Alternativer Nobelpreis für zwei Misereor-Partner

Ehrung für Jacqueline Moudeina und die Organisation GRAIN

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AACHEN, 30.September 2011 (ZENIT.org). - Die Bekanntgabe der diesjährigen Träger des Alternativen Nobelpreises löste heute  beim katholischen Entwicklungshilfswerk Misereor besonders große Freude aus, wie verlautet wurde. Denn gleich zwei der vier Preisträger sind mit Misereor durch langjährige partnerschaftliche Zusammenarbeit eng verbunden.

Jacqueline Moudeina, Präsidentin der tschadischen Menschenrechtsorganisation ATPDH, wird von MISEREOR seit vielen Jahren intensiv in ihrem Bemühen unterstützt, einen Prozess gegen den ehemaligen Präsidenten des Tschads, Hissène Habré, herbeizuführen. Habré regierte von 1982 bis 1990 und lebt seitdem unbehelligt im senegalesischen Exil. Im Jahr 1992 klagte eine Wahrheitskommission den Ex-Präsidenten des Mordes an mehr als 40.000 Menschen sowie der systematischen Folter an.  Seither kämpft Moudeina dafür, dass Habré vor Gericht gestellt wird. Bei einem Attentatsversuch im Jahr 2001 wurde sie so schwer verletzt, dass sie noch heute die Folgen spürt. Ihren Willen und Mut, gegen Straflosigkeit zu kämpfen, hat das nicht brechen können. Unter Habré musste Moudeina ins Exil nach Kongo-Brazzaville fliehen. „Die vielen Waisenkinder, die ich nach meiner Rückkehr aus dem Exil überall im Tschad gesehen habe, haben mich darin bestärkt, den Kampf gegen die Straflosigkeit aufzunehmen. Mein Ziel war es schon immer Rechtsanwältin zu werden. Denn ich wollte und will Habré vor Gericht bekommen", sagte Moudeina bei einem Besuch der Misereor-Geschäftsstelle in Aachen im Jahr 2007. „Wir hoffen, dass der alternative Nobelpreis deinem Kampf um einen Prozess gegen Habré neuen Schub verleiht", schrieb Vincent Neussl, Misereor-Länderreferent für den Tschad, gestern in einem spontanen Glückwunschschreiben an Moudeina.

Die Nichtregierungsorganisation GRAIN wird von Misereor seit dem Jahr 2000 finanziell unterstützt. Sie setzt sich zur Bekämpfung der globalen Ernährungskrise und zum Schutz der Biodiversität als mächtige Lobbyorganisation für neue Formen einer nachhaltigeren,  lokale Traditionen stärker berücksichtigenden Landwirtschaft ein und arbeitet zu diesem Zweck eng mit Kleinbauern-, Viehhalter- und Fischerorganisationen zusammen. Gleichzeitig thematisiert GRAIN auch die massiven Landkäufe ausländischer Investoren in Entwicklungsländern („Landgrabbing"), durch die in vielen Fällen der heimischen Bevölkerung der Boden zum Anbau von Lebensmitteln für den eigenen Bedarf entzogen wird. „Mit der Arbeit von GRAIN ist es gelungen, das Thema Biodiversität auf die globale Agenda zu setzen sowie öffentliche Debatten zu kontroversen Themen wie Patenten auf Leben, Gentechnik und Kontrolle von Unternehmen über das Saatgut voranzutreiben", lobte  Misereor-Agrarexpertin Anja Mertineit.