„Als wäre es ihr leiblicher Vater“

Lokalaugenschein in Kamerun

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YAOUNDÉ, 16. März 2009 (ZENIT.org).- Morgen wird Papst Benedikt XVI. zu seinem ersten Afrikabesuch in Yaoundé eintreffen, der Hauptstadt Kameruns. Was sich die Menschen vom Heiligen Vater erwarten und vor welchen Herausforderungen die Ortskirche steht, erfuhr ZENIT von Mag. Andreas Thonhauser. Der leitende Redakteur von „alle welt“, des Magazins der Päpstlichen Missionswerke in Österreich (missio), hält sich derzeit in Kamerun auf und wird den Papstbesuch hautnah miterleben.

ZENIT: Was erwarten und erhoffen sich die Afrikaner vom Papstbesuch?

Thonhauser:
Alle Menschen, mit denen ich bisher gesprochen habe, freuen sich auf den Papstbesuch und legen große Hoffnungen in das Kommen des Heiligen Vaters. Sie sehen es als Ehre, dass Papst Benedikt XVI. auf seiner ersten apostolischen Reise nach Afrika zuerst in Kamerun landet. Sie empfinden sich als besonders von Gott geliebt, dass ihnen so eine Ehre zuteil wird.

Es herrscht eine große Offenheit gegenüber dem Besuch, wenn auch die Erwartungen enorm hoch sind. In jedem Fall gehen die meisten davon aus, dass der Segen für Kamerun, den der Heilige Vater bringen wird, sehr groß sein wird.

Natalie, eine Übersetzerin, sagte mir, sie hoffe, dass der Heilige Vater ihr Land vom Bösen befreie und heile. Sie spielte damit vor allem auf Verletzungen und Wunden auf spiritueller Ebene an, die viele Menschen in ihren Herzen trügen. Sie hoffe, der Heilige Vater möge ein spirituelles Erdbeben in Kamerun entfachen, und zwar ab dem Augenblick, an dem er seinen Fuß auf afrikanischen Boden setze.

Gerade in Kamerun sind viele pseudo-christliche und animistische Sekten auf dem Vormarsch, die den Menschen gegen Geld alle möglichen Versprechen machen. Der Okkultismus und der traditionelle Geisterglaube sind wieder im Kommen. Den Grund dafür sieht Natalie in einem ungesunden Streben nach Reichtum und Wohlstand: Viele Menschen versuchten, sich ihr Glück durch falschen Zauber zu erkaufen.

ZENIT: In welchen Formen bringen die Afrikaner ihre Liebe zum Papst zum Ausdruck? Was können wir diesbezüglich von ihnen lernen?

Thonhauser:
In Yaoundé fiebern die meisten dem Papst entgegen, als wäre es ihr leiblicher Vater, der nach einer langen Reise zurückkehren würde. Jeder will ihn sehen und hören, was er zu sagen hat.

Die Menschen sind bereit, stundenlang auf den Straßen auszuharren - auch im Regen, wenn es notwendig ist, denn hier beginnt ja gerade die Regenzeit -, nur um den Heiligen Vater vorbeifahren zu sehen. Das haben mir mehrere bestätigt.

Was wir lernen können, dürfte Folgendes sein: Generell sind die Menschen hier bereit, zuerst zuzuhören, zu lernen, ehe sie urteilen und etwas verwerfen. Sie sind offen für Neues, noch Unbekanntes und durchaus gewillt, dieses Neue an sich heran zu lassen, bevor sie es kritisieren.

ZENIT: Wie lebendig ist das Christentum in Kamerun und Angola?

Thonhauser:
Die Kirche in Kamerun ist sehr lebendig. 40 Prozent sind Katholiken, und besonders in der Hauptstadt Yaoundé und den umliegenden Gebieten ist fast jeder katholisch.

Es gibt viele Berufungen, und die Gottesdienste in den Kirchen sind immer gut besucht. Momentan geht ein starker Impuls von der Charismatischen Erneuerung und damit von Seiten der Laien aus. Fast alle Novizen im Ausbildungszentrum der Gemeinschaft des Heiligen Johannes, die ja auch in Österreich vertreten ist, haben durch die Erneuerungsbewegung ihre Berufung entdeckt.

ZENIT: Was benötigt die Kirche in diesen Ländern?

Thonhauser:
Die Gläubigen benötigen vor allem fundiertes Wissen über ihren Glauben. Katechismusschulungen sind absolut notwendig, gerade auch, um den vielen Sekten widerstehen zu können, die mit verschiedensten Mitteln versuchen, die Menschen für sich und ihre Sache zu gewinnen. Viele Gläubige haben den Argumenten der Prediger nicht viel entgegenzusetzen, weil sie zu wenig Wissen über ihre Kirche haben. Sie beten und feiern und sehen sich selbst als katholisch an, aber sie haben kaum das notwendige geistige Rüstzeug für ein Leben aus dem Glauben.

ZENIT: Was bedeutet Afrika dem Papst?

Thonhauser:
Das weiß ich nicht, weil er darüber erst in Yaoundé sprechen wird, wenn er angekommen ist. Allerdings lassen seine bisherigen Erklärungen darauf schließen, dass er Afrika als einen Hoffnungsträger für die Zukunft des Glaubens, der Kirche aber auch der Welt als Ganzes sieht.

In Afrika wird der Papst mit großer Freude empfangen werden. Er wird einer Kirche begegnen, die bereit ist, im dritten Jahrtausend Zeugnis für Christus abzulegen.

Das Interview führte Dominik Hartig