„Alles, was die Kirche sagt und tut, ist eine Manifestation der Barmherzigkeit Gottes“

Papst Benedikt XVI. am Barmherzigkeitssonntag

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ROM, 31. März 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. gestern, am ersten Sonntag nach Ostern, vor dem Gebet des Regina Caeli gehalten hat.

Der Heilge Vater wies darauf hin, dass alles, was die Kirche sage und tue, die Barmherziglkeit Gottes sichtbar machen sollte. Aus der göttlichen Barmherzigkeit, „zentraler Kern der Botschaft des Evangeliums“, erwachse der wahre Friede.

 

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Liebe Brüder und Schwestern!

Während des Großen Jubiläums 2000 verfügte der geliebte Diener Gottes Johannes Paul II., dass in der ganzen Kirche der Sonntag nach Ostern neben der Bezeichnung „Weißer Sonntag“ auch als „Sonntag der Barmherzigkeit“ begangen werden sollte. Dies geschah in Verbindung mit der Heiligsprechung von Faustina Kowalska, geboren 1905 und gestorben 1938, einer demütigen polnischen Ordensfrau und eifrigen Sendbotin des barmherzigen Jesus. Die Barmherzigkeit ist in Wirklichkeit der zentrale Kern der Botschaft des Evangeliums. Sie ist der Name Gottes selbst, das Angesicht, mit dem er sich im Alten Bund und vollkommen in Jesus Christus, der Mensch gewordenen Schöpfer- und Erlöserliebe, geoffenbart hat. Diese Liebe der Barmherzigkeit erleuchtet auch das Angesicht der Kirche, und sie zeigt sich in den Sakramenten, insbesondere dem Sakrament der Versöhnung, wie auch in den gemeinschaftlichen und individuellen Werken der Nächstenliebe. Alles, was die Kirche sagt und tut, ist eine Manifestation der Barmherzigkeit Gottes dem Menschen gegenüber. Wenn die Kirche die Aufmerksamkeit auf eine verkannte Wahrheit oder ein verratenes Gut lenkt, so tut sie dies immer unter dem Antrieb der barmherzigen Liebe, auf dass die Menschen Leben haben und es in Fülle haben (vgl. Joh 10,10). Aus der göttlichen Barmherzigkeit, die in den Herzen Frieden stiftet, erwächst dann der wahre Friede in der Welt, der Friede unter den verschiedenen Völkern, Kulturen und Religionen.

Seinerseits machte sich Johannes Paul II. wie Sr. Faustina zum Apostel der Göttlichen Barmherzigkeit. Der Abend des unvergesslichen Samstags, 2. April 2005, als er die Augen in dieser Welt schloss, war gerade der Vorabend des zweiten Ostersonntags, und viele bemerkten die einzigartige Fügung, die die marianische Dimension – es war der erste Samstag des Monats – und jene der Göttlichen Barmherzigkeit in sich vereinigte. In der Tat liegt hier der Kern seines langen und vielfältigen Pontifikats. Seine ganze Sendung im Dienst der Wahrheit über Gott und den Menschen und des Friedens in der Welt lässt sich in dieser Verkündigung zusammenfassen, wie er selbst in Krakau-Łagiewniki bei der Einweihung des Heiligtums der Göttlichen Barmherzigkeit im Jahr 2002sagte: „Für den Menschen (kann es) keine andere Quelle der Hoffnung als das Erbarmen Gottes geben.“ Wie die Botschaft von Sr. Faustina, so führt die seinige also hin zum Antlitz Christi, der höchsten Offenbarung der Barmherzigkeit Gottes. Dieses Antlitz ständig betrachten: dass ist das Erbe, das er uns hinterlassen hat und das wir mit Freude annehmen und uns zu Eigen machen wollen.

Über die Göttliche Barmherzigkeit wird in besonderer Weise in den nächsten Tagen anlässlich des ersten Apostolischen Weltkongresses der Göttlichen Barmherzigkeit nachgedacht werden, der in Rom stattfindet und mit einer Messe eröffnet werden wird, der ich, so Gott will, am Vormittag des kommenden Mittwochs, 2. April – am dritten Jahrestag des Hinscheidens des Dieners Gottes Johannes Paul II. – vorstehen werde.

Wir wollen den Kongress unter den himmlischen Schutz der allerseligsten Jungfrau Maria stellen, Mater Misericordiae. Ihr empfehlen wir das große Anliegen des Friedens in der Welt an, damit die Barmherzigkeit Gottes das bewerkstellige, was aus menschlichen Kräften allein unmöglich ist, und in den Herzen den Mut zum Dialog und zur Versöhnung ausgieße.

[Die deutschsprachigen Pilger begrüßte der Papst mit den folgenden Worten:]

Am heutigen Weißen Sonntag begrüße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher hier in Castel Gandolfo. Jesus, der nach seiner Auferstehung den Aposteln die Vollmacht zur Vergebung der Sünden gibt und den zweifelnden Thomas zum Glauben führt, offenbart uns die göttliche Barmherzigkeit. Vertrauen auch wir stets auf die Heil bringende Kraft der Wunden Christi, der uns durch sein kostbares Blut erlöst hat. Der Herr schenke euch und euren Familien eine gnadenreiche Osterzeit.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2008 – Libreria Editrice Vaticana]