Alojs Andritzki neuer Seliger der Kirche

11.000 Menschen feiern den ersten seligen Sorben in Dresden

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DRESDEN, 14. Juni 2011 (ZENIT.org). – Ein Opfer des Nationalsozialismus darf seid Pfingstmontag im Bistum Dresden-Meißen als Märtyrer verehrt werden. Der sorbische junge Priester wurde im KZ Dachau mit einer Giftspritze getötet.

Alojs Andritzki wurde im Jahr 1914 in Radibor als Sohn eines Lehrerehepaares geboren. Seine drei Brüder waren ebenfalls Priester, der jüngste, ein Jesuit, fiel als Soldat im 2. Weltkrieg. Andritzki studierte Theologie in Paderborn und wurde am 30. Juli 1939 in Bautzen zum Priester geweiht. Als Sorbe war er während seines Studiums Redakteur der sorbischen Studentenzeitschrift „Serbski student“ und Sprecher der sorbischen Studentenschaft.

In Vorträgen und bei Zusammenkünften prangerte er die Verfolgung von Geistlichen und Gläubigen durch die Nationalsozialisten an und kritisierte die Schriften des NS-Ideologen Alfred Rosenberg.

Nachdem zunächst versucht wurde, ihn durch Verhöre einzuschüchtern, verhafteten ihn am 21. Januar 1941 Angehörige der Gestapo und brachten ihn nach weiteren Verhören am 7. Februar 1941 zur Untersuchungshaft in das Dresdner Untersuchungsgefängnis. Vor dem Dresdner Sondergericht wurde er im Juli 1941 wegen „heimtückischer Angriffe auf Staat und Partei“ („Heimtückegesetz“) angeklagt und zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt.

Da er die Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten verweigerte, wurde er am 2. Oktober 1941 von Dresden in das Konzentrationslager Dachau abtransportiert. Dort war er mit anderen Geistlichen im so genannten „Pfarrerblock“ eingesperrt.

Selbst während seiner Lagerzeit bemühte sich Kaplan Andritzki trotz der widrigen Haftbedingungen um eine seinem Priestertum entsprechende Haltung. Mit anderen Priestern studierte er regelmäßig die Heilige Schrift und bildete mit ihnen einen Liturgiekreis. Er schloss sich einer Gruppe von Schönstattpriestern an und lernte Josef Kentenich kennen, der im Jahr 1942 ebenfalls im Dachauer Priesterblock eingeliefert worden war. In diesem Jahr erkrankte er an einer im Lager grassierenden Typhusepidemie und wurde nach dem Bericht eines mitgefangenen Priesters durch eine Giftinjektion ermordet, als er um Spendung der Hl. Kommunion gebeten hatte. Die Urne mit seiner Asche wurde am 15. April 1943 in Dresden auf dem alten katholischen Friedhof beigesetzt.

Bei der sorbischen Bevölkerung wurde das Andenken an Alois Andritzki in der DDR-Zeit, in der überzeugte Christen und andere nicht kommunistische Opfer des Faschismus in der Regel wenig gewürdigt wurden, stets gepflegt.

Die Sorben sind ein westslawisches Volk, das in der Ober- und Niederlausitz in den Ländern Sachsen und Brandenburg lebt und in Deutschland als nationale Minderheit anerkannt ist. Die Sorben haben neben ihren Sprachen und ihrer Kultur eine offiziell anerkannte Flagge und Hymne.Andritzki ist der erste gebürtige Sachse und der erste Sorbe, der seliggesprochen wurde.

Am 10. Dezember 2010 war der am 2. Juli 1998 eröffnete Seligsprechungsprozess abgeschlossen. Am 13. Juni 2011 wurde Alois Andritzki in einem Pontifikalamt vor der Kathedrale Sanctissimae Trinitatis (Katholische Hofkirche Dresden) seliggesprochen. An der Seligsprechung nahmen 11.000 Menschen teil, unter ihnen zahlreiche Bischöfe, der apostolische Nuntius Erzbischof Jean-Claude Périsset  sowie Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), selber ein Sorbe, der während der Eucharistiefeier eine Fürbitte auf Sorbisch sprach.

An der Feier, der sich ein Straßenfest an der Kathedrale anschloss, nahmen auch viele sorbische Trachtenträgerinnen teil. Unter den Gläubigen waren ebenfalls eine Schwester Andritzkis sowie der 97-jährige Priester Hermann Scheipers, der zusammen mit ihm im Konzentrationslager gefangen gehalten worden war.

Am Seligsprechungstag wurde seine Asche zusammen mit den beiden weiteren Märtyrern  Bernhard Wensch und Aloys Scholze in einem Schrein vor dem Altar aufgestellt.

Am Ende des Gottesdienstes wurden die Reliquien des neuen Seligen des Bistums Dresden-Meißen in die Kathedrale überführt und erhielten im linken Seitenschiff ihren endgültigen Platz. (jb)