Als der Friedensbote zum Schutzheiligen Europas wurde

Das apostolische Schreiben von Papst Paul VI. über den heiligen Benedikt

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Von Anita Bourdin

ROM, 11. Juli 2012 (ZENIT.org) – Der liturgische Gedenktag des heiligen Benedikt von Nursia, der 11. Juli, hat in Europa den Rang eines „Festes“, seit Papst Paul VI. diesen Vater des abendländischen Mönchtums mittels seines Apostolischen Schreibens „Nuntius pacis“ („Friedensbote“), vom 24. Oktober 1964, zum Schutzheiligen des Kontinents erklärte. Es ist auch das Namensfest von Papst Benedikt XVI. und wird deshalb im Vatikan besonders gefeiert.

Friedensbote

Heute findet anlässlich dieses Fests ein Konzert statt, das das Orchester des Dirigenten Daniel Barenboim – das West-Eastern Divan Orchester – in Castelgandolfo zu Ehren des Papstes gibt. Das Orchester besteht aus israelischen, palästinensischen, syrischen, jordanischen, ägyptischen, libanesischen, iranischen, türkischen und spanischen Musikern [ZENIT berichtete am 4. Juli]. Ihr Einsatz für den Frieden passt auch gut zum Motto des Schutzheiligen Europas: „Pax“, „Friede“.

Paul VI. begrüßte in Benedikt von Nursia (etwa 480/490 bis 547) den „Friedensboten, Bringer von Einheit, Lehrer der Zivilisation und vor allem Herold der Religion Christi und Gründer des monastischen Lebens im Abendland“.

Paul VI. betont die epochale Wende, die durch den heiligen Abt Benedikt herbeigeführt wurde: „Als das längst erschöpfte römische Reich zusammenbrach und manche Gegenden Europas in der Finsternis zu versinken schienen, während andere noch ohne Zivilisation und ohne geistige Werte lebten, war er es, der dank seiner beharrlichen und unermüdlichen Anstrengungen, über unserem Kontinent die Morgenröte einer neuen Ära aufgehen ließ“.

Kreuz und Einheit

Ferner schreibt der Autor der Enzyklika „Populorum progressio“: „Es waren vor allem er und seine Söhne, die mit dem Kreuz, dem Buch und dem Pflug den Völkern vom Mittelmeer bis nach Skandinavien, von Irland bis Polen den christlichen Fortschritt brachten“.

Und er erklärt weiter: „Durch das Kreuz, d.h. durch das Gesetz Christi, gab er dem Recht im öffentlichen und privaten Leben ein Fundament und eine Richtung. Zu diesem Zweck muss daran erinnert werden, dass er die Menschheit den Vorrang des Gotteskults mittels des ‚Opus Dei‘ lehrte, d.h. mittels des liturgischen und rituellen Gebets. So geschah es, dass er in Europa jene geistige Einheit schuf, kraft derer Völker, die auf sprachlicher, ethnischer und kultureller Ebene getrennt waren, fühlten, das eine Volk Gottes zu sein; eine Einheit, die dank des unermüdlichen Wirkens der Mönche, die in die Spuren eines so hohen Meisters traten, das Kennzeichen des Mittelalters wurde“. Heute, bemerkt Paul VI., sei diese Einheit leider durch die geschichtlichen Ereignisse zerbrochen worden; aber „Menschen guten Willens“ versuchten unaufhaltsam, sie wiederaufzubauen.

Ein Sieg über den Krieg

Auch Johannes XXIII., fährt Paul VI. fort, „wünschte sehnlichst, dass dies geschehen möge“, und fügt hinzu: „Es ist daher nur natürlich, dass auch Wir dieser Bewegung, die die Einheit Europas anstrebt, Unsere volle Zustimmung geben. Darum sind Wir gerne auf die Bitten zahlreicher Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe, Generaloberer religiöser Orden, Universitätsrektoren und anderer bedeutender Vertreter des Laientums verschiedener europäischer Länder eingegangen, den heiligen Benedikt zum Schutzheiligen Europas zu erklären“.

Besonders betont Papst Paul VI., er tue diesen Schritt anlässlich der neuen Weihe der Kirche von Montecassino, zu Ehren Gottes, des heiligen Benedikt und der Jungfrau Maria. Die Kirche war 1944 „während des schrecklichen Weltkriegs“ zerstört und dank der „Zähigkeit der christlichen Nächstenliebe“ wiederaufgebaut worden: allein schon ein Sieg des Friedens über den Krieg.

Paul VI. stellt sich gern in die Reihe seiner Vorgänger, die im Laufe der Jahrhunderte dieses „durch das Grab des heiligen Benedikt berühmt gewordene Zentrum monastischer Spiritualität“ geweiht haben.

Er bringt den Wunsch zum Ausdruck, der heilige Benedikt, „dem es mit dem Licht der christlichen Zivilisation gelang, die Finsternis zu vertreiben und das Geschenk des Friedens leuchten zu lassen“, möge heute über das Leben Europas wachen und es „durch seine Fürsprache immer weiter wachsen lassen“.

Mit diesen Worten erklärt er „den heiligen Abt Benedikt zum himmlischen Schutzpatron ganz Europas“, mit allen liturgischen Privilegien, die einem Schutzheiligen gehören.

[Übersetzung des französischen Originals von Alexander Wagensommer]