Ältestes Mithräum Italiens entdeckt

Aufsehenerregender Fund in der Ausgrabungsstätte Acqua Claudia bei Anguillara Sabazia

Rom, (ZENIT.org) | 772 klicks

Die Ausgrabungsstätte „Acqua Claudia“ bei Anguillara Sabazia, etwa 30 km nördlich von Rom, erstreckt sich über ein Areal von ungefähr zweieinhalb Hektar und hat als Mittelpunkt eine Exedra, an deren Enden sich zwei Nymphäen befinden. An den noch erhaltenen Mauerwerken sieht man, dass sie mit der Technik des „opus quasi reticulatum“ verkleidet wurden, was den gesamten Komplex auf die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. datiert.

Die Besonderheit dieses Komplexes liegt darin, dass er über einer Höhle errichtet wurde, die in drei Abschnitte gegliedert ist, von denen zwei dem Eingang gegenüberliegen und fast parallel zueinander verlaufen, während der dritte seitlich verläuft und etwa vier Meter lang ist. In diesem Seitenraum hat man eine Reihe von „Sitzbänken“ freigelegt, die entlang der Wände des Raumes verlaufen. Im Zentrum der hintersten Wand befindet sich eine Nische mit rechteckiger Basis, von der aus ein kurzer, etwa fünf Meter langer, gepflasterter Weg in eine der beiden Seitenkorridore führt.

Die Analyse dieses unterirdischen Raumes hat ergeben, dass es sich um einen Kultplatz handelt, der dem Gott Mithras geweiht war; einer orientalischen Gottheit, die im ersten Jahrhundert vor Christus nach Rom „importiert“ wurde und deren Kult sich besonders in der Kaiserzeit stark verbreitete. Eine kleine Öffnung in der Decke der Höhle diente dazu, den unterirdischen Raum mit dem Gebäude darüber zu verbinden, im wesentlichen wohl darum, um einen Luftaustausch zu ermöglichen, da der Mithraskult rituelle Waschungen in einem sogenannten „Blutbecken“ vorsah, das vermutlich mit Stierblut angefüllt war.

Der Mithraismus kam mit den Legionären des Pompeius nach Italien, als diese im Herbst 62 v.Chr. von einem siegreichen Feldzug in Kleinasien zurückkehrten. Sie waren unter anderem in Armenien gewesen, wo damals der Mithraskult sehr verbreitet war. Trotzdem gehen alle bisher in Italien entdeckten Mithräen auf eine spätere Zeit zurück (I. bis IV. Jahrhundert n.Chr.). Ende des IV. Jahrhunderts verschwanden sie, nachdem Kaiser Theodosius 391 die Schließung aller heidnischen Heiligtümer angeordnet und das Christentum zur Staatsreligion des Kaiserreichs erhoben hatte.

Das Mithräum von Acqua Claudia lässt sich hingegen mittels der Mauerreste des Eingangs und des Vestibulums auf die Mitte des I. Jahrhunderts v.Chr. datieren, oder maximal auf einige Jahrzehnte später. Sollte diese Hypothese Bestätigung finden, wäre es damit das älteste bis heute in Italien entdeckte Mithräum.

* Mehr Info hierzu im Interview mit Paolo Lorizzo: http://www.zenit.org/it/articles/il-mitreo-del-complesso-romano-dell-acqua-claudia-di-anguillara (Text auf Italienisch)

Paolo Lorizzo studierte Orientalistik an der Universität „La Sapienza“ in Rom. Sein Spezialgebiet ist Ägyptologie. Er ist praktizierender Archäologe.