Alles bereit für den Papstbesuch in der Ukraine

Orthodoxe Kirche gespalten hinsichtlich des Empfangs des Papstes

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KIEW, 22. Juni 2001 (ZENIT.org).- In der Ukraine ist praktisch alles für den Empfang des Papstes am Samstag vorbereitet. Der Papst erfüllt sich damit einen alten Traum, obgleich es sich um den schwierigsten Besuch in die fünf Länder der ehemaligen Sowjetunion handelt, die er bereits besucht hat.



Einer der für die Vorbereitung der 94. Auslandreise von Papst Wojtyla Verantwortlichen, Erzbischof Nikola Eterovic, Apostolischer Nuntius in dem mehrheitlich orthodoxen Land, sagte Radio Vatikan gegenüber, "Die ganze Ukraine wartet gespannt auf den historischen Besuch. Die Katholiken haben für diesen Moment seit langem gebetet. Man ist mit den letzten Details beschäftigt und viele werden aus allen Landesteilen nach Kiew und Lemberg kommen".

In dem an Polen grenzenden Land mit seinen 50 Millionen Einwohnern, gibt es etwa 5 Millionen Katholiken, mehrheitlich griechisch-katholisch, das heißt, sie haben denselben Ritus und dieselbe Tradition wie die Orthodoxen, aber sie unterstehen Rom.

Die Bevölkerung ist in ihrer Mehrheit orthodox, obschon es eine hohe Anzahl von Atheisten gibt, man schätzt etwa 40 Prozent. Die Orthodoxie ist in drei Hierarchien gespaltene, was den Papstbesuch wahrscheinlich auch so schwierig macht.

Die Moskau treue Orthodoxie des Landes wird auch von der restlichen Weltorthodoxie als rechtmäßig anerkannt, und obwohl offizielle Beziehungen zum Vatikan bestehen, stellt sie sich frontal gegen den Papstbesuch.

Dann gibt es noch das Patriarchat Kiew und die autokephale ukrainisch-orthodoxe Kirche. Die beiden betrachten Patriarch Alexej II. als einen Kollaborateur der Kommunisten in der Sowjetzeit. Sie begrüßen den Papstbesuch.

Es scheint, dass die beiden sogenannten schismatischen Kirchen für eine einzige ukrainisch-orthodoxe Nationalkirche arbeiten, was dem Patriarchat Moskau Angst macht, da es noch mehr Gläubige verlieren würde. Man befürchtet, dass der Papstbesuch die beiden sogenannten schismatischen Kirchen noch mehr zusammenschweißt

Und das ist auch das große Hindernis im ökumenischen Dialog, sagte der Nuntius der Ukraine. "Die Orthodoxen müssen ihre verlorene Einheit wiedergewinnen, doch wie sie das machen, ist ein rein innerorthodoxes Problem. Sie müssen nach den in der Orthodoxie geltenden Normen vorgehen, und die Katholiken dürfen sich da nicht einmischen".

Der Moskau treue orthodoxe Erzbischof, Metropolit Vladimir, hatte vor, während des Papstbesuches ins Ausland zu verreisen, womöglich in die Tschechei, wo er sich Thermalkuren zu unterziehen pflegt.

Die größten orthodoxen Proteste waren in der Gegend der Großen Laura von Kiew (Kloster), am oberen Dnjepr, wo die Wiege des slawischen Christentums liegt, denn dort hat Fürst Vladimir für sich und sein Volk das Christentum im Jahre 988 angenommen.

In einer von der Großen Laura verteilten Erklärung hieß es gestern, dass die moskautreue Orthodoxie des Landes weder "gewalttätige Protestkundgebungen" gegen den Papstbesuch organisiere, och etwas mit solchen zu tun habe.

Die Bevölkerung schenkt diesen Auseinandersetzungen unter "Professionisten" der Orthodoxie wenig Beachtung. Erzbischof Eterovic berichtet eine Anekdote, um die Situation der Ukraine zu erläutern: "Zwei junge Orthodoxe, nicht unbedingt sehr fromm, kamen, um Einlasskarten für die Messe des Papstes zu bekommen. Als wir sie ihnen gaben, fingen sie an, zu weinen. Das heißt, es gibt große Erwartungen, und viele Menschen wollen den Papst sehen, durch ihn Jesus Christus begegnen und so zu aktiven Gliedern der Kirche Christi werden".