"Alleinerziehende nicht allein - gemeinsam statt einsam"

Wer zur Kirche kommt, muss immer offene Türen vorfinden

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 305 klicks

Die ehemalige Gemeindereferentin Maria Ginzler wurde für ihre langjährige und ehrenamtliche Tätigkeit für Alleinerziehende im Bistum Trier mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Maria Ginzler gründete den „Arbeitskreis Alleinerziehende“, war an Wochenenden an der Bahnhofsmission in Köln tätig und leitete die Katholische Pfarrbücherei Heimersheim. Sie stammt aus einem Elternhaus, in dem das Ehrenamt gepflegt wurde: „Sie haben mich und meine drei Geschwister schon als Kinder und Jugendliche dazu ermutigt, es ihnen nachzutun.“ Während ihrer Tätigkeit als Gemeindereferentin habe sie festgestellt, dass Menschen, die ihre Partner durch Tod, Scheidung oder Trennung verloren hätten, der besonderen Ansprache bedürfen: „Bei uns sind immer alle willkommen gewesen, ob jung oder alt, ob gerade frisch getrennt oder seit 30 Jahren geschieden.“ Auch nach ihrer Pensionierung ist die 85jährige noch aktiv.„Mein Beruf war für mich immer auch Berufung. Und die ist schließlich nicht zeitlich begrenzt.“

Maria Ginzler begann ihre Tätigkeit mit zwei Kolleginnen, heute zählen zu dem Arbeitskreis rund 80 Personen. „Alleinerziehende nicht allein – gemeinsam statt einsam“ lautet das Motto: „Wir wollten Alleinerziehenden eine Möglichkeit geben, sich auszutauschen, über Erfahrungen und Probleme zu sprechen und sich gegenseitig zu helfen.“ Maria Ginzler erzählt rückblickend: „Ich kann viel über Alleinerziehende erzählen, aber das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, ist eigentlich unbeschreiblich. Jede einzelne Geschichte hat mich berührt.“

In Deutschland leben rund 8,2 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern, so das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Knapp 20 Prozent der Eltern sind alleinerziehende Mütter oder Väter. Die Tendenz ist steigend. In den neuen Bundesländern sind die Zahlen etwas höher als in den alten Bundesländern. Berlin ist der Spitzenreiter: Hier sind 32 Prozent der Eltern alleinerziehend. Wie das Bundesministerium weiter mitteilt, ist die Gruppe der Alleinerziehenden keineswegs homogen, sondern äußerst differenziert. Die überwiegende Mehrheit stellen alleinerziehende Mütter dar. 58 Prozent der Alleinerziehenden waren verheiratet, 37 Prozent ledig und 6 Prozent sind verwitwet (Statistisches Bundesamt 2011).

Papst Franziskus setzte in seinem Pontifikat bereits mehrfach Zeichen zu einem offeneren und toleranteren Umgang mit Alleinerziehenden. Im September des vergangenen Jahres rief er eine junge Frau an, die selbst unverheiratet ist und ein Kind von einem verheiraten Mann erwartete. In ihrer Verzweiflung hatte sie sich schließlich an Papst Franziskus gewandt. In dem Telefonat sicherte der Papst der werdenden Mutter zu, ihr Kind zu taufen. In seiner Tagespredigt in der Domus Sanctae Marthae am 25. Mai 2013 hatte Papst Franziskus erklärt: „Wer zur Kirche kommt, muss immer offene Türen vorfinden und keine ‚Glaubenskontrollen‘. Man muss immer eine Öffnung von Seiten der Kirche erfahren und darf nicht abgewiesen werden, denn das ist nicht im Sinne des Herrn… Wer sich so verhält, tut seinem Nächsten nichts Gutes“. Er fuhr fort, ein solches Verhalten entrüste Jesus, denn die Menschen, die er liebe, würden dadurch leiden.