüberwindung, Entbehrung, ja Verfolgung. Will der Herr also die Schwachen abschrecken? Ist das Christentum eine Religion der Starken und der Tapferen?

Nein, weder nur der Starken noch auch nur der Schwachen.

Christus hat am Kreuz beide Arme ausgebreitet, um alle an sich zu ziehen, die Großen wie die Kleinen, die Reichen wie auch die Armen – alle.

Alle können und sollen heilig werden, das ist der Hintergrund des heutigen Festes.

Angesichts der unzählig vielen, die im Himmel sind, von denen nur ein Bruchteil selig und heilig gesprochen wurde, hat die Kirche diese gewaltig große Gemeinschaft ein wenig strukturiert: da sind die Märtyrer (in der frühen Kirche waren nur sie die Heiligen, die verehrt wurden), die Bekenner, die Jungfrauen, heilige Männer und Frauen jeder Couleur und – seit Johannes Paul II. – auch  die Kinder. Durch ihn wurden die Kinder der Erscheinungen von Fatima, Francisco und Jacinta, selig- und dann heilig gesprochen, auch wenn einige allzu strenge Theologen meinten, ein Kind könne doch nicht heilig sein.

Aber sagt nicht der Herr: “Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht ins Himmelreich eingehen” (Mt 18,2)?

Bei der Heiligsprechung spielt, wie überall in der Kirche, das Menschliche natürlich auch eine Rolle. Es kommt dabei doch leider auch darauf an, dass der Kandidat auf Erden so etwas wie ein Lobby hat, d.h. Menschen oder besser Institutionen, die sich um die Heiligsprechung kümmern. Daher sind verhältnismäßig viele Bischöfe und verhältnismäßig viele Ordensleute kanonisiert worden. Der Gründer des Opus Dei, der die Heiligkeit der Laien besonders förderte, meinte, dass man in Zukunft sehr viel mehr heiligmäßig lebende Laien, die die christliche Vollendung mitten in der Welt suchen, kanonisieren müsse.

Damit kehren wir zu unserem Ausgangspunkt zurück: was muss man tun, um heilig zu werden?

In der Bergpredigt sagt Jesus deutlich, dass man überall die Heiligkeit, d.h. die Vollendung der eigenen Persönlichkeit, anstreben kann. Auch natürlich in der Welt. Aber immer mit dem Zusatz: die Welt ist von Gott gut geschaffen, aber sie ist durch die Sünde der Menschen angeschlagen. Das ist der Grund, warum der Christ sich manchmal – durchaus nicht immer – quer zur Welt stellen muss. Aktiv, indem er Falsches tadelt und womöglich bekämpft, aber auch passiv, indem er Unrecht erträgt. Und zwar immer in Gemeinschaft mit Christus.

Denn heilig werden heißt Christus nachfolgen. Das berühmte Büchlein “Nachfolge Christi” von Thomas von Kempen, heißt im lateinischen Original “Imitatio Christi”, also Nachahmung Christi.

Und dazu ist ja Gott ein Mensch geworden, damit jeder sehen kann, wie man heilig, ja sogar  göttlich werden kann.

Aber sind die Heiligen nicht doch irgendwie besondere Menschen? Kann ich da mithalten?

Ich bin wohl kein Märtyrer, kein Kirchenlehrer, kein Ordensgründer.

Die Heiligen sind uns durch die Kirche vor Augen gestellt, damit wir ihre Fürsprache anrufen, und auch damit wir sie nachahmen. Diese eben genannten können aber die meisten nicht nachahmen.

Da jedoch zeigt sich unvermittelt eine großartige Perspektive: ganz oben, über all den vielen Heiligen, die wir teilweise bewundern, teilweise aber gar nicht nachahmen können (welche heutige Frau würde das Leben der hl. Johanna von Orléans nachahmen können?), sehen wir die größten, bei denen die Sache plötzlich machbar, ja einfach erscheint.

Die größten Heiligen sind nämlich, neben Jesus selbst, Maria und Josef. Es war sicher Gottes Wille, dass der Mensch gewordene Gottessohn von seinen dreiunddreißig Lebensjahren auf Erden, allein dreißig in einem durch und durch normalen, einfachen Milieu leben sollte. An Maria und Josef sehen wir deutlich, was es heißt, im alltäglichen Leben, in den kleinen Dingen, in der Arbeit die Heiligkeit, ja sogar die große Heiligkeit zu finden.

Dass es manchmal nicht leicht ist – nun das Leben ist auch sonst nicht immer leicht.

Der Christ nennt das Kreuz, und weiß wozu es gut ist.

In der Bergpredigt zählt Christus nicht nur das menschlich gesehen Unangenehme auf. Vielmehr verheißt er gleichzeitig das höchste Glück: die Herrschaft über die Erde erben, Söhne Gottes genannt werden, ja sogar Gott schauen.

Und noch ein Trost. Wenn es in diesem Leben nicht ganz gelungen ist, kann das Streben nach Heiligkeit im anderen Leben vollendet werden.

Die Seelen im Läuterungsort können sich selbst nicht helfen. Wir können ihnen ihren schweren Weg erleichtern durch Gebet und Hl. Messen. Aber sie können uns helfen. Daher hat die Kirche immer empfohlen, für die Verstorbenen zu beten und gleichzeitig sie um Fürsprache für uns zu bitten.

Wunderbare Gemeinschaft der Heiligen!

Über allem Maria, die Königin aller Heiligen, die die Mutter aller ist.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).